Etwa jeder fünfte Deutsche reagiert empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel.

Studien zufolge leiden ein bis zwei Prozent der Erwachsenen in Deutschland an einer Nahrungsmittelallergie, an der – wie bei anderen Allergien – das Immunsystem beteiligt ist. Bei Kindern liegt der Anteil höher, nämlich bei vier bis acht Prozent. Diese frühen Allergien verschwinden aber meist bis zur Einschulung.

Der Darm und seine Funktionen spielen für das gesundheitliche Wohlbefinden eine ganz zentrale Rolle.

Bei den häufigeren Nahrungsmittelintoleranzen rebelliert der Körper gegen eine bestimmte Substanz – das Immunsystem spielt in diesem Fall keine Rolle. Patienten, die unter einer Milchzucker- oder Laktoseintoleranz leiden – rund 15 Prozent der Bevölkerung – klagen nach dem Konsum von Milchprodukten über Blähungen und Durchfall. Ursache ist das Fehlen des laktosespaltenden Enzyms Laktase.

Ein Enzymdefekt ist auch der Grund dafür, dass einige Menschen den Nahrungsbestandteil Histamin nicht vertragen. Histamin, das unter anderem in Käse, Rotwein, Fisch und Sauerkraut enthalten ist, wird normalerweise durch das Enzym „Diaminooxidase“ rasch abgebaut. Fehlt das Enzym, verursacht Histamin ähnliche Symptome wie eine Nahrungsmittelallergie: Betroffene leiden an Hautrötungen, Hitzewallungen, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden.

Fest steht: der Darm und seine Funktionen spielen für das gesundheitliche Wohlbefinden eine ganz zentrale Rolle. Störungen haben nicht nur Auswirkungen auf die Verdauung sondern häufig auf den ganzen Körper. Besonders heiß diskutiert werden derzeit – sowohl in Laien – als auch in Fachkreisen – Beschwerden durch den Konsum von Weizen und anderen Getreidesorten. Auch hier können ganz unterschiedliche Ursachen zu Grunde liegen.

Bei Menschen mit einer „Zöliakie“ löst das im Getreide enthaltende Gluten eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus. Andere haben eine Allergie gegen Weizenbestandteile. Und seit Kurzem kennen wir eine dritte Störung, die durch Getreideprodukte ausgelöst wird: die Weizensensitivität. Die vermutete Ursache sind in diesem Fall Eiweißstoffe, die wie Gluten in Weizen, Gerste und Roggen vorkommen: „Amylase-Trypsin-Inhibitoren“, kurz ATIs. Dies sind natürliche Eiweiße, die bestimme Zellen des angeborenen Immunsystems aktivieren. Die Beschwerden gehen häufig über den Magen-Darm-Trakt hinaus. So sind mitunter Kopfschmerzen, Migräne, chronische Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen Folge der Erkrankung.

Allerdings ist Panikmache vor Brot und Nudeln unangebracht: Für den Großteil der Bevölkerung ist eine weizenhaltige Ernährung völlig unproblematisch.

Da sich die Symptome häufig kaum unterscheiden, ist die Abgrenzung von Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen in der Praxis oft nicht ganz einfach. Grundsätzlich ist zunächst eine sorgfältige Anamnese und Ausschlussdiagnostik wichtig. Allergien lassen sich oft durch einen Hauttest, den „Prick-Test“ nachweisen. Der Allergologe bringt dabei mögliche Allergene in die Haut ein und untersucht dann die lokale Reaktion. Für die Diagnose von Nahrungsmittelintoleranzen, die bei einem Gastroenterologen oder Ernährunsmediziner erfolgen sollte, gibt es nur wenige objektive Testverfahren. Atemluft-Untersuchungen können aber dabei helfen, den Kreis der verdächtigen Nahrungsmittel einzugrenzen.

Die entscheidende Rolle bei der Suche nach dem Auslöser spielt allerdings ein sehr altmodisches Instrument: Mithilfe eines Ernährungstagebuches versuchen wir gemeinsam mit dem Patienten, dem „Krankmacher“ auf die Spur zu kommen. Steht ein bestimmtes Nahrungsmittel unter Verdacht, kann der Patient für eine Weile darauf verzichten oder es bewusst zu sich nehmen. Mit etwas Geduld gelingt es dann in der Regel, den Auslöser zu identifizieren. Und die Therapie ist dann naheliegend: der Übeltäter wird gänzlich vom Speiseplan gestrichen.