Neben zahlreichen beruflichen Erfolgen musste Sabine Lisicki jedoch auch harte Schicksalsschläge einstecken: 2011 brach sie während eines Spiels bei den French-Open zusammen. Der Grund lag laut Medienberichten in einer sogenannten Gluten-Unverträglichkeit.

Frau Lisicki, wie äußerten sich die Symptome einer Gluten-Unverträglichkeit? Gab es denn schon länger Anzeichen, dass es Ihnen nicht gut ging, oder kam das für Sie aus dem Nichts?

Ich hatte bereits seit einigen Jahren mit Bauchschmerzen und Müdigkeit zu kämpfen. Ärzte, mit denen ich darüber gesprochen habe, konnten sich meinen Zustand nicht erklären, welcher sich zunehmend verschlechterte. Auch diverse Bluttests brachten keine Aufklärung. Langsam aber sicher bekam ich Panik, da ich nicht wusste, was mit mir los war. Dann las ich zufällig das Buch von einem Tenniskollegen, in dem er über seine Gluten-Unverträglichkeit schrieb. Die Symptome waren identisch. Daraufhin forderte ich ein weiteres Arzt-Gespräch und weitere Bluttests wurden bei mir durchgeführt.

„Ich sehe das alles positiv. Endlich kann ich mich wieder richtig gut fühlen und weiß, worauf ich achten muss.“

Wie lautete die Diagnose?

Die Diagnose war, dass ich von einer Gluten Sensitivity betroffen bin. Der Begriff „Gluten Sensitivity“ sagte mir zu diesem Zeitpunkt noch nichts und war auch unter den Medizinern noch weitest gehend unbekannt, dennoch stellten die Ärzte nach einer Ausschlussdiagnose von Zöliakie und Weizenallergie eine Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten bei mir fest, die sogenannte Gluten-Sensitivität.

Das muss für Sie eine enorme Erleichterung gewesen sein, endlich zu wissen, was der Auslöser Ihres Zusammenbruchs war?

Im ersten Moment war ich erleichtert – endlich wusste ich, was mit mir los war und konnte den Kollaps auf dem Platz damals nachvollziehen; ich hatte vor dem Spiel ein Gericht mit einer Sauce gegessen, welche wohl mit normalem, glutenhaltigem Mehl angedickt wurde. Aufgrund dessen hatte ich dann solche Bauchkrämpfe, dass ich vom Platz getragen werden musste. Auch wenn die Diagnose im ersten Augenblick eine Erleichterung war, fühlte ich mich kurz darauf mit der Diagnose alleine gelassen. Mir fehlten die Informationsquellen zu einer Umstellung auf eine plötzlich hundertprozentig glutenfreie Ernährung.

Wie sind Sie damals damit umgegangen? Gab es etwas, was Ihnen besonders schwerfiel, darauf zu verzichten?

Die Umstellung zu einer glutenfreien Ernährung war für mich anfangs nicht leicht. Keiner konnte mir wirklich sagen, auf was ich achten muss. Vollkornbrot habe ich am meisten vermisst. Seitdem habe ich mich aber noch intensiver mit dem Thema Gluten Sensitivity und glutenfreier Ernährung auseinandergesetzt. Nun genieße ich mein Leben und meinen Sport bewusster, trotz der Diagnose.

Die Umstellung zu einer glutenfreien Ernährung war für mich anfangs nicht leicht.

Mittlerweile gibt es eine große Vielfalt an glutenfreien Produkten zu kaufen, mit welchen ich die unterschiedlichsten Speisen zubereiten kann. Das ist eine enorme Erleichterung. Wenn Freunde zu Besuch kommen, gibt es eben glutenfreie Gerichte, was bisher noch keinen gestört hat. Bei meinen Eltern habe ich eine „glutenfreie Ecke“ mit Lebensmitteln und Extraschneidebrettchen, damit auch keine Krümel glutenhaltiger Speisen, die bei mir Beschwerden auslösen könnten, in mein Essen gelangen.

Was würden Sie Lesern raten, die eine Gluten-Unverträglichkeit bei sich vermuten?

Ich würde auf jeden Fall empfehlen, auf typische Symptome wie Bauchschmerzen und Müdigkeit zu achten. Bei anhaltenden Beschwerden würde ich jedes Mal wieder den Arzt aufsuchen und ihn auf die Möglichkeit einer Gluten-Unverträglichkeit ansprechen.

Seitdem Sabine Lisicki die Diagnose erhalten hat, ernährt sie sich ausschließlich glutenfrei. Auch wenn es anfangs eine große Umstellung war und viele Fragen aufkamen, gehört die glutenfreie Ernährung heute ganz selbstverständlich zu ihrem Leben dazu und gibt ihr wieder ein gutes Bauchgefühl.