Herr Stromberg, Sie sind verantwortlich für die gesunde Verpflegung der Nationalelf. Auf was legen die Spieler besonderen Wert?

Auf den Punkt gebracht: auf bestmögliche Lebensmittel und hochwertigste Energielieferanten in natürlichster und allerbester Qualität. Und schmecken muss es natürlich! Aber gesunde und genussvolle Küche schließen sich ja in keinster Weise aus, sondern sie bedingen sich vielmehr. Denn nur wo Gutes drin ist, kommt auch Gutes raus. Und etwas ausführlicher: Wenn ich für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft koche, müssen die Gerichte natürlich auf die Bedürfnisse der Mannschaft abgestimmt sein.

Ernährung allein wird kein Spiel gewinnen, aber sie macht jeden Spieler leistungsfähiger und die Spieler sind sich bewusst, wie wichtig Ernährung für sie ist. Die Mannschaft weiß, dass Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Reis, Quinoa oder Hirsesalat die Leistungsspeicher füllen und ihnen die nötigen Zuckerreserven für die letzten Minuten liefern. Dass Eiweiße im Steak oder Fisch ihren Muskelaufbau und die -energie fördern. Und dass Fett der größte Energielieferant und zugleich ein Schutzfaktor ist.

Gibt es ein Lieblingsessen, was sie immer wieder kochen müssen/dürfen?

Bei 23 Spielern sind das in der Regel auch 23 Lieblingsessen und als Betreuer sind wir natürlich darauf bedacht, die bestmöglichen Dinge bereitzustellen. Ich kann nicht für 23 Spieler individuell kochen, deshalb stelle ich immer ein Buffet zusammen, das möglichst vielseitig ist und sowohl die unterschiedlichen ernährungsphysiologischen Optionen berücksichtigt wie auch die kulinarischen Vorlieben.

Wichtig bei der Zusammenstellung ist auf alle Fälle das ausgewogene Verhältnis zwischen Kohlenhydraten, Eiweiß und gesunden Fetten. Natürlich ist der Torwart anders gefordert als die Sturmspitze und wird seinen Schwerpunkt eher auf eiweißreiche Kost legen, Feldspieler wie Bastian Schweinsteiger oder Mesut Özil, die viel laufen müssen, benötigen dagegen sehr viel mehr Kohlenhydrate.

An Trainingstagen mit zwei Einheiten wird mittags leicht und vergleichsweise wenig gegessen. Hauptsächlich Salat, kombiniert mit Geflügel oder Fisch, nur wenig Pasta. Aber drei echte All-Time-Favourites sind auf alle Fälle französische Tomatensuppe, Milchreis und ganz frisch und selbst zubereitetes Bruschetta – das mögen wirklich alle Spieler.

Kommen wir zu einem anderen Thema: Sie haben ein Kochbuch für Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Einerseits weil ich Herausforderungen liebe, weil es für Betroffene in diesem Feld bislang nichts Vergleichbares gab und wir zudem durch die von Patienten eingereichten Rezepte auch dazu inspiriert wurden. Diese Menschen leiden richtig unter ihrer Krankheit, sie trauen sich fast nicht mehr aus dem Haus, die Unsicherheit steigt, weil es ihnen zusehends schlechter geht. Und vor diesem Hintergrund haben wir einen Warenkorb erstellt mit bekömmlichen Lebensmitteln und auf CED-Patienten zugeschnittene Zubereitungsarten.

Wichtig war mir hierbei aber auch von vornherein, dass die Mahlzeiten richtig lecker und schmackhaft sind, sodass die Betroffenen jederzeit Gäste und Freunde zum Essen einladen können und keiner merkt, dass der Gastgeber besonders achtsam mit dem Thema Essen und Zubereitung umgehen muss.

Kreative Küche und Rücksicht auf besondere Ernährungsbedürfnisse bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa – geht das?

Absolut! Ich arbeite generell gerne nach dem Prinzip, dass ich mir erst einmal eine Art Gerüst aus all den Faktoren baue, die berücksichtigt werden müssen, die für das entsprechende Thema infrage und auch nicht infrage kommen – in der Mitte entsteht dann ein Raum, in dem ich mich völlig frei bewegen kann. Und hier kann dann die gesamte Kreativität völlig frei zum Entfalten kommen – bei Menschen mit CED war mit ausschlaggebend, Mahlzeiten zu kreieren, die keine Reizungen verursachen.

Natürlich waren hierbei per se diverse Geschmacksbringer außen vor, die es zu kompensieren galt, aber wir wollten mit dem Buch „Kochen mit Bauchgefühl“ betroffenen Menschen helfen, wieder ein normales Leben ohne zu große Abstriche zu führen.

Auf was müssen Menschen mit CED beim Kochen besonders achten?

Grundsätzlich sollten Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen darauf achten, dass sie Lebensmittel nicht rösten, braten und grillen – das ist durch die Bank ein No-Go - sondern sie eher dünsten, dämpfen und vorsichtig garen, sodass sie leicht bekömmlich und für den Organismus nicht belastend sind.