Frau Höfl-Riesch, Sie haben einmal gesagt, Sie seien während Ihrer aktiven Zeit bisweilen ein „getriebener Mensch“ gewesen. Verspüren Sie heute ein Gefühl der Entschleunigung? Oder wie kann man sich das Karriereende nach 15 Weltcupwintern vorstellen? 

Ich hatte ja bereits während meiner Karriere einige Projekte für die Zeit danach vorbereitet, sodass es praktisch ein nahtloser Übergang war. Anfangs habe ich mir schon gedacht: Jetzt wird’s ruhiger. Aber inzwischen bin ich kaum weniger unterwegs als vorher, nur dass ich nicht mehr in dieses Trainings- und Renntermine-Korsett eingeschnürt bin.

Heute kann ich selbst entscheiden, was ich tue, welche Termine ich mache und wann ich mir Auszeiten gönne. Das ist ein ganz anderes Gefühl von Freiheit. 

An welchen Körperstellen haben Sie während Ihrer aktiven Zeit Verletzungen erlitten?

An so ziemlich allen größeren Gelenken: Knie, Sprunggelenk, Schulter, Ellenbogen, Hand, Hüfte.

Kämpfen Sie heute noch mit Spätfolgen von Verletzungen?

Ein paar Rest-Wehwehchen sind schon geblieben, aber ich kann alles machen, bin körperlich in keiner Weise eingeschränkt. 

Viele ehemalige Leistungssportler klagen während oder nach ihrer Karriere über chronische Schmerzen, wie Probleme mit dem Rücken. Kennen Sie das?

Natürlich bleiben Nachwirkungen von den schweren Verletzungen. Hin und wieder habe ich etwas Rücken- oder Knieschmerzen. Meistens handelt es sich aber um Muskelansatzschmerzen oder Muskelverhärtungen, da ich ja immer noch viel Sport mache. Die sind durch ein paar Behandlungen beim Physiotherapeuten meist schnell wieder in den Griff zu bekommen. 

Falls ja: Was tun Sie dagegen? Wie gehen Sie mit dem wiederkehrenden Schmerz um?

Wie gesagt: Physiobehandlungen oder auch Massagen helfen in der Regel. Ansonsten versuche ich, Übungen oder Bewegungen, von denen ich weiß, dass sie meinem Körper nicht guttun, zu vermeiden. 

Als Leistungssportlerin haben Sie Ihre Motivation daraus gezogen, die Beste zu sein. Fehlt Ihnen dieses Sich-messen-Müssen beziehungsweise wie gleichen Sie dies heute aus?

Im Gegenteil. Ich genieße es, dass ich nicht mehr so unter Druck stehe. Ich hatte eine sehr lange, intensive und zum Glück auch erfolgreiche Karriere. Nach meiner dritten olympischen Goldmedaille die sportliche Laufbahn zu beenden, war definitiv der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt.

Heute habe ich neue spannende Herausforderungen, die mir allesamt sehr viel Spaß machen. Ich bin für die ARD als Wintersportexpertin im Einsatz, habe das Fitnesskonzept BE.YOU. entwickelt, eine eigene Fitnesskollektion mit Otto auf den Markt gebracht, und demnächst startet mein Fitnessportal, auf dem ich meine Trainingserfahrungen aus 15 Jahren Profisport weitergeben möchte. Also, langweilig wird mir nicht.