„Was, zwischen neun und zwölf Monaten?“ – nicht selten ist man als Patient verwundert, wie lange die vom Arzt angekündigte Ausfallzeit bis zum Wiedererlangen sportlicher Tätigkeit, zum Beispiel nach Kreuzbandriss oder Schulterverletzung, andauern kann.

Denn war es nicht der ehemalige Nationalstürmer Cacau, der schon acht Monate nach Riss des (hinteren) Kreuzbandes sowie des Innenbandes im Knie das Pokalfinale 2013 in Berlin bestritt? Oder war es nicht derselbe Spieler, der gerade mal acht Wochen nach Operation einer schweren Schultereckgelenksprengung wieder voll einsatzfähig auf dem Rasen stand?

„Statistisch gesehen sind pro Jahr in Deutschland etwa 1,5 Millionen Sportverletzungen beschrieben, alleine ein Drittel davon entsteht beim Fußball.“

Ist es also tatsächlich so, dass Spitzensportler schneller regenerieren können?

Statistisch gesehen sind pro Jahr in Deutschland etwa 1,5 Millionen Sportverletzungen beschrieben, alleine ein Drittel davon entsteht beim Fußball. In den meisten Fällen handelt es sich um Prellungen, Muskelverletzungen oder Verrenkungen des Knie- oder Sprunggelenkes.

Auf der Suche nach optimaler Genesung und schneller Rückkehr zur körperlichen Leistungsfähigkeit sucht der Patient oft sportärztlichen Rat mit dem Wunsch nach den genannten spitzensportähnlichen „Blitzheilungen“.

Tatsächlich gibt es bislang allerdings keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege dafür, dass sich die biologische Heilung verletzten menschlichen Gewebes an dem Leistungsniveau vorheriger Sportlichkeit orientiert. Auch ein klarer Unterschied in der Qualität einzelner Strukturen, so zum Beispiel des Kreuzbandes im Knie oder des Außenbandes im Sprunggelenk, ist bislang nicht nachgewiesen.

In Fachkreisen wird zwar angenommen, dass sich körperliches Gewebe durch eine entsprechend wiederkehrende hohe Belastung eben dieser anpasst, also etwas „steifer“ und möglicherweise reißfester wird.

Die Zeit bis zu einer vollständigen Reparatur des Gewebes nach einer Verletzung oder gar Operation ist zeitlich gesehen jedoch eindeutig von der Natur vorgegeben. Mit anderen Worten: Der biologische „Bauplan“ eines Nationalstürmers im Falle einer Verletzung unterscheidet sich in keinster Weise von dem eines Freizeitkickers.

Einzig in puncto langjährigen Körperempfindens und der damit verbundenen muskulären und koordinativen Fähigkeiten sind Berufssportler natürlich im Vorteil, ein Plus, das bei steigender Belastung während einer Rehabilitation nach Verletzung oder Operation natürlich nicht unerheblich zum Tragen kommt.

Gepaart mit entsprechender biomechanischer und funktioneller Erfahrung und Hintergrundwissen der betreuenden Ärzte und Physiotherapeuten kann verletztes Gewebe also – obwohl es de facto nicht „schneller heilt“ – dennoch schrittweise höher belastet und doch „körpereigen“ geschützt werden.

„Wunder“ gibt es auch im Spitzensport somit also keine, denn man kann die Natur nicht überholen. Überträgt man jedoch die langjährigen Erfahrungen aus dem Spitzensport auf das "normale" Patientenklientel, so sind auch hier schnelle und individuell abgestimmte Ergebnisse erreichbar – manchmal sogar dem Spitzensport ähnlich.