Der hohe Anspruch unserer Gesellschaft an die bisherige „Reparaturmedizin“ wird bei den zunehmenden durch Bewegungsmangel begünstigten Zivilisationskrankheiten nicht mehr erfüllbar. Hier muss unser Blick über den Horizont hinausgehen. Mehr als ein Viertel aller medizinischen Behandlungsfälle betreffen mittlerweile den Bewegungsapparat. Unser Bewegungsorgan will gefordert und gebraucht werden!

„Mehr als ein Viertel aller medizinischen Behandlungsfälle betreffen mittlerweile den Bewegungsapparat.“

Bei einem Volk von Schreibtischtätern ist nicht nur die Ergonomie von Sitzmöbeln wichtig. Zur Korrektur der „schlechten Haltung“ speziell bei der Volkskrankheit Nummer eins, dem Rückenschmerz, sind die Stärkung der Rumpfmuskulatur und die Vermeidung einer Überbeanspruchung der Wirbelsäule entscheidend. Daher ist Sport und Bewegung die beste Therapie, und sie ist nicht altersbeschränkt. Die muskuläre Stärkung bietet gleichzeitig eine Prophylaxe von Osteoporose und Sturzneigung – Risiken, die im hohen Alter eine individuelle Katastrophe bedeuten können.

Allerdings haben viele Menschen mittlerweile verlernt, den Sport auch gesund zu betreiben. Das Gefühl für eine gesunde Belastung ohne Überlastung geht leider bei mangelnden koordinativen Fähigkeiten schon früh verloren. Folge davon sind Überlastungsschäden oder Sportverletzungen, die durch gezieltes Aufwärmen vermieden werden könnten. Dann müssen die heimtückischen Verletzungen frühzeitig entdeckt werden. Das gilt vor allem für den geschädigten Gelenkknorpel, der sich nicht selbst regenerieren kann. Vor der Kernspinära blieben diese Verletzungen unerkannt, bis das Gelenk durch „den Sand im Getriebe“ unwiederbringlich verloren war.

Die therapeutischen Möglichkeiten bei zunehmendem Gelenkverschleiß werden heutzutage zum Glück immer größer. Der künstliche Gelenkersatz, die sogenannte Endoprothetik, gilt als segensreichste Operation des 20. Jahrhunderts. Die endoprothetischen Operationen werden fortwährend verfeinert, sodass sie immer weniger für den Patienten belastend durchgeführt werden können. Daneben rücken immer mehr Maßnahmen zur vorbeugenden Versorgung und zur endogenen Regeneration des Organismus in den Fokus.

Hier ist die Verknüpfung der klinisch angewandten Wissenschaft mit Grundlagenforschung außerordentlich wichtig, um Erkenntnisse aus der Molekularbiologie um Fehlfunktionen von Zellen und Geweben zum frühestmöglichen Zeitpunkt nutzen zu können. Der regenerativen Medizin, seien es regenerative Stammzelltherapien oder die Anwendung von Wachstumsfaktoren und wachstumsfördernden Kunstgeweben, gehört die Zukunft.

In der Prophylaxe der Arthrose wurden gerade in den deutschsprachigen Ländern bereits sensationelle Erfolge erzielt. Zum Beispiel konnte mit Einführung der Vorsorgeuntersuchung mittels Hüftgelenksonografie bei Babys in der vierten bis sechsten Lebenswoche die Zahl an Eingriffen und Behandlungen wegen Hüftdysplasie im Wachstumsalter auf circa ein Fünftel gesenkt werden. Gelenkerhaltende Operationen, minimalinvasiv arthroskopisch durchgeführt, setzen heute da an, wo man früher keinen Ausweg mehr sah.

Wir Orthopäden und Unfallchirurgen kümmern uns präventiv um das verkümmerte Organ, getreu dem alten Motto „Vorbeugen ist besser als Heilen“. Unsere Behandlungsoptionen beinhalten nicht nur eine zielgerichtete Diagnostik, eine individualisierte Therapie, eine Rehabilitation nach Bedarf, sie führen auch über alle Sektorengrenzen hinweg zu einer Reintegration in das persönliche und berufliche Leben.