Wie wichtig ist Schlaf generell für den Menschen?

Seine wesentliche Funktion ist erst mal, ganz banal gesprochen, dass man sich erholt. Schlaf braucht man aber nicht nur in einer geeigneten Menge, sondern auch in entsprechender Qualität.

Es gibt sogar Menschen, die benötigen nur vier Stunden Schlaf.

Ich habe durchaus meine Zweifel, ob man in solchen Fällen auf Dauer nicht Nachteile in Bezug auf Erkrankungen oder Lebenserwartung in Kauf nimmt. Allgemein kann man sagen, dass wer lang und gut schläft, auch erholter und relaxter im Geist ist. Schlaf würde ich in dieser Hinsicht nicht nur eine Wirkung am nächsten Morgen, sondern auch eine langfristige Wirkung zuordnen.

Richtig erforscht ist dieses Thema insbesondere für Leistungssportler aber noch nicht. Generell scheint die „innere Uhr“ jedes Menschen mit ihren verschiedenen Regelkreisen, die Einfluss nehmen, unterschiedlich zu ticken. Was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass das durchschnittliche Bedürfnis nach Schlaf mit zunehmendem Alter etwas abnimmt.

Wie wichtig ist denn der Schlaf speziell für einen Leistungssportler?

Natürlich besonders wichtig, denn sein Alltag ist physisch geprägt und er muss zu allererst eine körperliche Leistung erbringen. Deshalb benötigt er erholsame Phasen zwischen den Trainingseinheiten und Wettkämpfen.

Individualsportler leiden dagegen nach meinen Beobachtungen eher unter Schlafproblemen.

Wenn ein starker Trainingsreiz gesetzt wird, der zu Anpassungserscheinungen im Organismus führen soll, finden diese meistens in den Ruhephasen statt.

Was wir außerdem sehen, ist, dass es so etwas wie sportspezifische Profile zu geben scheint.

Können Sie Beispiele geben?

Ich kenne aus meiner Arbeit viele Fußballer. Die schlafen in der Regel viel und gut. Den meisten gelingt das auch während Flügen, sodass ich manchmal neidisch werde. Probleme einzuschlafen scheinen sie allerdings dann zu haben, wenn Spiele am Abend stattfinden und sie anschließend noch komplett aufgedreht sind.

Individualsportler leiden dagegen nach meinen Beobachtungen eher unter Schlafproblemen. Ich kann aber zurzeit nur das Phänomen beschreiben, das Studien ebenfalls widerspiegeln. Die genaue Ursache ist uns auch noch nicht bekannt. Eine mögliche Rolle spielen die Trainingsstrukturen.

Welche Rolle spielt denn die Matratze? Achten Sie auch auf die, wenn die neuen Quartiere der Nationalmannschaft ausgesucht werden?

Medizinisch gibt es sicher entscheidendere Aspekte als die Matratze. Aber wenn wir bei einem Turnier mehrere Wochen vor Ort in einem Teambasecamp sind, haben wir solche Punkte schon im Fokus.

Wir liegen dann nicht auf jeder Matratze Probe, aber es sollte schon die Option bestehen, dass ein Spieler die Matratze austauschen kann, wenn er zum Beispiel lieber hart als weich liegt. Auch auf die sonstigen Rahmenbedingungen wie Lärm und Verdunklung haben wir ein Auge.

Was machen Sie denn, wenn ein Spieler vor dem wichtigen WM-Finale nicht einschlafen kann? Wohl kaum Hausmittel wie die beruhigende Wirkung von einem Schluck Bier?

In der Tat ist das gar nicht so trivial. Schlafmittel stehen zwar nicht auf der Dopingliste, wirken aber potenziell leistungsschwächend, sodass sie in der Nacht vor einem Spiel eher nicht in Betracht kommen. Und mit Medikamenten bin ich generell sehr zurückhaltend.

Unser Sportpsychologe kann in manchen Fällen auch mit Entspannungsübungen helfen.

Ich setze auf mehrere Stufen. Denn in der Regel treten solche Probleme ja zum Glück nicht zum ersten Mal auf, wenn man vor einem Finale steht. Wir besprechen, wie man Rahmenbedingungen verändern kann. Also die klassische Schlafhygiene mit Ruhe, Dunkelheit und der richtigen Zimmertemperatur. Es hilft auch, die letzten 45 Minuten vor dem Einschlafen nicht auf einen flimmernden Bildschirm zu gucken.

Unser Sportpsychologe kann in manchen Fällen auch mit Entspannungsübungen helfen. Mit relativ gutem Gewissen kann man pflanzliche Mittel wie Baldrian geben. Am Ende dieses Stufenprogramms käme dann ein Schlafmittel. Solche Fälle waren aber glücklicherweise bislang extrem selten. In Situationen vor wichtigen Spielen kann ich mich an gar keinen erinnern.

Haben Sie auch schon mal unruhig vor einem Spiel der Nationalmannschaft geschlafen?

Ich schlafe eher schlecht, wenn wir mal zu lange gefeiert haben.

Gesunder Schlaf mit MLine® - Robert Harting im Interview