Ein Wunderwerk der Natur? Evolutionär gesehen eher eine Fehlkonstruktion, meint Prof. Dr. med. Martinus Richter, Chefarzt Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie im Krankenhaus Rummelsberg.

„Für den aufrechten Gang ist der Fuß eigentlich viel zu kompliziert und fragil, deshalb treten am Fuß am häufigsten Deformitäten und andere Überlastungserscheinungen auf.“ Wenn diese Probleme mit nichtoperativer Behandlung nicht mehr gelindert werden können, ist die ganze Kunstfertigkeit des Operateurs gefragt. Die Vielzahl der Gelenkverbindungen auf engstem Raum, ihre geringe Größe und die komplizierte Biomechanik machen jeden Eingriff zur Herausforderung.

Um hochpräzise zu arbeiten, werden komplexe fußchirurgische Eingriffe in Rummelsberg mit Navigation durchgeführt. Die Klinik ist weltweit eine der wenigen, die diese Technik anbieten — zum Beispiel bei korrigierenden Gelenkversteifungen bei Deformitäten des Fußes und Sprunggelenks.

Entsprechend der ebenfalls computergestützten Planung errechnet das Navigationsgerät auf ein Grad und einen Millimeter genau, in welcher Relation die Knochen zueinander bewegt werden müssen, um das gewünschte Korrekturergebnis zu erreichen. Ganz neu ist in Rummelsberg auch ein Verfahren zur dreidimensionalen Röntgenbildgebung mit Belastung (PedCAT®), sozusagen eine Computertomografie im Stehen. 

„Eine wesentlich bessere Haltbarkeit der künstlichen Sprunggelenke.“

Die Technologie ist hier erstmals in Europa installiert und erlaubt eine dreidimensionale Darstellung der Knochen mit Belastung, womit eine genauere Analyse von Deformitäten zur Korrekturplanung möglich ist.

Professor Richter entwickelt derzeit auch ein Verfahren, mit dem erstmals die navigierte Implantation von Endoprothesen des oberen Sprunggelenks möglich wird: „Der künstliche Ersatz dieses Gelenks muss perfekt sitzen, sonst drohen vorzeitige Lockerung und Verschleiß des Implantats – ein Problem, das in der Vergangenheit relativ oft auftrat.“ Mit der navigierten Prothesenimplantation wird der Gelenkersatz nicht wie üblich nur an der Schienbeinachse ausgerichtet, sondern an der gesamten Beinachse.

Dieses neuartige Prinzip verspricht eine wesentlich bessere Haltbarkeit der künstlichen Sprunggelenke und könnte der bislang nur selten eingesetzten Behandlungsmethode zum Durchbruch verhelfen.