Wissen ist eine Grundvoraussetzung, um das Vertrauen unserer Patienten zu verdienen. Oberflächlichkeit oder rasche Information aus dem einen oder anderen Informationsportal im Internet reichen da nicht aus. Wissen muss man sich erarbeiten. In einer Zeit, in der die Halbwertszeit des Wissens in der Medizin fünf Jahre beträgt, ist das eine Herausforderung, der wir uns jeden Tag neu stellen müssen. Die deutsche Orthopädie und Unfallchirurgie repräsentiert dieses neue Wissen und bemüht sich, es täglich zu vermehren.

„Fortschritte in der Technischen Orthopädie erlauben auch für Menschen mit Behinderung durch ergonomische Hilfsmittel eine hohe Aktivität.“

Die heutigen Therapiemöglichkeiten sind das Ergebnis intensiver Forschung und Entwicklung in Orthopädie und Unfallchirurgie. Osteoporose- und Rheumapatienten können heute von Medikamenten profitieren, die Entzündungsprozesse verlangsamen. Patienten mit Rückenschmerzen profitieren von Weiterentwicklungen in Rehabilitation und Physiotherapie, sodass Operationen seltener nötig sind. Knorpelgewebe lässt sich replizieren und bei jungen Menschen mit Sportverletzungen transplantieren. Endoprothesen sind heute bruchsicher und werden millionenfach eingesetzt.

Fortschritte in der Technischen Orthopädie erlauben auch für Menschen mit Behinderung durch ergonomische Hilfsmittel eine hohe Aktivität. Wer zu den vielen erfolgreich Behandelten gehört, kann sich heute auf ein funktionierendes Skelettsystem verlassen, genießt hohe Lebensqualität und ist sogar wieder sportfähig. Wir in Deutschland leisten diesen besonderen Standard für alle!

Wie es vor 40 Jahren war, will sich heute keiner mehr vorstellen. Schmerzen und Krückstock gehörten zum Alltag des Älteren. So etwas sieht man heute noch in vielen Großstädten der sogenannten Entwicklungsländer, in denen nicht jeder Bedürftige eine Prothese erhält. Bei uns wird dagegen über zu häufiges Operieren geredet. Wer halbwegs gesund ist, schaut auf seine Krankenkassenbeiträge und wünscht sich Kostenkontrollen – ich nenne das die Arroganz der Gesunden.

Unsere Gesellschaft will kostenkontrollierte Perfektion, fehlerlos. Ihr wird suggeriert, dass wir mit unseren Entwicklungen am Ende angekommen sind, dass Wissenschaft nicht mehr nötig sei. Aus den großen Erfolgen wird abgeleitet, dass wir uns nicht mehr in einem medizinisch-therapeutischen Bereich befinden, sondern im Ersatzteillager.

Aber insbesondere die Kollegen in den Kliniken, die sich mit Wechseloperationen beschäftigen, sehen die Schicksale selbst bei den erfolgreichen Therapien. Wir müssen akzeptieren, dass Wissen und Erkenntnisse über spezielle Eigenschaften unserer Verfahren verzögert wahrgenommen werden. Nicht alle Verfahren sind hinreichend bewertet – dafür brauchen wir mehr Wissenschaft.

Aber schon heute müssen wir als Orthopäden und Unfallchirurgen vertrauensvolle Berater unserer Patienten sein, die helfen, in dem breiten Spektrum der Therapieangebote zurechtzukommen. Anders als in der Vergangenheit sollen Patienten in alle Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Sie sollen die Vorteile sowie die Risiken der Therapien erfahren. Information ist ärztliche Zukunftsaufgabe. 

Aber Vertrauen bedeutet auch, dass wir das Fach weiterentwickeln, dass wir nach Verbesserungen suchen und für die Herausforderungen der Zukunft neue notwendige Konzepte erarbeiten. Dafür brauchen wir die Wissenschaft und das Vertrauen der Patienten, dass wir verantwortungsvoll mit ihnen umgehen.

Weitere Informationen unter: www.dgou.de