Schäden können infolge von Fehlern in der Behandlung und in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung auftreten. Das Erkennen, die Analyse und die Vermeidung von Fehlern sind Kennzeichen der Patientensicherheit.

So definiert das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS), vor zehn Jahren gegründet, Patientensicherheit. Jeder Patient muss sich sowohl beim Arzt als auch in einem Krankenhaus sicher fühlen können. Ziel ist, eine neue Sicherheitskultur in Deutschland zu etablieren, in der alle Akteure, auch Patienten, wachsam und engagiert das Ihre zu einer sicheren Versorgung beitragen.

Wir wünschen uns, dass Patienten ihre Rechte besser kennen und sich so weit als möglich für ihre Anliegen einsetzen.

Vor zehn Jahren war es ein Tabu, über Fehler in der Medizin zu sprechen. „Die mutigsten Ärzte Deutschlands“ wurden die genannt, die sich offen zu ihren Fehlern bekannten. Heute ist der gemeinnützige Verein mit über 600 Mitgliedern aus allen Bereichen des Gesundheitswesens zum zentralen Akteur in Deutschland in Sachen Patientensicherheit geworden. In multiprofessionell besetzten Arbeitsgruppen werden Handlungsempfehlungen für die Bereiche erstellt, die als Quellen von Behandlungsfehlern bekannt sind. Die Empfehlungen richten sich an ambulant wie stationär Tätige, an Ärzte, Pflegende, Qualitätsmanager, Apotheker wie auch an Patienten und können kostenfrei über die Homepage heruntergeladen oder im APS angefordert werden: www.aps-ev.de.

Kampagnen und Projekte zur Patientensicherheit konnten in Deutschland erfolgreich umgesetzt und durch Gesetze unterstützt werden. Das belegt die neue Studie zum Stand des klinischen Risikomanagements des Instituts für Patientensicherheit der Universität Bonn (Stiftungsprofessur des APS). Die „Aktion Saubere Hände“, an der sich fast 1.000 Krankenhäuser beteiligen, trägt dazu bei, die Zahl der Infektionen zu senken.

Checklisten im OP sorgen dafür, dass alle vor dem ersten Schnitt mit dem Skalpell innehalten: Ist der richtige Patient zur richtigen Zeit im richtigen OP? Zählkontrollen vor, während und nach der Operation stellen sicher, dass keine Tupfer im Bauch bleiben. Doch der Druck in den Krankenhäusern ist groß, das Personal hat wenig Zeit, da passieren gegebenenfalls Fehler. Um daraus zu lernen, Strukturen, Prozesse und Abläufe zu ändern, gibt es Fehlermelde- und Berichtssysteme, in denen Ereignisse eingegeben und ausgewertet werden, um konsequent Veränderungen einzuleiten.

Es geht nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern Lösungen zu finden. Dazu dient auch der „Lernzielkatalog Patientensicherheit“, der in alle Berufsausbildungen aufgenommen werden soll.

Neben sicherheitsrelevanten Praxisfeldern ist das APS politisch aktiv. Es äußert sich zu Gesetzesvorhaben und verfasst Stellungnahmen. Der Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe, ist Schirmherr. Das Bundesministerium für Gesundheit hat seit zehn Jahren Projekte zum Thema Patientensicherheit unterstützt. Das unabhängige APS betrachtet das Gesundheitssystem aus der Vogelperspektive, zeigt Zusammenhänge für zu Verbesserndes auf und geht Lösungen an. Dabei lehnen wir Skandalisierungen ab: Diese führen zur Verunsicherung von Patienten, oft zu unberechtigten Schuldzuweisungen und zu Vorverurteilungen.

Wir wollen erreichen, dass Behandler und Patienten partizipativ und offen miteinander kommunizieren. Dabei müssen (Forderung an die Politik und die Leistungserbringer!) die Voraussetzungen stimmen, zum Beispiel durch eine adäquate Personalausstattung in den Klinken vor allem in der Pflege, durch regelhafte Fortbildungen et cetera.

Wir brauchen mehr Transparenz und Kommunikation bei jedem unerwünschten Ereignis. Wir wünschen uns, dass Patienten ihre Rechte besser kennen und sich so weit als möglich für ihre Anliegen einsetzen, unterstützt durch Angehörige, Freunde und gegebenenfalls durch Rechtsberater. Dabei ist ein verstärkter multidisziplinärer Austausch mit besserer Kommunikation zwischen allen Beteiligten im Gesundheitswesen ohne Alternative.

Es tut sich viel in Deutschland in Sachen Patientensicherheit. Und - es bleibt noch viel zu tun, denn: Patientensicherheit geht alle an.