• Herr Dr. Lauer-Riffard, lassen sich chronische Schmerzen heilen?

Die oft langwierige Behandlung von chronischen Schmerzen ist eine Herausforderung. In den meisten Fällen geht es allerdings um Schmerzlinderung und Verbesserung der Lebensqualität. Leider sehen viele Betroffene einen qualifizierten Schmerzspezialisten erst nach jahrelanger Odyssee durch Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäuser. Viele Patienten nehmen dann bereits überflüssige Schmerzmittel mit starken Nebenwirkungen ein oder haben gar fragwürdige Operationen hinter sich. Hier setzt die multimodale Schmerztherapie als interdisziplinäres Behandlungskonzept an.


  • Was ist eine interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie?

Bei dieser Therapieform arbeiten Schmerzmediziner, Physiotherapeuten und Psychologen mit anderen Fachdisziplinen eng zusammen. Der Schmerzpatient wird ganzheitlich betrachtet. Neben den körperlichen Schmerzursachen werden daher auch die seelischen, sozialen und beruflichen Beeinträchtigungen einbezogen. Es geht nicht nur um eine optimale Einstellung mit Medikamenten, sondern auch um körperliche Aktivierung und Erlernen von Entspannungsverfahren. Dieses (teil-)stationäre Behandlungskonzept zielt auf eine nachhaltige Schmerzlinderung, aber auch auf einen verbesserten Umgang mit dem Schmerz im Alltag.


  • Warum ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen wichtig?

Weil sie eine gründliche Abklärung der Schmerzursache und somit eine zielgerichtete Behandlung ermöglicht. Schmerztherapeuten arbeiten dabei mit Neurologen, Wirbelsäulenspezialisten und Orthopäden Hand in Hand. Mir persönlich ist aber auch ein kontinuierlicher Austausch mit den Hausärzten sehr wichtig. Unklare Fälle werden regelmäßig in Schmerzkonferenzen interdisziplinär erörtert. Hier wird auch gemeinsam festgelegt, wenn ein Patient für die multimodale Therapie nicht geeignet ist, weil eine ursächlich behandelbare Erkrankung vorliegt. 
 

  • Herr Dr. Stubbe, welche Behandlungsalternativen gibt es noch?

Bei bestimmten Schmerzformen ist die multimodale Therapie manchmal nicht ausreichend. Ein gutes Beispiel sind Fälle von Nervenschmerzen, die auf Medikamente unzureichend ansprechen. Hier kommen interventionelle Verfahren ins Spiel.
 

  • Was ist darunter genau zu verstehen? 

Unter interventioneller Schmerztherapie versteht man die Behandlung von Nerven oder Gelenken mit Einspritzungen, Wärmeverödung oder Vereisung. Bei der Neuromodulation handelt es sich um eine Sonderform der interventionellen Therapie, die nur in spezialisierten Zentren angeboten wird. Hierbei wird die Nervenaktivität meist durch gezielte elektrische Stimulation so beeinflusst, dass die Schmerzfortleitung zum Gehirn gehemmt wird. Zu dieser Technik zählen unter anderem die Rückenmarkstimulation (SCS, engl. für Spinal Cord Stimulation) sowie die Spinalganglion-Stimulation (DRG, engl. für Dorsal Root Ganglion Stimulation). Diese Behandlungsmethoden werden meist erst dann angewendet, wenn weniger invasive Therapiemaßnahmen erfolglos geblieben oder Nerven durch Operationen nachhaltig beschädigt sind. Dies kann nach Knie- oder Leistenoperationen der Fall sein. Oder wenn der Patient nach einer Bandscheiben-OP immer noch Schmerzen hat.
 

  • Das klingt aufwendig. Bleibt für eine intensive Diagnostik wirklich Zeit?

Ja, dank der interdisziplinären Zusammenarbeit und der stationären Anbindung. Zeit für den Patienten zu haben ist sehr wichtig in der Schmerzmedizin, weil man vielen Betroffenen durch 5-Minuten-Medizin kaum gerecht wird.