Operationsverfahren werden immer schonender. Chirurgen erhalten Unterstützung durch computerassistierte Navigation. Medizintechnik und IT wachsen zusammen. Zukunftsträchtige Technologiefelder wie Bio- und Nanotechnologien sind ebenso in der Medizin auf dem Vormarsch.

Patientenschutz und Patientenwohl haben dabei höchste Priorität im Medizinprodukterecht. Das regulatorische System für Medizinprodukte bewährt sich seit über 15 Jahren. Hierzu gehören hohe Anforderungen. Nur wenige wissen, dass Medizinprodukte umfangreiche technische Tests durchlaufen, bevor sie in klinischen Studien erprobt und beim Patienten angewendet werden.

Neue Herzschrittmacher-Modelle werden beispielsweise fast 40.000 Stunden geprüft, bis alle erforderlichen Tests durchgeführt sind. Hinzu kommt ein speziell für Medizinprodukte eingeführtes Qualitätsmanagementsystem, das Kontrollen im technischen Labor oder Chargen- und Stichprobenprüfungen umfasst, wenn die Produktion angelaufen ist.

Medizinprodukte werden derzeit in den Medien oft kritisch beäugt. Nach dem Brustimplantate-Skandal kam es in Mode, eher über Problemfälle aus der Branche statt über Chancen zu berichten. Dabei ist klar: Jedes Implantat hat bei der Anwendung, also der Operation, ein höheres Risiko. Deshalb müssen diese Produkte entsprechende umfangreiche technische Tests und klinische Prüfungen durchlaufen.

Trotz aller Bemühungen aufseiten der Hersteller und der Operierenden muss aber klar sein: Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. In keinem Bereich. Entscheidend ist, dass das Restrisiko vertretbar ist im Verhältnis zum Nutzen für den Patienten.

Notwendig ist aus unserer Sicht eine breite gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit dem medizintechnischen Fortschritt. Wie wollen wir als Gesellschaft künftig mit Innovationen umgehen? Welche Bedeutung hat der zeitnahe Zugang zu innovativen Medizintechnologien für die Patienten? Welches Risiko ist vertretbar für welchen Nutzen? Wie viele Hürden bauen wir auf oder ab, um unseren Patienten die bestmögliche und bezahlbare Behandlung zu ermöglichen? Das sind spannende Fragen, die wir gemeinsam mit den Partnern im Gesundheitssystem diskutieren sollten.