Jährlich sterben fast 1.000 Patienten auf der Warteliste, denen mit einer Organspende hätte geholfen werden können. Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), spricht im Interview über aktuelle Entwicklungen und warum es so wichtig ist, über Organspende nachzudenken.

Herr Dr. Rahmel, wie sehen die aktuellen Entwicklungen der Organspendezahlen aus?

Eine Organspende ist in jedem Alter möglich. Was zählt, ist der Zustand der Organe.

Im vergangenen Jahr haben sich die Organspendezahlen erstmals wieder stabilisiert, nachdem sie in den Vorjahren zum Teil massiv eingebrochen waren.

877 Menschen haben nach ihrem Tod Organe gespendet. Allerdings können wir noch nicht von einer klaren Trendwende sprechen – auch wenn wir uns das für die Patienten auf der Warteliste natürlich wünschen würden.

Eine sehr positive Entwicklung ist für mich jedoch, dass man ganz klar merkt, dass sich die Deutschen stärker mit dem Thema auseinandersetzen als früher und immer mehr Menschen eine Entscheidung treffen und auch dokumentieren. Jeder Dritte besitzt laut aktueller Umfragen inzwischen einen Organspendeausweis – das ist deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Trotzdem ist es nach wie vor sehr wichtig, dass sich auch die Unentschiedenen mit dem Thema beschäftigen und zu einer klaren Haltung kommen.

Warum ist das so wichtig?

Es gibt  viele Gründe, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der wichtigste: Eine Organspende kann Leben retten. Außerdem kann jeder plötzlich selbst in die Situation kommen, auf eine Organspende angewiesen zu sein und würde diese dann sicher auch gerne annehmen.

Aber vor allem aus Fürsorge gegenüber den Angehörigen sollte man zu Lebzeiten eine selbstbestimmte Entscheidung treffen. Sonst wird die Familie in einer ohnehin schon belastenden Situation der Trauer und des Verlusts nach dem vermuteten Willen des Verstorbenen gefragt. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man die Entscheidung in einem Organspendeausweis dokumentiert. So kann man sichergehen, dass der eigene Wille auch umgesetzt wird.

Was sind die Voraussetzungen für eine Organspende?

Es gibt zwei Voraussetzungen, die im Transplantationsgesetz festgelegt sind: Der irreversible Hirnfunktionsausfall und damit der Tod des Spenders, muss nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt worden sein. Außerdem muss eine Einwilligung vorliegen, zum Beispiel durch einen Organspendeausweis.

Viele denken ja, sie wären zu alt, um Organe zu spenden. Stimmt das denn?

Nein, eine Organspende ist in jedem Alter möglich. Was zählt, ist der Zustand der Organe. Dieser hängt nur bedingt vom jeweiligen Lebensalter ab. Der älteste Organspender in Deutschland war sogar über 90 Jahre alt! Ob ein Organ transplantiert werden kann, entscheiden medizinische Voruntersuchungen und der Arzt zum Zeitpunkt der Entnahme.

Ist es auch möglich, nur bestimmte Organe zu spenden?

Ja, das ist selbstverständlich möglich. Auf dem Organspendeausweis können die gewünschten Einschränkungen vermerkt werden. Dort kann man übrigens auch eintragen, wenn man keine Organe spenden will. Darüber hinausgehend wird die Entscheidung nicht registriert und kann jederzeit formlos geändert werden.

Infotelefon Organspende

Unter der kostenfreien Rufnummer 0800 90 40 400 beantwortet ein Expertenteam von Montag bis Freitag zwischen 9 und 18 Uhr Fragen rund um die Organspende. Fragen können außerdem an infotelefon@organspende.de gesendet werden.