Prävention und neue Technologien können eine Antwort auf dieses komplexe Problem im Gesundheitswesen geben. Experten schätzen, dass sich drei bis sechs Prozent der Patienten in Krankenhäusern mit Erregern infizieren. Erschwerend hinzu kommt, dass die meisten schon durch ein anderes Leiden geschwächt sind. Einige von ihnen überleben sogar eine nosokomiale Infektion, also eine Ansteckung mit Klinikkeimen, nicht.

Gefährliche Erreger

Gefährlich sind beispielsweise Legionellen: Sie vermehren sich im Wasser und können bei Menschen, deren Immunsystem bereits geschwächt ist, eine Lungenentzündung auslösen. Aber auch Harnwegsinfektionen, Blutvergiftungen oder entzündete OP-Wunden sind Folge von Erregern.

Es existieren außerdem resistente Erreger, so genannte „Superbakterien“. So ist zum Beispiel der multi-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) leicht übertragbar und schwer zu bekämpfen. Die Keime entstehen durch mangelnde Hygiene, aber auch durch falschen Einsatz von Antibiotika.

Fehlende Mittel

Untersucht man alle Klinikpatienten auf diese Risikoerreger, würde das organisatorisch einen immensen Aufwand bedeuten. Zumal Ärzte an unterschiedlichen Stellen des Körpers nach ganz verschiedenen Erregern suchen müssten. Und selbst wenn die gefährlichen Keime bei Patienten festgestellt werden, fehlt es oft an Zimmern oder Fachpersonal, um die Infizierten von anderen Kranken getrennt zu behandeln.

Auch der Kostenfaktor ist nicht unerheblich: Aufenthalte in den Kliniken verlängern sich. Rehamaßnahmen werden nötig. Krankenhäuser, die zu wenig durchführen, erhalten kaum noch Versicherungsschutz.

Prävention für mehr Sicherheit

Eine mögliche Lösung für dieses komplexe Problem ist umfassende Prävention. Aber auch sie bedeutet erstmal Kosten und bindet Ressourcen. Denn für eine verbesserte Sicherheitskultur braucht es geschultes Personal, Ausbildung, Präventionsstrategien, ein adäquates Infektionscontrolling und -reporting mit Checklisten sowie nötige Hilfsmittel und Technologien. In Zeiten, in denen bei Krankenhausetats aufgrund von Budgetierung eigentlich gespart werden muss, zahlt sich dies jedoch langfristig aus.

Schon vor zehn Jahren startete die WHO daher zum Beispiel die Kampagne „Clean Care is Safer Care“ in 162 Staaten. Im Vordergrund steht die Bedeutung der Händedesinfektion, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden.

Technische Lösungen

Aber auch die technischen Geräte stehen im Fokus: Aufgrund des Kostendrucks und Workflows verwendet das Klinikpersonal häufig Hilfsmittel und Verbrauchsmaterialien mehrfach – obwohl sie eindeutig als Einmalprodukt gekennzeichnet werden.

Längst gibt es jedoch auch hier technische Lösungen, die bereits erfolgreich in den USA, aber auch in Skandinavien, Großbritannien oder Frankreich zum Einsatz kommen. So gibt es beispielsweise in der Radiologie zertifizierte Produkte, die für die Mehrfachverwendung geeignet sind, um das Risiko für die Patienten zu verringern.

Vorteile der Mehrfachverwendung in der Radiologie

In der radiologischen Schnittbilddiagnostik gehören automatische Injektoren für die Applikation des Kontrastmittels mittlerweile zum Standard. Bisheriger Nachteil vieler Geräte ist, dass die Verbrauchsmaterialien, wie Leerkartuschen und Schlauchsysteme, Einmalprodukte sind – und nach jedem Patienten mühsam und zeitraubend gewechselt werden müssen.

Inzwischen stehen jedoch Technologien zur Verfügung, die für mehrere Patienten angewendet werden können und gleichzeitig die erforderliche hygienische Sicherheit gewährleisten. Möglich ist aber auch, das Kontrastmittel direkt aus der Kontrastmittelflasche zu applizieren. Spritzen oder Kartuschen müssen  also gar nicht umständlich getauscht werden – ganz einfach, weil es sie nicht mehr gibt.

Die Vorteile: Der Workflow wird so generell vereinfacht. Es sind weniger Arbeitsschritte notwendig und der Wechsel zwischen den zu Behandelnden ist deutlich verkürzt. Damit wird die Sicherheit erhöht und mehr Patienten pro Tag können untersucht werden.