Sie haben im Oktober 2010 einen Schritt gewagt, vor dem viele Menschen in Deutschland hadern. Sie haben Ihrer Frau eine Ihrer Nieren gespendet. Gab es für Sie hier überhaupt die Frage des Haderns? Wie verlief für Sie die Zeit dieses lebensentscheidenden Entschlusses?

Wir mussten die Frage der Lebendspende ja nicht von einem Tag auf den anderen entscheiden.

Ich war damals völlig überwältigt von der großen Welle an Anteilnahme, die meine Nierenspende ausgelöst hat.

Der Gesundheitszustand meiner Frau hatte sich über Jahre verschlechtert, sodass wir uns natürlich auch mit möglichen Therapien auseinandergesetzt hatten.

Als es dann so weit war, war ich vorbereitet und entschieden. Schwieriger war es für meine Frau, die nicht gleich entschlossen war, ob sie diese Spende tatsächlich annehmen wollte.

Wie hat sich für Sie und Ihre Familie in den Monaten davor der Alltag gestaltet?

Der Alltag war natürlich von der Sorge um meine Frau geprägt. Ich war froh, dass sich mit der Möglichkeit zur Spende ein Ausweg bot. Als wir hörten, dass die medizinischen Ergebnisse der zahlreichen Untersuchungen stimmten, ich also tatsächlich als Spender infrage kam, war ich sehr erleichtert. Und dann ging ja zum Glück alles ganz schnell.

Was war für Sie die größte Herausforderung hierbei?

Den Optimismus zu behalten! Es hätte ja weder meiner Frau noch unserer Tochter genutzt, wenn ich ihre Sorgen noch befeuert hätte. Deshalb bin ich dankbar, dass wir damals Menschen um uns hatten, sowohl unsere Freunde als auch die Ärzte und Krankenschwestern, die uns geholfen haben, positiv in die Zukunft zu blicken.

Noch immer gibt es viel zu wenig Menschen, die sich überhaupt mit dem Thema Organspende auseinandersetzen. Wie wurde Ihre Entscheidung in Ihrem Umfeld angenommen? Haben Sie auch bei anderen etwas bewirkt?

Ich war damals völlig überwältigt von der großen Welle an Anteilnahme, die meine Nierenspende ausgelöst hat. Und besonders hat mich gefreut, dass das Thema Organspende dadurch insgesamt mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Auch deshalb ist es uns gelungen, in den Jahren danach gesetzliche Änderungen auf den Weg zu bringen, um mehr Organspender zu gewinnen.

Ich möchte, dass sich jeder zu Lebzeiten entscheidet, ob er im Todesfall seine Organe spenden möchte oder nicht. Dann bräuchten wir vielleicht gar keine Lebendspenden mehr.

Wie geht es Ihnen heute? Sprechen Sie manchmal auch mit Ihrer Frau über Ihr nun „gemeinsames Organ“?

Wir haben wirklich Glück gehabt. Sowohl meiner Frau als auch mir geht es sehr gut! Dafür sind wir sehr dankbar, denn nicht bei allen klappt die Spende so reibungslos. Und klar sprechen wir darüber – nicht nur, wenn wir am Jahrestag der Operation unseren „zweiten Geburtstag“ feiern.

Würden Sie es wieder tun?

Was für eine Frage – natürlich!