Tatsächlich können wir uns von den Skandinavierinnen dahingehend sehr viel abschauen: Sie kleiden und schminken sich sehr natürlich bis gar nicht – und haben auch nicht ohne Grund häufig diesen ebenmäßigen Pfirsichteint, Sommersprossen, Apfelbäckchen, strahlend weiße Zähne und kräftige, glänzende Haare. Und das wiederum finden Männer ebenso unwiderstehlich wie die französischen Femme Fatales. Immer wieder, wenn ich durch meine Heimatstadt Stockholm schlendere, bin ich erstaunt, dass ein Volk so viele „Naturschönheiten“ hervorbringen kann. Ob es die Verkäuferin im Geschäft ist, die Rezeptionistin im Hotel oder Krankenschwester: „Da muss man sich wirklich Mühe geben und hart arbeiten, um mithalten zu können“, wie meine Schwester immer im Spaß sagt.

Woran es liegt? Klar, ein Teil ist auch den Genen geschuldet ­– aber auch diese entwickeln sich auf lange Sicht mit und durch unsere Lebensweise. Und der skandinavische Lifestyle war schon immer ein sehr natürlicher: Meine Landsmänner, die Schweden, beispielsweise ernähren sich von naturbelassenen Lebensmitteln, gestalten ihren Alltag möglichst stressfrei, verbringen den Großteil ihrer Zeit im Freien und in der Familie und bewegen sich viel. Und: Sie laufen nicht bei jedem Wehwehchen sofort die nächste Apotheke – sondern in den Wald. Im übertragenen Sinne. Aber sie schauen in der Tat immer erst mal, was die Natur so an Heilkraft zu bieten hat. Und das ist einiges. Ich habe Ihnen meine Lieblinge für die perfekte Medikamenten-Minibar zusammengestellt – für Ihren Balkon, Garten oder das heimische Wohnzimmer.

Charlotte Karlinder‘s grüne Hölle – die Top 5 der Balkon-Apotheke

Generell gilt:

1. Pflanze: Bitte nur Biopflanzen verwenden

2. Erde: Bei der Pflanzerde auf Qualität achten

3. Ernte: Ernten Sie die Pflanzen in trockenem Zustand

4. Lagerung: An einem trockenen, gut belüfteten und schattigen Ort lagern

5. Behandlung: Kopfüber aufhängen, in Büscheln, die Sie mit einer Hand umfassen können, Blüten auf einem Brett auslegen

1. Pfefferminze:

Ich liebe Pfefferminze. Ich brühe die frische Pflanze jeden Morgen als Tee auf, als grüne Infusion – das Benzin für meinen Körper. Das schmeckt nicht nur gut und ist ein fantastischer Start in den Tag – Studien belegen: Pfefferminztee ist zudem dank seiner ätherischen Öle ein wirksames Mittel bei Verdauungsbeschwerden im Magen-Darm-Trakt. Aber das Aroma kann noch viel mehr: Die frische Pflanze hilft erwiesenermaßen sehr gut gegen Kopfschmerzen – zum Beispiel in Form eines Minzöls, dass wir auf die Schläfen geben oder im Nacken verreiben können.

Rezept Pfefferminzöl:

  • Für die Herstellung eine Handvoll Blätter zerkleinern und im Anschluss in ein 0,5 Liter-Glas mit Schraubverschluss füllen. Bis zum Rand mit Olivenöl auffüllen und
  • 4-6 Wochen auf einer sonnigen Fensterbank stehen lassen. Täglich schütteln. Abseihen und in kleinen Flaschen aufbewahren.

2. Lavendel

Beruhigendes für nervöse Zeiten: In Zeiten, in denen unser Nervenkostüm etwas angeschlagen ist oder belastende Situationen dominieren, wirken die Blüten der Lavendel besser als jedes Beruhigungsmittel.

Rezept Lavendeltee

  • 1,5 Teelöffel der Blüten
  • ¼  Liter heißes Wasser, damit die Blüten überbrühen,
  • 5-7 Minuten ziehen lassen und im Anschluss absieben.
  • Abends vor dem Schlafengehen eine Tasse trinken.

Foto: Shutterstock

3. Aloe Vera-Gel

Meine Hautcreme Nummer 1 in Gel-Form – und wir brauchen dafür lediglich eine Aloe Vera-Pflanze im Topf. Hintergrund: Durch die niedrige Temperatur sinkt die Schutzfunktion der Haut im Winter, trockene Stellen und Risse bilden sich. Aloe Vera gleicht die Störung durch ihren hohen Feuchtigkeitsgehalt wieder aus. Aber auch bei Sonnenbrand und Hautreizungen beruhigt und kühlt das Gel. Wollen wir, dass es ein paar Tage länger hält, können wir das Gel aus dem aufgeschnittenen Blatt mit anderen Zutaten mischen.

Zutaten Hautgel

  • Ein Blatt der Aloe-Pflanze aufschneiden das Gel heraustrennen
  • Optional zur Konservierung: 500 mg Vitamin-C-Pulver oder 400 IE Vitamin-E-Pulver (je ¼ Tasse oder 50 g Gel)

4. MALVE

Allein die Farbe! Rosaviolett strahlt sie in der grünen Hölle. Die Wirkung der Waldmalve beruht auf dem Schleimgehalt – sie mildert in Form eines Tees Reizhusten, wir können sie als Mundwasser gurgeln und bei Insektenstichen helfen Wickel aus Malvenessig.

Rezept Malvenessig

  • Zwei Hände voll Malvenblüten (frisch) in einem Glas mit Weißweinessig vermischen.
  • Sonnig lagern, zwischendurch schütteln, abseihen.

5. Seidigweiche Haut per Nachtkerze

In den Fruchtkapseln verbergen sich über hunderte von Samen, die Linol- und Gamma-Linolensäure enthalten. Wer unter Neurodermitis, extrem trockener Haut oder Ekzemen leidet, sollte sich mit Nachtkerzenöl einreiben.

Rezept Nachtkerzenöl

  • Samen von 20 Nachtkerzenblüten zerkleinern
  • Im Mörser zerbröseln
  • Ein paar ganze Nachtkerzenblüten dazugeben und durchmischen
  • Im Glas mit Olivenöl aufgießen, bis alle Pflanzen bedeckt sind
  • 10 bis 14 Tage an einem trockenen und schattigen Platz aufbewahren, zwischendurch schütteln
  • Durch einen Filter abseihen

Wichtig: In dunklen Behältern (Flaschen) aufbewahren.

 

 

Möchten Sie noch mehr von Charlotte Karlinder lesen?