Denn tatsächlich können einige Patienten mithilfe des Netzhautimplantats, nach einem Leben in absoluter Dunkelheit, wieder Hell-Dunkel-Kontraste wahrnehmen. Einzelnen Patienten gelingt es sogar, Umrisse von Gesichtern zu erkennen und acht Zentimeter große Buchstaben zu lesen.

Bei RP, die meist zur vollständigen Erblindung führt, sterben die lichtempfindlichen Zellen, die sogenannten Photorezeptoren, der Netzhaut ab. Der nur rund drei mal vier Millimeter große Netzhautchip kann die Funktion dieser Rezeptoren teilweise ersetzen. 1.600 Photodioden nehmen Licht auf, das ins Auge fällt, und wandeln es in elektrische Signale um.

Für RP-Patienten, die noch nicht vollständig erblindet sind, hat man das OkuStim-System entwickelt

Diese werden dann in Netzhautschichten weitergeleitet, die noch intakt sind. Eine Netzhaut, bei der ausschließlich die Photorezeptoren geschädigt sind, und ein unversehrter Sehnerv sind daher Voraussetzung für eine Implantation. Das subretinale Implantat, das von dem Reutlinger Unternehmen gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Augenheilkunde an der Universität Tübingen und dem NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen entwickelt wurde, erhielt 2016 das CE-Kennzeichen und wird in spezialisierten Implantationszentren implantiert.

Heute ist die Retina Implant AG ein Spezialist zur Behandlung von RP und kooperiert für die Implantationen mit ausgewählten Kliniken. Für RP-Patienten, die noch nicht vollständig erblindet sind, hat das Unternehmen das OkuStim System entwickelt. Dieses soll helfen, möglichst lange eine noch bestehende Sehfähigkeit zu erhalten und den Verlauf der Erkrankung zu verzögern. Nach einer Unterweisung in einer als Kompetenzzentrum für die Therapie zertifizierten Klinik können Betroffene die Transkorneale Elektrostimulation (TES) zu Hause selbst durchführen.