Ein Gespräch mit Dr. med. Friedrich Flohr, Facharzt für Augenheilkunde aus Hamburg, über seine Erfahrungen mit dieser Technik und die vielen Vorteile für Patienten.

Was genau ist eine Wellenfront-Analyse?

Man konnte schon lange die sogenannten primären Lichtbrechungsfehler genau messen. Man gibt sie bekanntlich in Dioptrien an und korrigiert sie modern mit einer Laserbehandlung oder klassisch mit einer Brille oder Kontaktlinsen. Es gibt jedoch auch Fehler, die sekundär sind und die Schärfe des Sehens negativ beeinflussen. Dies sind Unebenheiten auf der Hornhaut, sogenannte Brechungsfehler der höheren Ordnung.

Sie konnten bisher nicht gemessen werden und natürlich auch nicht korrigiert. Will man diese Abbildungsfehler aber erfassen, ist eine entsprechende Diagnose als Grundlage für die Behandlung wichtig. Dank neuer Methoden und Analysen, die ihre Ursprünge aufgrund mathematischer Berechnungen in der Astrophysik haben, ist das seit ungefähr zehn Jahren möglich. Die Wellenfront-Analyse ermittelt die Gesamtheit aller Fehler und das sehr exakt, mit 1.250 Messpunkten.

Wie funktioniert das technisch?

Zum Einsatz kommt ein Wellenfront-Messgerät. Es diagnostiziert sehr exakt die asymmetrischen Lichtbrechungsverhältnisse innerhalb der Pupille des Patienten, genauso wie sphärische Abweichungen. Man misst dabei die Abweichungen des Auges zur idealen Optik und die Ergebnisse werden in einer Wellenfront-Karte farbkodiert abgebildet. Anhand dieser Wellenfront-Karte wird bei der späteren Laseroperation am Auge das Abtragungsprofil des Lasers für jeden Bereich der Hornhaut gezielt berechnet.

Ist das Verfahren für den Patienten kompliziert?

Überhaupt nicht. Ich setze diese Technik seit Jahren jeden Tag ein. Der Patient setzt sich – in der Regel einen Tag vor der Laser-OP – vor ein Gerät, schaut in eine Art Halbkugel und die Analyse verläuft in wenigen Sekunden. Das ist alles schmerz- und berührungsfrei.

Welche Vorteile hat eine solche Analyse?

Besonders nachts oder in der Dämmerung kann man danach besser sehen, weil sogenannte Streulichteffekte vermindert werden. Das ist besonders bei Autofahrten im Dunkeln wichtig.

Welche Lasermethoden können damit eingesetzt werden?

Möglich sind die photorefraktive Keratektomie (PRK) und die iLASIK. Letztere ist zurzeit wohl das modernste Verfahren.  Dafür kombiniert man die Femtosekunden-Lasertechnik mit der Wellenfront-Lasik. Dieser schmerzfreie ambulante Eingriff wird sogar von der US-Raumfahrtbehörde NASA empfohlen. Denn bei Astronauten im Weltraum ist es wegen der Schwerelosigkeit kompliziert, eine Brille oder Kontaktlinsen zu tragen.