Verschiedene Patienten haben natürlich unterschiedliche Schwierigkeiten. Worauf kommt es bei der Auswahl des richtigen Laserverfahrens an?

Alle Patienten, egal welche Form der Fehlsichtigkeit vorliegt, haben den Wunsch nach bestmöglichem Sehen nach der Augenlaserbehandlung. Es kommt darauf an, wie stark eine Kurz- oder Weitsichtigkeit ist, ob eine Hornhautverkrümmung vorliegt, ob diese regulär oder irregulär ist, und natürlich darauf, ob die eigene Hornhaut ausreichend dick und auch gesund ist. Letztendlich ergibt sich aus den Untersuchungsbefunden, ob man das eine oder das andere Verfahren empfehlen kann, wobei das Ziel immer die individuell bestmögliche Korrektur sein sollte.

Lässt sich pauschal sagen, welche Methoden für welche Patienten besser geeignet sind als andere?

Pauschalisierungen haben eigentlich in der Laserchirurgie nichts zu suchen, denn jedes Auge ist anders. Innerhalb der Methoden lässt sich sagen, dass die Femto-LASIK den gesamten Indikationsbereich des Augenlaserns abdeckt, während man zum Beispiel eine Weitsichtigkeit nicht mit einer Oberflächenmethode behandeln sollte.

Ein relativ neues Verfahren nennt sich ReLEx Smile. Was ist hier das Besondere?

Schon der Name ist hier selbsterklärend im doppelten Sinne: „Smile“ steht für „Small Incision Lenticule Extraction“. Hier wird von außen mit Femtosekundenlaserpulsen innerhalb des Hornhautgewebes eine dreidimensionale Lamelle präpariert, die in einem zweiten Schritt manuell über einen winzigen Schnitt entfernt wird. Man benötigt also keinen Flap. Diese Methode kommt zurzeit nur bei Kurzsichtigen infrage, allerdings ist nach derzeitiger Studienlage davon auszugehen, dass die Smile in etwa drei bis vier Jahren um die Weitsichtigkeit in ihrem Spektrum erweitert wird. Sicherlich ein sehr faszinierendes Verfahren, das sich wie die Femto-LASIK auf einem unglaublich hohen technischen Niveau bewegt.

Für wen ist diese Behandlung besonders gut geeignet?

Fast jeder Kurzsichtige ist innerhalb des Empfehlungsbereichs der Kommission für Refraktive Chirurgie beim Berufsverband der Augenärzte für die Behandlung geeignet.

Sicherlich profitieren Patienten mit trockenen Augen in besonderer Weise von der Smile-Behandlung. Die Erfahrung zeigt, dass in der Empfindung der Patienten ein flaploses Verfahren weniger Ängste auszulösen scheint, allerdings sind auch die flapbasierten Verfahren sogar für die NASA zugelassen. Hier entscheidet, bei gleicher Eignung, oft das „Bauchgefühl“ des Patienten.

Was ist mit Menschen, die nur ein bisschen kurz- oder weitsichtig sind? Stellen bestimmte Dioptrienwerte eine Art natürliche Grenze dar oder kann sich heute „jeder“ die Augen lasern lassen?

In der kornealen Refraktivchirurgie kommen Hochpräzisionslaser zum Einsatz, das heißt, nach „unten“ gibt es praktisch keine Grenze, schon eine Vierteldioptrie Fehlsichtigkeit könnte korrigiert werden. Hier ist der individuelle „Leidensdruck“ entscheidend. Es gibt allerdings nach oben, wie schon bei der Smile erwähnt, für jedes Verfahren Empfehlungen der Kommission für Refraktive Chirurgie, die sich auf den aktuellen Stand der Forschung stützen. So ist bei Kurzsichtigen bei circa minus zehn Dioptrien und bei Weitsichtigen bei plus vier Dioptrien „Schluss“. Darüber hinaus sollten Linsenverfahren, die wir auch in unserer Praxis durchführen können, zum Einsatz kommen.

Waren Sie als praktizierende Augenärztin von Anfang an beim Augenlaser-Boom dabei?

Augenlaserbehandlungen werden seit 1986 durchgeführt. So lange bin ich noch nicht dabei. Ich bin auf die chirurgischen Eingriffe des vorderen Augenabschnitts spezialisiert und führe seit 2006 laserrefraktive Eingriffe durch. Zunächst habe ich neben meiner Praxistätigkeit für eine internationale Augenlaserkette gearbeitet und bin seit 2011 mit meinem Augenlaser-Zentrum Reutlingen eigenständig. Ich selbst biete in meinem Laserzentrum alle drei Verfahren an, um die individuell für den jeweiligen Patienten bestgeeignete Methode empfehlen zu können.

Lasermethoden im Überblick

Abhängig von verschiedenen Voraussetzungen sowie dem eigenen empfinden, gibt es verschiedene Möglichkeiten eine Augenkorrektur durchzuführen. Wir stellen Ihnen die 3 häufigsten angewendeten Verfahren vor.

Photorefraktive Keratektomie (PRK)

Dr. Reinhard: Oberflächenbehandlungen wie die PRK (= Photorefraktive Keratektomie) und ihre Weiterentwicklungen LASEK und Transepitheliale PRK. Die PRK ist die erste Augenlaserbehandlungsmethode, die entwickelt wurde, und sie wird seit 1986 praktiziert. Hierbei wird das Deckhäutchen der Hornhaut entfernt, sodass der Laser einen berechneten Anteil der Hornhaut abtragen kann. Am Ende der Operation wird für drei Tage eine Verbandskontaktlinse auf die Hornhaut gelegt.

„Flap“ - Verfahren (LASIK)

Dr. Reinhard: Die „Flap“-Verfahren, wie die klassische LASIK, die es seit 1994 gibt und bei der ein Mikrokeratom (= feines Messerchen) zum Einsatz kommt. Hiermit schneidet der Arzt eine Art Deckel (Flap) in die Hornhaut, der nach der Behandlung wieder zugeklappt wird und dann von selbst wieder verheilt. Der Goldstandard im Bereich der Flap-Verfahren ist allerdings seit 2005 die Femto-LASIK, ein reines Laserverfahren, bei dem auf ein Messer verzichtet wird. Bei beiden Flap-Verfahren benötigt man, wie bei der PRK, einen Hightech-Excimer-Laser, der die Hornhaut entsprechend der Fehlsichtigkeit modelliert.

ReLEx Smile

Dr. Reinhard: Die ReLEx Smile, das neueste Verfahren, das seit 2011 in Deutschland zugelassen ist und zunehmend Verbreitung findet. Hier wird kein Flap benötigt, sondern der Laser präpariert innerhalb des Hornhautgewebes eine kleine Lamelle, die dann über einen kleinen Zwei-Millimeter-Zugang entfernt wird und damit die Kurzsichtigkeit beziehungsweise Hornhautverkrümmung korrigiert.