Wenn jemand im Orchester die Übersicht behalten muss, dann ist es der Dirigent. Dabei hilft ihm ein feines Gehör, das perfekte Gefühl für den richtigen Takt und gut wäre, wenn er die Noten der Symphonie lesen könnte, die gerade aufgeführt wird.

Der Dirigent und musikalische Leiter der Kölner Akademie, Michael Alexander Willens, war mit letzterem jedoch irgendwann überfordert: „Ich hatte Probleme mit dem Sehen. Es war schwierig für mich, die Partituren zu lesen und am Computerbildschirm alles klar zu erkennen“, erzählt der 63-Jährige. Aber nicht nur im Alltag des Berufs, sondern auch in seiner Freizeit fühlte sich Willens durch seine Sehminderung eingeschränkt. Die Diagnose seines Arztes: Der Maestro litt am Grauen Star.

Gefahr durch Grauer Star

In Deutschland und weltweit ist der Musikdirektor damit wahrlich nicht der einzige. Der Graue Star ist eine Augenkrankheit, die früher oder später viele Menschen trifft. Dann verliert die Augenlinse zunehmend an Elastizität, sie verhärtet sich und trübt sich ein. Unbehandelt kann die Erkrankung sogar zur Erblindung führen. Besonders betroffen sind Senioren: Plötzlich sehen sie die Zeitungsbuchstaben verschwommen. Oder sie haben Schwierigkeiten, ein Gesicht auf der Straße zu erkennen, da sie Kontraste nur noch vermindert wahrnehmen.

Nicht selten ist auch die so genannte Alterssichtigkeit Ursache für die Einschränkung des Sehens: Sie beginnt meistens ab dem 45. Lebensalter. Sie ist jedoch keine Erkrankung, sondern schlicht eine Folge der physiologischen Alterung der Augenlinse. Die Augen der Betroffenen können dann nicht mehr so leicht von Nah- auf Weitsicht umschalten.

Implantierte Linse

Die gute Nachricht für die Betroffenen: Die Operation des Grauen Stars gehört heute zu den Routineeingriffen, ist praktisch schmerzfrei und wird meist ambulant durchgeführt. Längst ist es Medizinern nämlich möglich, die natürliche Linse auszutauschen. Der Arzt implantiert dann so genannte Intraokularlinsen, die in der Regel die Fernsicht korrigieren. Multifokallinsen ermöglichen dagegen ein gutes Sehen in verschiedenen Entfernungen, jedoch nicht den vollständigen kontinuierlichen hochwertigen Sehbereich.

Auch Dr. med. Omid Kermani, Ärztlicher Leiter und geschäftsführender Vorstand der Kölner Augenklinik am Neumarkt, riet seinem Patienten, dem Dirigenten Willens, zu einer Operation. Allerdings schlug der Augenspezialist ihm eine neuartige Intraokularlinse vor. „Sie bietet eine große Schärfentiefe und ein kontrastreiches Sehen in allen Bereichen“, so Dr. med. Omid Kermani. „Anders als bei herkömmlichen Multifokallinsen verteilt sich das Licht nicht auf verschiedene Brennpunkte. Jeder Sehbereich erhält so einen gleich hohen Anteil an Licht.“

Endlich wieder sehen

Ein Vorteil ist dann zum Beispiel, dass auch der Zwischenbereich, etwa der typische Abstand bei der PC-Arbeit, für den Patienten in der Sicht abgedeckt ist.  Vergleichbar selten treten zudem die lästigen Nebeneffekte der klassischen Multifokallinsen auf: Etwa Blendempfindlichkeit oder das störende Auftreten von Lichthöfen um Lichtquellen. Weiterer Pluspunkt: Sowohl die Alterssichtigkeit, als auch der Graue Star können mit der Implantation dieser neuartigen Kunstlinsen gleichzeitig behoben werden.

Bei Dirigent Michael Alexander Willens lief die Operation am Ende erfolgreich. Für ihn ist nun wieder kontrastreiches wie scharfes Sehen möglich. „Mein Sehvermögen“, so Willens, „ist besser als all die Jahre zuvor.“