Der deutsche Forscher Paul Ehrlich hat um 1900 als Erster im Tierversuch entdeckt, dass Blutzellen von einer fremden Tierart abgestoßen werden, nicht aber solche von der gleichen Tierart, das heißt, der Organismus ist „immun“ gegenüber körpereigenen Zellen (und Organen). 120 Jahre später kennen wir heute den Aufbau und die Funktion des Immunsystems sehr gut.

Das Immunsystem besteht aus solchen Organen, wo sich spezialisierte Untergruppen der weißen Blutkörperchen – die „Immunzellen“ – in großer Zahl finden, wie zum Beispiel die Lymphknoten, die Milz, die Thymusdrüse. Vielleicht überraschend: Die größten Immunorgane im Körper sind der Darm und die Haut.

Hier müssen die Immunzellen ständig die Grenzen nach außen kontrollieren und dafür sorgen, dass die normalen („physiologischen“) Bakterien auf Haut und Darmschleimhaut nicht angegriffen werden, krank machende Erreger dagegen möglichst eliminiert werden. Hierfür gibt es im Immunsystem zwei Klassen von Abwehrzellen: solche, die sofort aktiv werden, wenn sie zum Beispiel Bakterien „sehen“ (angeborene oder unspezifische Immunität), und solche, die mit unglaublicher Genauigkeit feinste Merkmale („Antigene“) von Bakterien und Viren erkennen und sich später auch daran erinnern können (erworbene oder spezifische Immunität).

Wir wissen heute sehr genau, dass hoch komplizierte Regulationsmechanismen ständig dafür sorgen, dass normalerweise das Immunsystem nicht den eigenen Körper angreift, sondern „tolerant“ sich selbst gegenüber ist (Ehrlich hat hierfür den Begriff „horror autotoxicus“ geprägt).

Wie kann meine Erkrankung behandelt werden und werde ich wieder vollständig gesund?

Dieser „Normalzustand“ liegt bei etwa fünf Prozent unserer Bevölkerung aber leider nicht vor. Hier ist die Immunregulation gestört, das Immunsystem greift körpereigene Zellen oder Organe an, es kommt zur Autoimmunerkrankung. Wir kennen heute über 60 einzelne Autoimmunerkrankungen, wobei einige relativ häufig, wie zum Beispiel Schuppenflechte (Psoriasis) und rheumatoide Arthritis („Rheuma“), andere sehr selten sind.

Eine Autoimmunerkrankung kann mehrere Organe (etwa Haut, Gelenke, Niere, Gefäße bei Lupus erythematodes) oder auch nur ein spezifisches Organ (zum Beispiel Schilddrüse bei Basedow-Erkrankung) betreffen. Eine Autoimmunerkrankung hat mehrere Ursachen, wobei eine genetische Veranlagung, aber auch Umwelteinflüsse und Infektionen eine Rolle spielen können.

Für Patienten mit einer Autoimmunerkrankung ist die wichtigste Frage natürlich: Wie kann meine Erkrankung behandelt werden und werde ich wieder vollständig gesund? Diese Fragen soll diese Veröffentlichung helfen zu klären.

Die Deutsche Autoimmun-Stiftung möchte den Austausch zwischen Spezialisten zu den unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen und die Forschung hierzu fördern, aber auch Informationen für Betroffene vermitteln. Diese Publikation ist ein wichtiger Beitrag, die Thematik Autoimmunerkrankungen in der breiten Öffentlichkeit bekannter zu machen.