Diskutiert werden die Anzahl der operativen Eingriffe wie auch der Einsatz unterschiedlicher, teilweise innovativer Methoden und der hierzu notwendigen Materialien für deren sicheren Einsatz. Langzeitergebnisse fehlen.

Insbesondere wird die steigende Zahl an erneuten Operationen bei fehlender Patientenzufriedenheit oder Versagen des eingebrachten Materials mit potenziell hieraus resultierenden Komplikationen  zu Recht thematisiert.

Demgegenüber stehen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, welche zeigen, dass im Langzeitverlauf operative Therapien zu einem schnelleren und besseren Ergebnis für den Patienten führen. Dies gilt beispielsweise für die Diagnosen Bandscheibenvorfall an der Lenden- und Halswirbelsäule und Enge des Rückenmarkkanales.

Wenn möglich zunächst konservative Therapie

Voraussetzung für eine erfolgreiche operative Therapie ist einerseits die korrekte Indikationsstellung unter Berücksichtigung der gängigen Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften, welche auf der Homepage der AWMF eingesehen werden können. Diese sehen beispielsweise vor, dass in jedem Fall, sofern keine sogenannten „roten Flaggen“ (Symptome, die zu einem zeitnahen Handeln führen müssen) vorliegen, eine konservative Therapie durchzuführen ist.

Erst im Versagensfall einer konsequenten konservativen Therapie über einen Zeitraum von sechs Monaten sollte eine operative Vorgehensweise überdacht werden. Auch der strukturierten Behandlung des Patienten vom Erstkontakt bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus sowie der nachfolgenden Rehabilitation und der Wiedereingliederung in das Berufsleben kommt eine sehr große Bedeutung zu.

Der Betroffene mit einem Wirbelsäulenleiden sollte vor einer anstehenden Operation folgende Aspekte beachten:

  1. Klare Indikationsstellung zu der Operation nach erfolgter, konservativer Therapie.
  2. Prüfung der Indikation unter Berücksichtigung des klinischen Befundes und aktuellen Bildmaterials (Röntgen, Kernspintomografie).
  3. Umfangreiche Patienteninformation unter Einbeziehung einer Zweitmeinung.
  4. Auswahl der Operationsmethode unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse 
  5. Durchführung des Eingriffes in einer Einrichtung mit entsprechender Kompetenz 

Gelingt nun die Verknüpfung einer Therapie, beruhend auf einer evidenzbasierten Indikationsstellung und einem strukturiertem Behandlungskonzept, mit einem gleichzeitig optimal informiertem Patienten, so steigt die Patientenzufriedenheit mit sich einstellendem Therapieerfolg.

Auf Zertifizierungen achten

Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft hat mit der Einführung einer Zertifizierung der  an der Wirbelsäule tätigen Ärzte die Voraussetzung für die berufsbegleitende Fortbildung Ihrer Mitglieder geschaffen. Neben der Teilnahme an sechs zweitägigen Aus- und Weiterbildungsmodulen, welche zu dem Basiszertifikat führt, kann der operativ tätige Wirbelsäulentherapeut durch den Nachweis einer vorgegebenen Zahl an operativen Eingriffen ein Masterzertifikat erwerben.

Diese Zertifizierung bestätigt, dass es sich bei der jeweiligen Person um einen Therapeuten mit umfangreicher Kenntnis und Routine auf dem Gebiet der Wirbelsäulenbehandlung handelt.