Ihre Beine mussten Ihnen nach einem schweren Unfall amputiert werden. Was genau ist passiert?

Ich bin am Bahnsteig unter den einfahrenden Zug gekommen. Wie genau das passiert ist, konnte nie geklärt werden.

Wie kam es dazu, dass Sie damals bereits im Krankenhausbett beschlossen haben, eine Sportkarriere zu beginnen?

Die Sportkarriere war im Krankenhaus noch nicht geplant, aber dass Sport weiterhin Teil meines Lebens sein soll und muss, wusste ich. Sport war immer wichtig in meinem Leben, ich habe es immer sehr genossen, das Laufen zu nutzen, um Zeit für mich und in der Natur zu verbringen.

Wie lange haben Sie gebraucht, um den Unfall zu verarbeiten?

Das ganz große Tief nach dem Unfall hatte ich eigentlich nie, aber rückblickend würde ich sagen, dass meine Rehabilitation wohl erst Jahre später mit meinem Umzug in die USA 2013 stattgefunden hat. Ich glaube, erst dann habe ich so wirklich gelernt, wieder komplett selbstständig zu sein, nicht nur Ziele zu setzen, sondern auch was es heißt, an der Umsetzung dieser zu arbeiten.

Inwiefern hat Ihnen der Sport dabei geholfen?

Ich war knapp 16 Jahre alt, als ich meinen Unfall hatte, und ich glaube, jedes Mädchen geht in dem Alter durch eine Zeit, in der man sich mit seinem Körper anfreunden muss, was nicht immer ganz einfach ist. Für mich war Sport sehr wichtig, um eine gesunde Verbindung zu meinem Körper aufzubauen und einen gesunden Lifestyle zu leben. Ich bin der Meinung, dass Sport in einem gewissen Maße zur gesunden Entwicklung eines Jugendlichen gehört.

Wie ist es Ihnen die erste Zeit mit den Prothesen ergangen?

Viele haben das Anprobieren der ersten Prothese sehr positiv in Erinnerung. Ich erinnere mich eigentlich eher an Schmerzen und Enttäuschung. Ich hatte mir das Ganze einfacher vorgestellt und bin eher naiv an die Sache herangegangen. Vor allem die langen Diskussionen mit der Krankenkasse über die Kostenübernahme von Prothesen waren wirklich kräftezehrend.

Haben Sie schon einmal Phantomschmerzen gehabt?

Mit Phantomschmerzen hatte ich vor allem am Anfang große Probleme. Heute treten sie eigentlich nur noch auf, wenn mein unterer Rücken verspannt ist und daher die Nerven dort stimuliert werden.

Wie gestaltet sich der normale Alltag mit Prothesen?

Normalerweise ist es das Erste und Letzte, was ich jeden Tag mache, die Prothese an- beziehungsweise auszuziehen. Ich trage meine Prothesen tatsächlich den ganzen Tag und habe auch keine behindertengerechte Wohnung. Das Einzige, was nach wie vor schwierig ist und Konzentration erfordert, sind Treppen und sehr unebenes Gelände.

Wie viele Prothesen haben Sie?

Ich habe ein Paar Alltagsprothesen und ein Paar wasserfeste Prothesen. Das deckt den Alltagsbereich ab. Außerdem habe ich dann für den Sportbereich ein Paar Sportprothesen mit etlichen Ersatzteilen, der Verschleiß ist hier deutlich höher. Diese werden von mir privat und durch Sponsoren finanziert, sind also unabhängig von der Krankenkasse.

Wie stehen Sie heute den Prothesen gegenüber? Vergessen Sie manchmal, dass Sie sie tragen?

Das Leben auf Prothesen ist für mich Normalität. Ich glaube, die Menschen um mich herum vergessen, dass ich Prothesen trage. Auch wenn es nicht so wirkt, sind gewisse Dinge, trotz meiner Fitness, immer noch anstrengender für mich als für jemanden mit zwei gesunden Beinen. Ich kenne es nicht mehr anders und genieße mein Leben so, wie es eben ist.