tirolturtle

Arthrose & Lifestyle Blog

tirolturtle ist Österreichs erster Arthrose-und Lifestyle-Blog. Bloggerin Barbara Egger gibt ihre persönlichen Erfahrungen in Form eines lebensfrohen Arthrose-Tagebuchs weiter.

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Am 17. Februar 2016 habe ich das erste Mal einen Rheumatag besucht. Wie das schon klingt. Rheuma, so die Vorstellung der meisten und vor allem jungen Menschen, ist was für Senioren, für Ältere, für Kranke. Dabei zählen über 400 Erkrankungen zum rheumatischen Formenkreis und es sind auch viele junge und jüngere Menschen von Rheuma, Arthrose oder Arthritis betroffen.

Als selbst Arthrose-Betroffene hat mich natürlich das Vortragsthema „Arthrose haben fast alle“ einer Fachärztin für Innere Medizin an der Rheumaambulanz der Universitätsklinik Innsbruck interessiert. „Das klingt schon mal gut. Da bist du nicht alleine“, dachte ich mir. Natürlich wusste ich schon vorher, dass viele Menschen unter Arthrose und Gelenkschmerzen leiden. Dass aber Arthrose früher oder später – nach Aussagen der Expertin – im Grunde jeden trifft, hat mich dann doch irgendwie überrascht.

Genauer gesagt, bin ich von der Rhizarthrose, einer schmerzhaften Veränderung der Daumensattelgelenke, betroffen.

Mein Blogthema – ich betreibe seit Oktober 2015 Österreichs ersten Arthrose- und Lifestyleblog – dürfte also rein thematisch nicht ganz danebenliegen. Obschon ich in meinem Umfeld die eine oder andere verständnislose Reaktion auf meinen Arthrose-Blog bekomme.

Besonders wenn ich jüngeren Menschen mitteile, dass ich über Arthrose blogge, kommt erst mal ungläubiges Staunen. Aber nicht etwa weil sich das Gegenüber beeindruckt zeigt von meinem Schaffen, sondern man kann es in deren Gesichtern lesen: „Mann, muss die alt sein, wenn die über Arthrose schreibt ...“ oder „Was ist denn das für ein bescheuertes Thema ...“ Letzthin kam als spontane Reaktion sogar die Frage: „Hast du überhaupt Arthrose?“

Ja, ich habe Arthrose. Und das jeden Tag. Genauer gesagt, bin ich von der Rhizarthrose, einer schmerzhaften Veränderung der Daumensattelgelenke, betroffen. Das klingt erst mal nicht besonders spektakulär. Knie- und Hüftarthrosen sind da schon andere Kaliber, möchte man meinen.

Und ich kann da auch mitfühlen und kenne beispielsweise Knieschmerzen nicht bloß vom Hörensagen. Meine bessere Hälfte hat jahrelang an Kniearthrose gelitten, bis die Sache mit dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks ein glückliches und bis heute schmerzfreies Ende fand.

“Wer hat Arthrose?" -  „Eines Tages haben es fast alle“

Die Rhizarthrose hat also ihre Tücken. Das steht fest. Letzthin erst hat sich eine Freundin beim Skifahren am Daumen verletzt und meinte: „Ich kann mir jetzt vorstellen, wie das mit der Rhizarthrose ist. Die Daumen sind ja ununterbrochen im Einsatz. Man ist ja wie behindert, wenn die Daumen schmerzen.“

Doch zunächst zur Begriffsdefinition. Was ist Arthrose überhaupt? Auf dem Rheumatag fasste es die Expertin so zusammen: „Arthrose ist eine Kombination aus Abnützung und Alterung. Der Prozess beginnt im Knorpel. Es ist die häufigste rheumatologische Erkrankung und kann jedes einzelne Gelenk betreffen.

“Wer hat Arthrose?" „Eines Tages haben es fast alle“, brachte es die Internistin vor zahlreich erschienenem Publikum aller Altersstufen knallhart auf den Punkt. Wenn man den statistischen Zahlen Glauben schenken darf, könnte man fast meinen, dass das stimmt.

Immerhin haben bereits im zweiten Lebensjahrzehnt – zwischen zehn und 20 Jahren – vier Prozent der Kinder und Jugendlichen Arthrose, wobei diese häufig eine Folge von Verletzungen und Knochenbrüchen ist.

Schaut man sich das siebte Lebensjahrzehnt zwischen 70 und 80 Jahren statistisch an, dann sind bereits über 80 Prozent von Arthrose betroffen. Bei den über 80-Jährigen sind praktisch alle von Arthrose betroffen. Nimmt man die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen, haben bereits sechs Prozent eine Kniearthrose.

Insgesamt nimmt die Häufigkeit ab dem 55. Lebensjahr zu. Frauen sind insgesamt fünf- bis achtmal häufiger von Arthrose betroffen als Männer, und vor allem ist es die Fingergelenksarthrose, die Frauen betrifft.

Bei Rhizarthrose gehen Kraft und Tastgefühl verloren.

Da komme jetzt ich wieder ins Spiel. Neben der Rhizarthrose in den Daumen sind jetzt an meinen Fingergelenken bereits erste Abnützungserscheinungen beobachtbar. Da eine Fingergelenksarthrose sowohl an den Fingerendgelenken (Heberden-Arthrose) als auch an den Mittelgelenken der Finger (Bouchard-Arthrose) auftreten kann, kann man in meinem Fall von Polyarthrose sprechen.

Und da sind wir auch schon beim richtigen Stichwort. „Poly“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „viel“, „vielgestaltig“ beziehungsweise „vielseitig“.

Zitat: „Poly bedeutet viel. Vielseitig sind auch die Einschränkungen bei Rhizarthrose.“

Vielseitig sind auch die Einschränkungen, die Rhizarthrose beziehungsweise Polyarthrose in den Fingergelenken mit sich bringt. Um die Beeinträchtigung anschaulicher zu machen, nehme ich euch mit in mein Badezimmer.

Betroffene kennen das ja. Bei Rhizarthrose gehen Kraft und Tastgefühl verloren. Da sind morgens noch nicht die Zähne geputzt und schon fliegen einem Zahnpasta, Gesichtscreme oder das Fläschchen mit den Augentropfen um die Ohren, sprich auf den Fußboden.

Rein in die Dusche, und Betroffene werden mir beipflichten: Ein Duschgel mit Pumpe zum Drücken ist hier angesagt. Mein Lieblingsduschgel gibt es nur in Tubenform. Öffne mal, wer kann, ein Duschgel in Tubenform mit nassen Händen und Rhizarthrose.

Bügeln kommt in meinem Haushalt nicht mehr vor. Mein Mann trägt keine Hemden mehr. Punkt.

Gott sei Dank trommelt das Wasser aus dem Duschkopf und überdeckt die Wuttränen, die man ob dieser lästigen Beeinträchtigung manchmal vergießen könnte. Ach ja, morgens muss mal schnell noch die Küche aufgeräumt werden. Abends ist es spät geworden. Beruf und Familie müssen unter einen Hut gebracht werden.

Also ran an das Wettex und Küchentisch abwischen. Nee, nee, so einfach geht das nicht. Ein Wettex muss, wenn ich es neu aus der Packung entnehme, vor Gebrauch zurechtgeschnitten werden. Die herkömmliche haushaltsübliche Größe eines Wischschwammtuches ist für Arthrose-Hände zu groß, unpraktisch und löst im Alltag unnötige Schmerzen aus.

Individuell zugeschnitten, sodass man das Wettex gut in der Hand halten kann, hilft weiter. Hausarbeit ist ja nie so mein Ding gewesen. Meine bessere Hälfte kocht gerne. Gott sei Dank. Schwere Pfannen kann ich nicht mehr halten. Gurken- oder Honiggläser öffnen, davon rede ich erst gar nicht.

Bügeln kommt in meinem Haushalt nicht mehr vor. Mein Mann trägt keine Hemden mehr. Punkt.

Wenn ich etwas wirklich hasse, dann ist es staubsaugen. Auf meinem Arthrose-Blog versuche ich, Optimismus zu verbreiten. Damit bin ich mit meinem Blog angetreten, um positive Geschichten über Arthrose zu erzählen. Doch beim Staubsaugen stoße auch ich an meine Grenzen.

Ich könnte jedes Mal (danach) heulen. Warum? Den Staubsauger zu bedienen, bedeutet Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen in den Daumen. Ich habe mir geschworen, im Alter, sofern ich mir das leisten kann, in eine barrierefreie Wohnung umzuziehen und mir einen Saugroboter zu kaufen. In unserer Maisonette über drei Stockwerke macht so ein Ding wenig Sinn.

Und noch etwas Betrübliches. Wirklich Betrübliches. Es geht um meine geliebten Bücher. Ich lese seit einiger Zeit mit einem elektronischen Lesegerät, aber nicht freiwillig. Ich kann Bücher, insbesondere größere Ausgaben, nicht mehr festhalten, darin lesen und blättern.

Das schmerzt einfach und reizt die Arthrose. Wer sich aber näher mit Arthrose beschäftigt und Experten zuhört, weiß aber, dass man dem Schmerz entgegentreten kann und muss.

Eine Sache, die hilft, ist, in Bewegung zu bleiben. Da kommen mir mein Bewegungsdrang und meine Lust auf Sport entgegen.

Ich fahre für mein Leben gern Ski. Ich liebe Langlaufen. Ich liebe das Rodeln. Im Sommer laufe ich, ich liebe das Walken und Wandern und ich bin eine mehr oder minder gute Golfspielerin. Mein Handicap beim Golfen lautet übrigens: Arthrose. Dies als Späßchen für die Golfspieler unter den Mitlesenden gedacht.

Und mit all diesen Sportarten und damit ich in Bewegung bleibe, kommt auch mein zweites Blogthema zum Tragen. Mein Blog ist ja ein Arthrose- und Lifestyleblog. Ginge es nur um Arthrose, wäre das doch langweilig. Und ich habe auch nicht vor, eine Arthrose-Expertin zu werden.

Wobei meinen Blogleser(inne)n mein Brotberuf zugutekommt. Ich arbeite seit über 20 Jahren als Redakteurin und leite seit 16 Jahren eine kleine Kommunikationsagentur hier in Tirol.

Auf meinem Blog möchte ich Betroffene und Interessierte zum einen mit optimistischen Geschichten über Arthrose, eigenen Erfahrungen unterhalten, aber die Leser auch mit redaktionellen Experteninterviews, Analysen und gefilterten Informationen über die zum Beispiel Zigtausenden Seiten über Arthrose, die es im Internet gibt, versorgen.

Doch wie gesagt, immer nur über Arthrose zu schreiben, ist nicht so mein Ding. Die Mischung macht es aus. Deshalb kommen auf meinem Blog auch die Themen Bewegung und Sport sowie Lifestyle und Sportfashion nicht zu kurz. Nicht umsonst lautet mein Motto: „Sport ist Mord, heißt es. Sport ist bunt, sage ich.“

Und deshalb gibt es auf meinem Blog immer wieder Fotos und Blogbeiträge über bunte Sportmode (mein persönliches Faible) und über den auf meinem Blog eingebetteten Instagram-Account Eindrücke, zum Beispiel vom Langlaufen in der Olympiaregion Seefeld oder Skifahren in Sölden im Tiroler Ötztal.

Das Thema Arthrose lasse ich dabei nie aus den Augen. Wenn ihr zum Beispiel meine Blogbeiträge „Ätschi, bätschi an alle mit Kniearthrose da draußen“  oder „Zwei AA, die einfach nicht zusammenpassen“ lesen möchtet, dann wisst ihr, was ich meine.

Abschließend noch mal ein Schwenk zum eingangs erwähnten Arthrose-Vortrag. Eine weitere Zahl habe ich mir noch gemerkt. Nämlich, dass ab dem 70. Lebensjahr praktisch alle Menschen von Kniearthrose betroffen sind.

Gemeint sind damit jetzt nicht unbedingt die Schmerzen, sondern die klassische Abnützung der Gelenke. Wenn so viele Menschen Arthrose haben beziehungsweise im Alter bekommen, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Vorbeugung oder Verhinderung von Arthrose.

Dazu gibt es natürlich eine Unmenge an Informationen, Weltanschauungen und Haltungen. Ich selbst versuche, diese Informationen für mich selbst und meine Leser(innen) kompakt zusammenzufassen. Ich rate auch dazu, verschiedenen Arthrose-Gruppen auf Facebook beizutreten. Wobei nach meinem (journalistischen) Dafürhalten es in diversen Foren und Gruppen über Arthrose mitunter etwas einseitig zugeht.

Welche nach meiner Einschätzung die interessanten und relevanten Arthrose-Seiten und empfehlenswerten Facebook-Gruppen im Internet sind, habe ich in einer Arthrose-Checkliste mit 11 Tipps zusammengefasst. Bei Interesse kann diese gerne bei Kontaktaufnahme über meinen Blog tirolturtle angefordert werden.

Da ich persönlich allen Behandlungsformen von Arthrose offen gegenüberstehe, habe ich dazu die Facebook-Gruppe Arthrose-Forum-Austria ins Leben gerufen. Betroffene (selbstverständlich nicht nur aus Österreich), Experten, Ärzte, Therapeuten, Ernährungsberater, Hersteller et cetera, die sich über Arthrose und ihre vielfältigen Erscheinungsformen sowie Therapieformen austauschen möchten, sind eingeladen, dazu Wissenswertes beizutragen oder hilfreiche Information und Links zu posten.

Über mich: Mein Name ist Barbara Egger. Ich bin seit ca. 5 Jahren von Rhizarthrose betroffen. Meine bessere Hälfte verfügt über ein künstliches Kniegelenk. Ich lebe mit meiner Familie in Tirol oberhalb von Innsbruck.

Ich bin selbstständig und leite als EPU (Ein-Personen-Unternehmen) die Tiroler Kommunikationsagentur red.kom. Seit Oktober 2015 blogge ich auf Österreichs erstem Arthrose- und Lifestyleblog tirolturtle.

Der Name kommt daher, dass ich mein Heimatland Tirol liebe und Schildkröten mag. Ich habe Respekt vor ihrem hohen erreichbaren Alter, und weil Schildkröten ziemlich alt werden, können sie auch Arthrose bekommen.