Dr. med. Lars Hagemann

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Orthomax Praxis für Knie- und Sportorthopädie, Langenhagen

 

 

Millionen Betroffene leiden unter Arthrose. Was sind die Ursachen für ihre Schmerzen?

Die Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung. Bei ihr verschleißen altersbedingt Knorpel und Knochen, vor allem im Knie-, Hüft- und Schultergelenk. Der Schmerz geht bei einer Arthrose nicht vom Knorpelgewebe aus, da dieses keine Schmerzfühler enthält. Die Knochenhaut, die Gelenkkapsel sowie deren Innenhaut verfügen indes über zahlreiche Schmerzrezeptoren. Schmerzen treten beispielsweise bei Belastung, aber auch in Ruhe und in der Nacht auf.

Welche Rolle spielt dabei die Hyaluronsäure im Gelenk?

Sie ist natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Sie wirkt als Schmiermittel bei allen Gelenkbewegungen und verringert die Abnutzung der Gelenke. Bei Arthrose nehmen die Konzentration an Hyaluronsäure und damit Elastizität und Belastbarkeit des Knorpels ab.

Welche Therapien eignen sich allgemein?

An erster Stelle steht die konservative Therapie. Also physikalische Maßnahmen wie zum Beispiel Krankengymnastik, schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Hilfsmittel wie Schuheinlagen, alternative Methoden wie die Stoßwellenbehandlung, Nahrungsergänzungsmittel, Anpassung beim Sport oder Injektion von Hyaluronsäure. Wenn durch diese Behandlungen keine Besserung der Beschwerden erreicht werden kann, kann das geschädigte Gelenk operativ versorgt werden.

Wie bewerten Fachgesellschaften speziell aktuelle Hyaluronsäuretherapien?

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und andere Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass die intraartikuläre Hyaluronsäuretherapie ein wichtiger Bestandteil der konservativen Arthrosetherapie ist. Wichtig bei der Wahl der passenden Hyaluronsäure sind ihre Eigenschaften, denn diese sind für die Wirksamkeit entscheidend. Laut der American Academy of Orthopaedic Surgeons werden statistisch signifikante positive Ergebnisse mit hochmolekularer und quervernetzter Hyaluronsäure erzielt. Waren die Präparate zunächst niedermolekular und tierischen Ursprungs, so zeichnen sich moderne Präparate dadurch aus, dass sie hochmolekular sind, frei von tierischen Proteinen. Außerdem sind sie quervernetzt, das heißt, die Hyaluronsäure verbleibt länger im Gelenk.


 

Eine Injektion mit großer Wirkung

 

Dr. med. Martin Rinio

Facharzt für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie, Orthopädische Gelenk-Klinik, Gundelfingen

 

Worauf achten Sie angesichts der Vielzahl an Präparaten in der Hyaluronsäuretherapie?

Die Behandlung sollte möglichst frei von unerwünschten Wirkungen sein. Modernere Hyaluronsäuren werden biofermentativ hergestellt und haben ein deutlich vermindertes Allergierisiko. Durch ihre quervernetzte Molekülstruktur verbleiben sie länger im Gelenk, weil der Körper sie nicht so schnell abbauen kann. Die Wirksamkeit wird verlängert und es sind in der Regel auch weniger Injektionen nötig. Außerdem ist das Risiko einer Spritzeninfektion deutlich vermindert.

Wodurch zeichnen sich die neuen Präparate im Vergleich zu früher aus?

Sie sind nicht mehr tierischen Ursprungs. Sie werden frei von tierischem Fremdeiweiß durch Biofermentation hergestellt. Dadurch haben sie einen hohen Reinheitsgrad. Während früher häufiger niedrige Molekulargewichte üblich waren, kommen heute auch höhere zum Einsatz. Diese können die Arthrosebeschwerden positiv beeinflussen. Denn sie hemmen die Produktion von entzündungsfördernden Stoffen. Gleichzeitig regen sie die Produktion der natürlichen Hyaluronsäure im Gelenk wieder an. Insgesamt wird das Fortschreiten der Arthrose verlangsamt und ein besseres Gelenkmilieu geschaffen. Dies bedeutet weniger Schmerzen und eine Verbesserung der Gelenkfunktion.

Wie gehen Sie bei einer entzündlichen Arthrose vor?

Um die Entzündung und die damit verbundenen Schmerzen schnell in den Griff zu bekommen, verwende ich gerne die Kombination von Hyaluronsäure mit Cortison. Oft ist nur eine Injektion notwendig.

Wann empfehlen Sie diese Hyaluronsäureinjektion und wann multiple Injektionen?

Das hängt natürlich vom verwendeten Präparat und dessen Art der Anwendung ab. Die einmalige Injektion hat Vorteile wie Komfort für Patienten, geringes Infektionsrisiko und längere Wirkungsdauer dank der Quervernetzung. Multiple Injektionen empfehle ich, wenn der Gelenkverschleiß noch nicht so weit fortgeschritten ist und man durch mehrfache Injektionen den körpereigenen Hyaluronsäure-Abbau hinauszögern und die eigene Hyaluronsäure-Produktion anregen möchte.