Sie unterliegen auch psychosozialen Einflussfaktoren wie Stress, seelische Belastung, Kummer, Trauer oder Depression. Der emotionale Aspekt bei Rückenschmerzen ist nicht zu unterschätzen, denn unsere Einstellungen, Emotionen und Erwartungen nehmen Einfluss darauf, wie wir Schmerzen empfinden. Das Gehirn ist mit seinen Schmerzzentren und mit seinen emotionalen Zentren ein ebenso ernstzunehmender Beteiligter bei der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung. Erschwerend kommt hinzu, dass sich lang anhaltende Schmerzen regelrecht ins Gehirn einbrennen können.

Dann verringert sich die Schmerzschwelle im Gehirn und es kommt gewissermaßen zu einem gefühlten Dauerschmerz. Die Medizin kennt dafür den Ausdruck: Schmerzgedächtnis. Wer über einen längeren Zeitraum unter ständigen oder immer wiederkehrenden Rückenschmerzen leidet, sollte sich deshalb auch selbst hinterfragen: In welchen Situationen taucht der Schmerz auf oder wird schlimmer? Ist alles in Ordnung in meinem Leben? Welche seelischen Belastungen liegen auf meinen schultern? Hat sich der Schmerz in meinem Gehirn eingenistet? Welche Veränderungen würden meinem Rücken gut tun?

Wir arbeiten in der multimodalen Schmerztherapie mit unterschiedlichen individuell aufeinander abgestimmten Behandlungsansätzen aus verschiedenen Fachbereichen. Ein Expertenteam untersucht auf vielfältige Weise, welche Belastungen für die Schmerzen verantwortlich sind, stellt ein individuelles Behandlungskonzept zusammen und bespricht in Schmerzkonferenzen die einzelnen Maßnahmen und Fortschritte.

Zum einen werden die organischen Strukturen mit modernsten medizinischen Methoden behandelt. Die Bandbreite reicht dabei von der medikamentösen Therapie über Physiotherapie bis hin zu minimal-invasiven Techniken. Zum anderen kümmern wir uns um den durch seelisches Leid verursachten Schmerz und vermitteln den Patienten Kenntnisse über wirkungsvolle Einflussmöglichkeiten des Geistes auf die Schmerzbewältigung. Grundlage der therapeutischen Arbeit ist neben Entspannungsverfahren die Einzeltherapie.

Im Gespräch werden die Schmerz auslösenden Situationen und Denk- beziehungsweise Handlungsmuster analysiert und neue Verhaltensweise erarbeitet. So wie Krafttraining die muskulären Verspannungen abbaut, so baut „Schmerztraining fürs Gehirn“ die seelische Last ab, die auf den Rücken drückt. Wir machen mit dem multimodalen Behandlungsansatz sehr gute Erfahrungen, denn unsere Patienten können ihre durch die Schmerzen eingeschränkte Lebensqualität signifikant erhöhen.