Statistisch ist klar: Viele Eltern sorgen sich unnötig – die wenigsten krummen Kinderrücken haben pathologische Ursachen. Bei nur ein bis zwei Prozent aller Jugendlichen (etwa sechsmal mehr Mädchen als Jungen) handelt es sich tatsächlich um eine Skoliose. Morbus Scheuermann weist als häufigste Wirbelsäulenerkrankung bei Jugendlichen allerdings schon eine Häufigkeit von bis zu acht Prozent auf – häufiges beziehungsweise andauerndes „Buckeln“ sollte daher in jedem Fall ernst genommen werden. Nicht nur weil Eltern mit dem (gerne millionenfach wiederholten) Hinweis, dass es „einfach nicht gut aussieht“,
natürlich recht haben.

Viel wichtiger ist eine rechtzeitige Diagnose in den Fällen, die tatsächlich schwerwiegende Auswirkungen haben können. Denn eine verdrehte und verbogene Wirbelsäule, die in der Pubertät schnelle Wachstumsschübe „mitmachen“ muss, kann sich schnell zu einem Problem auswachsen, das Betroffene in Form von Schmerzen und Einschränkungen ihr Leben lang beschäftigt. Bei Skoliose- oder Scheuermann-Verdacht in der Pubertät sollte daher lieber einmal zu viel als einmal zu wenig kontrolliert werden, da dauerhafte Verkrümmungen sich hier in relativ kurzer Zeit entwickeln können.

Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig kontrollieren

Die Scheuermann-Krankheit, die per se vorwiegend bei Jugendlichen vorkommt, führt ohne Therapie nicht nur zur Wirbelsäulenverkrümmung, sondern auch zur Bildung von Keilwirbeln und Verschmälerung der Bandscheiben. In der Wachstumsphase des Skeletts dringt Bandscheibengewebe in die knorpeligen Abschlussplatten der Wirbelkörper ein. Dieser Defekt führt letztlich zu einer Verlängerung der Wirbelkörper – das unbehandelte Resultat ist eine Buckelbildung unterschiedlicher Ausprägung. Die Ursache ist noch nicht ganz verstanden, aber das dürfte die wenigsten betroffenen Jugendlichen interessieren. Die Folgen – lebenslange Rückenbeschwerden und eine Haltungseinbuße – stehen eindeutig im Vordergrund.

Das Wichtigste bei allen Therapien: möglichst frühzeitig anfangen

Die Therapie ist fast immer konservativ. Das A und O: Ein früher Therapiebeginn (Krankengymnastik und Gerätetraining) verhindert spätere Folgebeschwerden. Nur was rechtzeitig erkannt wird, kann erfolgversprechend therapiert werden.

Da bei einer Skoliose häufig nicht die Verbiegung selbst der Schmerzauslöser ist, sondern die begleitende Muskulatur, kann hier mit Sport und Bewegung, vor allem durch Schwimmen und medizinische Kräftigungstherapien, bereits viel erreicht werden. Auch die klassische Akupunktur ist häufig wirksam und bei entsprechenden Voraussetzungen Kassenleistung. Schmerzmittel und Bandagen sowie etwas stärker immobilisierende Orthesen ergänzen das Behandlungsspektrum.

Auch hier können Schrauben, Stangen und Zwischenwirbelimplantate „verbaut“ werden, um die Wirbelsäule nach erfolgloser konservativer Vortherapie aufzurichten. Aber auch der beratungsresistenteste Jugendliche wird wohl einsehen, dass alle anderen Möglichkeiten bessere Möglichkeiten sind. Vielleicht ist es darum für alle Beteiligten eine gute Idee, in Fällen von auffälliger und anhaltender Krummsitzerei sich einfach kurz gemeinsam über Risiken und Krankheitsbilder
zu informieren.

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