Viele Namen, aber keine Heilung

Die Bechterewsche Erkrankung ist eine chronisch rheumatische Krankheit, die über entzündliche Prozesse zu einer knöchernen Einsteifung der Wirbelsäule führen kann. Sie hat unter Ärzten einen lateinischen Namen ("Spondylitis ankylosans", abgekürzt „AS“) wird aber im deutschen Sprachraum meist nach dem russischen Neurologen Wladimir Bechterew benannt, der die Krankheit am Ende des 19ten Jahrhunderts beschrieben hat. Sie gilt bis heute als unheilbar, lässt sich aber in ihrem Verlauf ganz entscheidend beeinflussen. Nur: Wie und wodurch sie sich beeinflussen lässt, hängt von vielen, auch individuellen Faktoren ab – und vor 30 Jahren war die Lage naturgemäß noch diffuser als heute. Trotzdem hatte die Diagnose sogar etwas Positives. Denn so einschneidend die Diagnose damals war, für Ludwig bedeutete es auch die Erlösung von 10 Jahren Ungewissheit. Denn lange Zeit wusste niemand, warum er ständig an Rückenschmerzen litt – die Magnetresonanz- Tomographie, die heute die Diagnose erleichtert, wurde gerade erst entwickelt und stand noch nicht zur Verfügung. Weder Schmerztabletten, noch Spritzen, noch die üblichen Rheumamedikamente linderten die chronischen Schmerzen. Die Ärzte waren ratlos.

Die Ärzte probierten alles – nichts half

Und auch nach der Diagnose dauerte es noch lange, bis man der Ursache auf die Spur kam: Eine Salmonellenvergiftung in der Pubertät löste die ersten Symptome bei ihm aus. Ludwig sprach mit unzähligen Ärzten und Therapeuten, ohne dass wirklich jemand helfen konnte. Bis er endlich einen Rheumatologen in München fand, der ihm von der Möglichkeit einer Therapie im Gasteiner Heilstollen erzählte. „Für mich gab es zu diesem Zeitpunkt keine Alternativen mehr – also bin ich losgefahren, um mir diesen Heilstollen mit eigenen Augen

anzusehen.“ Heute weiß man, dass es vielen Morbus Bechterew Patienten ähnlich geht und sie Jahre lang falsch diagnostiziert und behandelt werden.

Mit jeder Kur im Heilstollen nahmen die Beschwerden ab

Für Ludwig bedeutet die Kur im Gasteiner Heilstollen nicht nur drei Wochen Urlaub in schöner Kulisse, sondern im Ergebnis ein volles Jahr ohne Schmerzen – und ohne Medikamente. „Ich nehme wirklich ungern Medikamente und bin heilfroh, dass es diese Heilstollen gibt!“ Er kann sich noch gut an seine erste Kur erinnern, die nicht sofort die erhoffte Wirkung brachte. Die Ärzte ermutigten ihn damals, nicht so schnell aufzugeben und der Therapie Zeit zu geben. Denn die sogenannte Radonwärmetherapie arbeitet mit sanften Mitteln, die allerdings über die Zeit erstaunliche Ergebnisse erzielen können. Kurz gesagt funktioniert es so: Im Heilstollen herrschen hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit – ein Klima bei dem sich schmerzende Muskeln gut entspannen. Zudem tritt aus dem Berggestein Radon in geringen Mengen aus, welches bei Rheumatikern die Aktivität von Entzündungszellen sowie Schmerzbotenstoffen hemmt. Diese Effekte halten über viele Monate nach einem Behandlungszyklus an, Patienten berichten über anhaltende Schmerzlinderung bis hin zur völligen Beschwerdefreiheit und deutlich niedrigeren Medikamentenbedarf. Heute, dreißig Jahre später schwört Ludwig auf seinen Heilstollen und könnte sich sein Leben nicht mehr ohne eine jährliche Kur vorstellen. Dabei immer mit an Ludwig’s Seite ist seine Frau Renate. Die beiden haben sich nach seiner ersten Kur kennengelernt und verbringen seit dem meist ihren gemeinsamen Urlaub rund um die Therapie – was bei der wunderschönen Umgebung nicht schwerfällt.

Frieden schließen mit der Krankheit

Eine Heilung für Morbus Bechterew gibt es nicht, doch Ludwig hat einen Ort gefunden, um mit seiner Krankheit leben zu können und ist mittlerweile stolze 68 Jahre alt. Im Laufe der Jahre hat er mit seiner Krankheit Frieden schließen können. „Ich war früher oft angespannt und wollte nicht schon wieder in den Heilstollen fahren. Heute bin ich viel relaxter und habe eine positivere Einstellung der Krankheit gegenüber. Denn wenn wir Dinge aus Leidenschaft tun, gefallen sie uns noch viel, viel besser. Und das trifft auch auf den Stollen zu.“

„Symptome der Erkrankung Morbus Bechterew“

  • Gliedersteifigkeit und -schmerzen, vor allem früh morgens
  • Beweglichkeit am Morgen ist länger als 30 Minuten eingeschränkt
  • Beschwerden beginnen vor dem 40. Lebensjahr und dauern min. 3 Monate an
  • Untypisch: Bewegen lindert, Ruhen verschlimmert die Schmerzen
    Wichtig, denn bei den meisten Rückenleiden ist es umgekehrt