Hunderttausende Patienten jährlich erhalten in Deutschland bei schmerzhaften Gelenkbeschwerden eine Prothese. Das Gelenk so lange wie möglich zu erhalten und Patienten ein aktives, schmerzfreies Leben zu ermöglichen, sollte das oberste Ziel sein.

Therapie mit Hyaluronsäure

Seit mehr als 20 Jahren hat sich der Einsatz von Hyaluronsäure-Injektionen im Rahmen der konservativen Arthrosetherapie etabliert. Auch zahlreiche nationale wie internationale Fachgesellschaften haben die intraartikuläre Therapie mit Hyaluronsäure inzwischen in ihre Empfehlungen aufgenommen.

Hyaluronsäure gilt als „Schmiermittel“ im Gelenk und ist ein wichtiger Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Sie unterstützt die Gleitfähigkeit der Gelenkflächen und erfüllt eine wichtige Stoßdämpfer-Funktion. Bei Entzündungen oder nach Verletzungen verringert sich die Qualität der Hyaluronsäure jedoch. Der Arzt kann diesen Verlust durch intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen wieder ausgleichen.

In Kombination mit Cortison

Die Präparate haben sich in den vergangenen 20 Jahren erheblich verbessert: Früher waren sie niedermolekular, tierischen Ursprungs und bargen daher ein erhöhtes Allergierisiko. Ein Behandlungszyklus umfasste in der Regel fünf Injektionen. Moderne Präparate sind dagegen hochmolekular, frei von tierischen Proteinen und außerdem quervernetzt – das heißt, die Hyaluronsäure verbleibt länger im Gelenk. Somit ist nur noch eine einzige Injektion notwendig. Die Wirkung hält in der Regel bis zu einem Jahr an. Neu ist die Kombination von Hyaluronsäure und Cortison in nur einer Spritze. Sie sorgt für eine noch schnellere und zugleich lang anhaltende Schmerzlinderung.

Erfolgreich in der täglichen Praxis

In der Praxis hat sich die Therapie mit Hyaluronsäure längst bewährt. „Wir setzen im Sinne des Patienten auf Einzelinjektionspräparate mit quervernetzter Hyaluronsäure“, sagt Knie- und Knorpelspezialist Prof. Dr. med. Rainer Siebold vom HKF-Zentrum für Hüft-, Knie- und Fußchirurgie der ATOS Klinik Heidelberg. „Sie kombiniert maximale Sicherheit mit einer optimalen Wirksamkeit.“

Zum Einsatz kommt die Hyaluronsäure als Gelenkspritze nach operativen Eingriffen, beispielsweise bei traumatischen Knorpelschäden. Hierbei sind ihre chondroprotektiven Eigenschaften von besonderer Bedeutung, um den sich nach dem operativen Eingriff neu bildenden Knorpel zu schützen. In diesem Fall möchte der Arzt einer möglichen Arthrose und einem daraus drohenden Gelenkersatz entgegenwirken.

Innovative 3D-Matrix

Die Hyaluronsäure wird heute auch vielfach in Form einer Matrix in der Knorpelchirurgie verwendet. Dabei wird diese Matrix in den oft durch einen Unfall verletzungsbedingt entstandenen Knorpelschaden eingebracht.

Dieser matrixgestützte Eingriff ist im Vergleich zu anderen Verfahren minimal-invasiv (arthroskopisch) und es ist nur ein einziger Eingriff notwendig.

„Durch den zusätzlichen Einsatz einer Matrix gehen deutlich weniger Stammzellen verloren, da die Matrix ihnen ein dreidimensionales Gerüst bietet. Hyaluronsäure ist hierbei von Vorteil, da diese eine bessere Differenzierung der Zellen in Richtung Knorpelzelle ermöglicht und damit eine bessere Knorpelqualität erreicht werden kann“, sagt Prof. Dr. med. Wolf Petersen, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin.*

* Interview im Rahmen des GOTS Kongresses 2017 in Berlin