Es gibt über 100 verschiedene Krankheitsbilder. Die entzündlich-rheumatischen Krankheitsbilder werden häufig als „Rheuma in engeren Sinne“ angesehen. Häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung ist die rheumatoide Arthritis. Lange Zeit konnten die Schmerzen bei letzterer höchstens gelindert werden. Doch die Medizin macht Fortschritte. Heute kann die Krankheit bei rechtzeitigem Erkennen gut behandelt werden.

An rheumatoider Arthritis haben in der Geschichte viele bekannte Personen gelitten. So wie der Maler Auguste Renoir: Er saß – wie damals viele Menschen mit dieser Erkrankung – im Rollstuhl. In seiner letzten Schaffensphase ließ er sich den Pinsel zwischen den Fingern festbinden, weil er ihn nicht mehr alleine festhalten konnte.

Medikamente verringerten zwar den Schmerz und schwächten die Entzündung ab. Aber die Zerstörung der Gelenke konnte nicht aufhalten werden.

Zu Zeiten Renoirs war weder bekannt, wie die Krankheit entsteht, noch wie man sie behandeln kann. Das hat sich geändert. Heutzutage kann den Erkrankten geholfen werden – auch weil die Forschung immer besser wird und sich rheumakranke Menschen seit vielen Jahrzehnten organisieren, sich gegenseitig helfen und ihre Interessen gemeinsam vertreten.

550 000 Erwachsene sind in Deutschland von rheumatoider Arthritis betroffen, Frauen dreimal häufiger als Männer. Bei dieser Autoimmunerkrankung greift der Körper sein eigenes Gewebe an. Die Innenhaut der Gelenkkapsel fängt plötzlich an zu wuchern, produziert vermehrt Flüssigkeit und zerstört Knorpel und Knochen der Gelenke. Schmerzen und Schwellungen sind die Folge. Schließlich funktionieren die Gelenke nicht mehr richtig.

Die chronische Krankheit verläuft schubweise. Früher hat sie zu starken Einschränkung der Funktion der Gelenke geführt, vor allem an den Händen und Füßen. Die Folgen waren im besten Fall die Frührente, aber häufig auch ein früherer Tod.

Heute kann schon das Risiko, an einer rheumatoiden Arthritis zu erkranken, reduziert werden. Zwar ist die genetische Veranlagung für diese Erkrankung nicht änderbar. Aber es gibt bekannte Risikofaktoren für den Ausbruch der Krankheit – und an denen kann jeder Mensch etwas tun. Starke Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern ein verdoppeltes Risiko, eine rheumatoide Arthritis zu entwickeln. Zudem verläuft bei ihnen die Erkrankung schwerer. Ihre Körper sprechen schlechter auf die Therapie an.

Menschen mit rheumatoider Arthritis konnte lange Zeit nur bedingt geholfen werden. Medikamente verringerten zwar den Schmerz und schwächten die Entzündung ab. Aber die Zerstörung der Gelenke konnte nicht aufhalten werden.

Doch gegenwärtig vollzieht sich ein Paradigmenwechsel in der Behandlung:

Frühzeitige Behandlung

Wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass eine Therapie gut anschlägt. Hierfür wird eine krankheitsmodifizierende Therapie (meist Methotrexat) eingesetzt, bevor die Zerstörung der Gelenke eintritt. Das Zeitfenster liegt wahrscheinlich innerhalb von 20 Wochen nach Beginn der ersten Beschwerden mit Schmerz und Schwellung der Gelenke.

Neue Präparate nutzen

Führt der Einsatz des ersten Medikamentes nicht innerhalb von drei Monaten zum deutlichen Rückgang der Entzündung, sollte die Dosis des Medikaments erhöht werden oder ein ähnlich wirksames Präparat kann hinzugegeben werden.

Eine dem Krankheitsstadium angepasste Bewegungstherapie, auch mit einem speziellem Muskeltraining, ist unabdingbarer weiterer Behandlungsinhalt.

Wird auch jetzt nach erneuten drei Monaten kein Verschwinden der Entzündung erreicht, kann auf eine ganz neue Wirkstoffklasse, die Biologika, übergegangen werden. Sie können in vielen Fällen die Krankheit zum Stillstand bringen, wenn sie rechtzeitig eingesetzt werden.

Aber auch die Biologika bringen einmal eingetretene Zerstörungen der Gelenke nicht wieder zum Rückgang. Daher heißt das Behandlungsprinzip heute: Rasche effektive Entzündungshemmung und Stopp der Gelenkzerstörung durch krankheitsmodifizierende Therapie, bei gleichzeitig engmaschigen Kontrollen.

Meist wird bis zum Eintritt der Wirkung der krankheitsmodifizierenden Therapie auch zusätzlich Kortison eingesetzt, ein starker Entzündungshemmer. Eine Kortison-Dauertherapie ist in Anbetracht der Nebenwirkungen - Osteoporose, Gewichtszunahme, Diabetes mellitus oder Infektionsgefahr - nicht mehr angeraten.

Bewegungstherapie beginnen

Trotz der Fortschritte der medikamentösen Therapie in den letzten 15 Jahren sind die Medikamente nur eine Säule der Behandlung. Eine dem Krankheitsstadium angepasste Bewegungstherapie, auch mit einem speziellem Muskeltraining, ist unabdingbarer weiterer Behandlungsinhalt. Hier helfen zum Beispiel speziell ausgebildete Physiotherapeuten. Auf der Internetseite der Rheuma-Liga gibt es außerdem Hinweise zum Funktionstraining und vielen weiteren Bewegungsangeboten.

Das Resultat

Durch die neuen Ansätze und neuen Präparate kann heute bei Neuerkrankten sogar an ein schrittweises Absetzen der medikamentösen Therapie gedacht werden. Ein Vorgehen, das noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen wäre. Hierfür müssen die Erkrankten jedoch zunächst eine stabile entzündungsfreie Zeit (mindestens sechs Monate) erreichen.

Wie sieht die Zukunft aus? In der Forschung arbeiten zahlreiche talentierte und engagierte Ärzte weiter daran, dass rheumakranken Menschen immer besser geholfen werden kann. Schon jetzt ist ihnen zu verdanken, dass es vielen Erkrankten gut geht.

Auguste Renoir kann davon zwar nicht mehr profitieren. Aber er bleibt uns durch seine Gemälde in Erinnerung – und durch seinen Willen, trotz Rollstuhl und zerstörter Gesundheit an seiner Leidenschaft festzuhalten.