Daten des bundesweiten telefonischen Gesundheitssurveys zeigen: 2009/2010 gab jede vierte Frau und rund jeder sechste Mann an, im zurückliegenden Jahr sogar über einen Zeitraum von mindestens einem Vierteljahr an Kreuzschmerzen gelitten zu haben, und dies täglich. Bei wachsendem Lebensalter scheint die Häufigkeit sogar zuzunehmen. Und: In allen Altersgruppen sind Personen mit niedrigem Sozialstatus (Bildung, berufliche Stellung, Einkommen) häufiger von Kreuzschmerzen betroffen als diejenigen mit mittlerem oder hohem Sozialstatus. Wer Kreuzschmerzen hat, hat zudem oftmals weitere Leiden. Häufige Begleiterkrankungen sind Osteoarthrose, degenerative Gelenkerkrankungen, kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre Erkrankungen.

Zudem zeigen die Daten: Oftmals gehen Kreuzschmerzen einher mit Schmerzen des oberen Rückens und Nackens, Migräne, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und anderem. Klar, dass sich dies auch in den Kosten der Krankenversicherung zeigt. Akute Kreuzschmerzen bei Patienten, die diesbezüglich in den letzten drei Quartalen keine Probleme hatten, betreffen rund drei Prozent der GKV-Versicherten, rund fünf Prozent der GKV-Versicherten haben diagnostizierte Kreuzschmerzen.

Die Kosten der Behandlung von Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems machten bereits 2008 rund elf Prozent der gesamten Krankheitskosten der Krankenversicherung aus, Tendenz seitdem stark steigend. Summiert man die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten durch Arbeitsausfälle, Frühverrentungen, medizinische Rehabilitation et cetera zusammen, so kommt man laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes auf rund vier Milliarden Euro. 

Psychische Belastungen erhöhen das Risiko, dass Schmerz dauerhaft (chronisch) wird.

Wichtig ist: Bei Rückenschmerzen sollte zum Ausschluss schwerwiegender Erkrankungen ärztlich abgeklärt werden. In den meisten Fällen kann dies durch ein ausführliches diagnostisches Gespräch und eine körperliche Untersuchung erfolgen. Nicht immer ist eine bildgebende Diagnostik (zum Beispiel Röntgen) nötig. Wenn keine definierten Ursachen für den Schmerz vorliegen, spricht man von „unspezifischem Rückenschmerz“.

Hier ist dann die Patientenaufklärung wichtig, auch kann es helfen, sich bei gewissen Belastungen ein wenig zurückzunehmen, gegebenenfalls unterstützt mit kurzfristigen Schmerzmitteln oder muskelentspannenden Medikamenten. Ziel ist es, so zügig wie möglich die normale körperliche Aktivität wieder zu erreichen; komplette Ruhigstellung schadet, mäßige Aktivität ist wichtig. Viel zu oft erfolgt in Deutschland an dieser Stelle auch die Behandlung mit beispielsweise Spritzen an der Wirbelsäule oder Kathederverfahren. Wichtig auch: Psychische Belastungen erhöhen das Risiko, dass Schmerz dauerhaft (chronisch) wird. Und: Vermeidet man aus Angst vor Schmerz jede Bewegung, kann das die Schmerzproblematik sogar verstärken!

Am ehesten führt bei Patienten mit chronischen nicht spezifischen Rückenschmerzen ein sogenanntes multimodales Behandlungskonzept zum Erfolg. Dabei werden über einen Zeitraum von etwa vier Wochen medizinische, physiotherapeutische und vor allem psychologische Maßnahmen kombiniert und in Einzel- und Gruppenbehandlung durchgeführt. Aktuell auf gesundheitspolitischer Ebene diskutiert wird zudem die flächendeckende Einführung eines sogenannten Disease-Management-Programms (DMP) Rückenschmerz.

Ziel ist es, dass zukünftig ein strukturiertes Behandlungsprogramm für Patienten mit chronischem Rückenschmerz sektorübergreifend den Behandlungsverlauf und die Qualität der medizinischen Versorgung verbessert. Entsprechende fachliche Arbeitsgruppen erarbeiten dazu auf Bundesebene derzeit Details, die dann gesundheitspolitisch in Kraft zu setzen sind. Auch ein Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung ist nötig, aber auch jetzt schon Teil der Maßnahmen des Bundespräventionsgesetzes. Das Thema Rückenschmerzen ist zudem Schwerpunkt des diesjährigen bundesweiten Aktionstags gegen den Schmerz. Dieser findet am 5. Juni 2018 statt. In vielen Städten gibt es dann Informationsveranstaltungen, Tage der offenen Tür sowie Expertentipps. Infos erhalten Sie ab Mai 2018 unter www.dgss.org, notieren Sie sich schon mal den Termin!

SERVICE

Das Programm für Nationale Versorgungs-Leitlinien hat eine ausführliche Leitlinie entwickelt, die aufzeigt, wie am besten eine Behandlung organisiert und durchgeführt werden sollte. Zu dieser Versorgungsleitlinie gibt es auch mehrere spezifische Patienteninformationen, die Sie kostenfrei im Internet herunterladen können.

http://www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz

Eine auf Anbieterselbstauskunft beruhende Liste möglicherweise für Sie geeigneter Behandlungszentren finden Sie über folgenden Link:

https://www.dgss.org/versorgung/schmerztherapeuten/schmerzmedizinische-einrichtungen/

Patienteninformationen rund um chronischen Schmerz gibt´s unter:

https://www.dgss.org/patienteninformationen/

Eine „Schmerz-App“ können Sie kostenfrei hier downloaden:

https://www.dgss.org/schmerzapp/

Kontakt zu Selbsthilfegruppen finden Sie hier:

https://www.schmerzlos-ev.de