Die multimodale Schmerztherapie wird vor allem für Patienten mit bereits chronifizierten Schmerzsyndromen empfohlen – da-runter fallen alle chronischen Schmerzerkrankungen, also nicht nur chronische Rückenschmerzen, sondern zum Beispiel auch Migränekopfschmerz und Fibromyalgie.

Die Therapie wird jedoch auch bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Chronifizierung empfohlen – eben mit dem Ziel, einer Chronifizierung der Schmerzen vorzubeugen. Bei diesen Patienten ist aufgrund des Zusammenspiels verschiedener bio-psychosozialer Faktoren die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein akuter Schmerz sich „dauerhaft einrichtet“. Ein erhöhtes Risiko für chronische Schmerzen kann beispielsweise aufgrund von Stress am Arbeitsplatz, Einschränkung der Lebensqualität oder depressiver Stimmung, Ängsten oder Sorgen bestehen.

Die multimodale Schmerztherapie findet bei allen chronischen Schmerzerkrankungen Anwendung

Vor allem aber im Kampf gegen die „Volkskrankheit“ Rückenschmerzen hat sich die multimodale Therapie bewährt. Dabei werden verschiedene Behandlungsansätze nach einem Baukastenprinzip miteinander verbunden, um den bestmöglichen Therapieerfolg zu erzielen.

multimodale Schmerztherapie, Bewegung, Sport, Bewegungstherapie, chronische Schmerzen Bewegung ist ein wesentlicher Faktor bei der multimodale Therapie. Foto: Alena Ozerova/Shutterstock

Denn obwohl Rückenschmerzen zu den in Studien am häufigsten angegebenen Schmerzen gehören, lassen sich die Ursachen im Einzelfall oft nicht feststellen. In verschiedenen Untersuchungen konnte nur in etwa 15 Prozent der Fälle eine spezifische Ursache gefunden werden.

Angesichts einer stetig wachsenden Zahl von Rückenschmerzpatienten und der gleichzeitig ausbleibenden Erfolge bei den bislang verfolgten Therapiekonzepten, die vor allem Schonung und Entlastung der Patienten vorsahen, entwickelten Experten einen neuen Behandlungsansatz – die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie.

Hierbei geht es darum, die Rückenschmerzen von verschiedenen Seiten her zu bekämpfen, wobei die Patienten in kleineren Gruppen von einem Therapeutenteam aus Ärzten einer oder mehrerer Fachrichtungen, Psychologen oder Psychotherapeuten, Ergotherapeuten und Mototherapeuten betreut werden.

Multimodale Therapie dauert Wochen – ambulant, aber intensiv

Die multimodale Therapie lässt sich nur durch eine mehrere Wochen andauernde ambulante und ganztägige Behandlung realisieren. Die Erfolgsquote scheint hoch: In Studien zeigten sich neun von zehn Patienten mit dem multimodalen Behandlungsprogramm zufrieden, zwei Drittel der Patienten erlangten ihre Arbeitsfähigkeit zurück. Auch die Fehltage aufgrund der Erkrankung bei den berufstätigen Patienten waren deutlich reduziert.

multimodale Schmerztherapie, chronische Schmerzen, Medikamente, medikamentöse Behandlung Durch die multimodale Therapie werden im Anschluss weniger Medikamente benötigt. Foto: Iryna Imago/Shutterstock

Am Ende der multimodalen Schmerztherapie hatten die Patienten anhaltend weniger Rückenschmerzen, waren belastbarer und nahmen erheblich weniger medizinische Leistungen in Anspruch als vorher. In Einzelfällen sind allerdings immer wieder Nachbehandlungen notwendig, in denen das Erlernte wiederholt und vertieft wird. Das sichert den nachhaltigen Erfolg der multimodalen Therapie gegen Rückenschmerzen.

Die wesentlichen Bestandteile der multimodalen Therapie

  • Die medizinische Behandlung akuter Beschwerden durch medikamentöse Therapie, Physiotherapie und/oder manuelle Therapie
  • Die intensive Schulung und Aufklärung der Patienten über die Schmerzentstehung und Risikofaktoren wie Bewegungsmangel und Stress
  • Die konsequente Steigerung der körperlichen Aktivitäten in Bewegungs- und Sporttherapie unter Einbezug von Alltagsaktivitäten und maßgeschneiderten Übungen
  • Der Besuch psychotherapeutischer Therapien zum Erlernen von Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken sowie zum Umgang mit Schmerz und Beeinträchtigung
  • Die Berücksichtigung ergotherapeutischer Maßnahmen, bei denen Patienten unter therapeutischer Aufsicht verschiedene Arbeiten simulieren und lernen, sie so „rückenfreundlich“ wie möglich auszuführen