Der Rückenschmerz ist Volkskrankheit Nummer eins. Jeder zweite Deutsche über 30 Jahre hatte in seinem Leben schon mindestens eine nennenswerte Rückenschmerzepisode.

Eine Ursache dafür ist, dass der Mensch evolutionsbiologisch von den Vierfüßlern abstammt. Der zweibeinige Gang hat nicht nur den Blick in die Ferne ermöglicht und die obere Extremität zur Nahrungssuche und zur Arbeit nutzbar gemacht, sondern auch eine erhebliche Umformung und biomechanische Belastungsanpassung für unsere Wirbelsäule bewirkt. Durch das Aufrichten aus der Horizontalen wurde sie zur S-förmig geschwungenen „vertikalen Tragsäule“.

Regelmäßig bewegen, gesund leben und ernähren sowie sinnvoll Sport treiben!

Diese Haltefunktion kann unsere Wirbelsäule langfristig nur übernehmen, wenn sie durch eine leistungsfähige Rumpfmuskulatur geschützt und unterstützt wird. Hier liegt eine Hauptursache der heutigen „Zivilisationskrankheit Rückenschmerz“: Wir sitzen zu viel und ergonomisch ungünstig, wir laufen und trainieren zu wenig und bekommen dadurch Übergewicht, Muskel- und Knochenschwund sowie Schäden an Gelenken und Bandscheiben. Machen wir dann eine plötzliche oder ungewohnte Bewegung, kann es zum Knochenbruch oder Bandscheibenvorfall kommen.        

Den meisten dieser Zivilisationsprobleme können wir mit einer aktiven Lebensweise selbst vorbeugen: Regelmäßig bewegen, gesund leben und ernähren sowie sinnvoll Sport treiben! Wenn es zu ersten Schäden an der Wirbelsäule gekommen ist, müssen diese keinesfalls immer sofort operiert werden.

Einfache Frakturen heilen oft auch ohne Operation. Der unspezifische Rückenschmerz braucht eine gute Physiotherapie, aber kein Skalpell. Selbst hartnäckige Wirbelsäulenleiden lassen sich häufig durch multimodale Therapieansätze ohne Operation, aber durch konsequente Mitwirkung des Betroffenen längerfristig gut behandeln.

Ist eine Operation nötig, stehen heute innovative operative Therapieverfahren mit modernsten Implantaten zur Verfügung. Dennoch greifen Orthopäden und Unfallchirurgen nach wie vor gerne auf jahrzehntelang bewährte Behandlungsmethoden zurück – gemäß dem Motto des diesjährigen Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie „Zurück in die Zukunft“.    

Die obersten Prinzipien der Orthopäden und Unfallchirurgen lauten „konservativ vor operativ“ und „Gelenkerhalt vor Gelenkersatz“. Beispielhaft umgesetzt wird dies in orthopädischen Präventionsprogrammen für Säuglinge, die durch Vorsorgeuntersuchung mittels Hüftsonografie die Zahl der Eingriffe und stationären Behandlungen wegen Hüftdysplasie drastisch senken konnten.

Kinder und Jugendliche benötigen regelmäßige kinderorthopädische Untersuchungen, damit Wachstumsstörungen und Deformitäten – auch der Wirbelsäule – erkannt und gegebenenfalls korrigiert werden können.

Unabhängig davon, ob es sich um jüngere oder ältere Patienten handelt, sollten operative Eingriffe an der Wirbelsäule notwendig werden, ist eine gründliche Beratung und Aufklärung durch die behandelnden Orthopäden und Unfallchirurgen zu fordern. Bei planbaren, elektiven Eingriffen kann auch eine Zweitmeinung in spezialisierten Zentren eingeholt werden.

Wichtig ist, dass dem Patienten nicht nur die umfangreichen Möglichkeiten der modernen operativen Medizin dargelegt werden, sondern dass er ebenso über die konservativen Behandlungsoptionen sowie über Chancen, Risiken und Komplikationsmöglichkeiten des operativen Vorgehens aufgeklärt wird. Dies ermöglicht es dem Arzt und dem aufgeklärten Patienten, gemeinsam klug zu entscheiden.