Herr Dr. Höffler, Ihre Praxis gibt es schon seit 36 Jahren. Was würden Sie schätzen, wie vielen Patienten haben Sie und Ihr Team schon geholfen – und wie viele davon wegen Zähneknirschen behandelt?

Insgesamt wohl um die 12.000. Davon wegen Bruxismus circa 1.000, vielleicht auch etwas mehr.

Also nicht gerade ein Randphänomen!

Nein, Bruxismus wird insgesamt mit einer Prävalenz von ungefähr 20 Prozent in der Bevölkerung angegeben.

Wer knirscht am meisten? Junge, Alte? Männer, Frauen?

Es gibt eine schöne Aussage von Prof. Olaf Bernhardt aus Greifswald: „Männer knirschen schmerzfrei, Frauen pressen und es schmerzt mehr.“ Dies entspricht auch meinen langjährigen Beobachtungen. Mit zunehmendem Alter scheint die Häufigkeit abzunehmen. Vielleicht auch eine Folge davon, dass man mit zunehmendem Alter gelassener wird.

Was sind die Ursachen? Innere Unzufriedenheit? Oder ganz einfach physiologische Umstände?

Knirschen fängt schon bei Babys an – im Prinzip, sobald sich zwei gegenüberliegende Zähne berühren. Auch wenn alle bleibenden Zähne da sind, ist Bruxismus in geringem Maße „normal“. Der „ungesunde“ Bruxismus wird ausgelöst durch ungleiche Zahnkontakte. Das kann Knirschen bewirken, um das Gebiss „einzuschleifen“, oder Pressen, wobei man quasi versucht, die Zähne in den Knochen hineinzudrücken, „bis es passt“. Hier ist der Schaden ungleich größer, denn im Gegensatz zum Knirschen werden beim Pressen nur einzelne Muskeln statisch belastet.

Hinzu kommt die psychische Komponente, vor allem nachts, wenn man im Schlaf unbewusst das Geschehen in der Vergangenheit und Zukunft verarbeitet. Das muss nicht in Zusammenhang mit einer  Unzufriedenheit stehen – es ist ein Teil der Verarbeitung des Geschehens, ähnlich den unterschiedlichen Hirnaktivitätsphasen im Schlaf.

Helfen Spangen oder Schienen?

Knirscht der Patient schmerzfrei und hat „nur“ stärkeren Zahnabrieb, sind einfache, dünne „Knirscherschienen“ das Mittel der Wahl, sozusagen ein „Schonbezug“ für die Zähne. Presst er, hilft eine Schiene relativ wenig bis gar nicht. Hier ist ein guter und erfolgreicher Ansatz das sogenannte Biofeedback, wobei ein Gerät nachts die Aktivität des Schläfenmuskels überwacht und registriert.

Das Pressen löst dann eine bedingte elektrische Stimulation auf der Hautoberfläche  aus, die den Träger veranlasst, das Pressen zu unterlassen. Ein neuer Ansatz ist eine im Oberkiefer einzusetzende Schiene aus mehrschichtigem, teilelastischem Kunststoff.

Dort ist ein hermetisch abgeschlossener Drucksensor so in die Oberfläche der Schiene eingearbeitet, dass die gegenüberliegenden Zähne hier auftreffen und bei Überschreiten einer Druckschwelle einen Sensor auslösen, der mittels eines kleinen Motors eine Vibration und gleichzeitig über Knochenleitung einen Summton erzeugt. Man wacht weder selbst dadurch auf, noch nehmen eventuell Danebenliegende etwas wahr.

Die Biofeedbackkombination aus Vibration und Summton veranlasst den Träger, den Kaudruck zu reduzieren oder sogar zu unterlassen – der Vorteil ist hierbei, dass nicht ein einzelner Muskel (zum Beispiel ein Schläfenmuskel) isoliert berücksichtigt, sondern das gesamte Muskelsystem damit sozusagen überwacht wird.