Frau Dr. Reich, bevor wir zur FemiLift-Laserbehandlung kommen, wollen wir über das übergeordnete Thema „Tabu“ sprechen. Dass viele Frauen mit ihrem Partner, in der Familie oder im Freundeskreis nicht gern über intime, zum Teil tabuisierte Beschwerden reden wollen, ist leicht verständlich – aber warum sprechen sie dann darüber nicht mit ihrer Frauenärztin?

Das lässt sich aus meiner Erfahrung gar nicht so schnell zusammenfassen, denn es gibt ja viele verschiedene Phänomene, und noch viel mehr verschiedene Frauen. Die einen nehmen eventuell medizinisch bedingte Beschwerden vielleicht gar nicht als solche wahr; die anderen gehören zu einer Generation, die die Dinge viel mehr „hinnimmt“, die sagen einfach „So ist das jetzt eben, Millionen Frauen vor mir sind auch damit klargekommen.“ Wieder andere haben vielleicht ein Inkontinenzproblem. Die Werbeindustrie präsentiert allgegenwärtig angebliche Hilfsmittel, Frauen wollen keinesfalls als Trägerinnen von „Seniorenwindeln“ erkannt werden. Deshalb wird geschwiegen. Natürlich erkennen wir Frauenärzte mit unseren Untersuchungsmöglichkeiten diese Probleme, ich spreche meine Patientinnen offen darauf an.

All diese Fälle haben zwei Gemeinsamkeiten: Die Ursachen für diese körperlichen Probleme sind völlig natürliche, körperliche Veränderungen im Leben einer Frau, hormonelle Umstellungen, Schwangerschaften und Geburten, die fortschreitende Alterung. Frauen sind also nie selbst dran „schuld“.

 Es liegt vor allem an Informationsgrad und kulturellem Umfeld, was und wie stark diese Themen tabuisiert werden. Gerade wir in Deutschland lieben ja Tabus: Da sorgt schon ein bisschen Botox im Gesicht bei uns und in den Medien für einen ein Riesen-Aufreger. Aber Gott sei Dank ist Botox für bestimmte Behandlungen in der Harnblase oder zur Behandlung neurologischer Erkrankungen allgemein anerkannt und nicht mehr tabuisiert.

Was haben wir denn hier für ein spezielles Problem? Sind wir etwa besonders verklemmt?

Naja, das hat bestimmt viele Gründe. Aus meiner Sicht ist vor allem wichtig, dass wir ganz grundsätzlich unser Wohlbefinden nicht konsequent als gesundheitsrelevant ansehen. Wir lieben und machen zwar immer mehr Wellness-Behandlungen, aber diese hören meistens an der Gürtellinie auf! (lacht). Weit verbreitet ist die Ansicht, dass Ärzte nur für Krankheiten und deren Therapie, nicht aber fürs Wohlbefinden zuständig sind. Wir Frauenärzte helfen  schon viele Jahrzehnte Frauen mit einer individuellen Hormontherapie nicht nur Gesundheit sondern auch körperliches Wohlbefinden zu erlangen und zu halten.

Gehen wir unter die Gürtellinie: Die Behandlungsmöglichkeiten mit dem Laser sind vielfältig. Was kann die Technik, was behandeln Sie damit?

Ich würde es umdrehen und sagen: Es gibt keine Frau, für die eine FemiLift-Behandlung keine sinnvolle medizinische Behandlung bei intimen Beschwerden wäre.

Verschiedenste Laserbehandlungen der Haut werden von Schönheitschirurgen und Dermatologen seit Langem durchgeführt. Auch den Intimlaser bieten sie als Verjüngungsbehandlung des Intimbereiches an. Für mich als Frauenärztin spielen diese sogenannten „Verschönerungen von Innen“ aber keine große Rolle. Ich nutze den Intimlaser bei Frauen, auch jungen Frauen, die aus hormonellen, aber auch aus anderen medizinischen Gründen unter Vaginalbeschwerden wie zum Beispiel Trockenheit und Schmerzen beim Verkehr leiden. Die Laserbehandlung hilft bei der Wiederherstellung der Intimzone nach einer Geburt. Da kann der Laser das schaffen, was man mit jahrelangem Beckenbodentraining nicht erreicht. Bei  Patientinnen mit bestimmten Inkontinenzproblemen hilft der Laser ohne Operation.

Und besonders erwähnen möchte ich die Laserbehandlung für Patientinnen, denen eine alternative Hormontherapie untersagt ist. Das sind Brustkrebspatientinnen, die aufgrund einer Antihormontherapie unter starken Intimproblemen leiden können.

Wie kann denn eine einzige Technologie in so vielen Fällen helfen, wie funktioniert die Laserbehandlung?

Die Innovation besteht darin, dass das spezielle Laserlicht durch einen besonderen Aufsatz die Innenseite der Scheide - ich will das mal so krass sagen – tausendfach mit Mikrospots verletzt. Die Verletzungen sind wirklich winzig, aber eben groß genug, um eine maximale Gewebeerneuerung zu stimulieren. Für einen guten Behandlungserfolg sind mehrere Behandlungen in bestimmten Abständen nötig. Diese werden immer den natürlichen, individuellen Wundheilungsvorgängen angepasst. Die vielfältigen Effekte, die wir durch die Laserbehandlung erreichen, kommen also letztlich nicht aufgrund der Technik zustande, sondern aufgrund der Tatsache, dass die natürlichen Regenerationsprozesse für alle Arten von Zellen aktiviert werden; für Drüsenzellen genauso wie für Zellen, die Bindegewebe synthetisieren.