Interview mit Dr. Christina Kellner, Assistenzärztin am Dermatologischen Zentrum in Bonn

Wie wird Neurodermitis bei jungen Patienten behandelt?

In Deutschland leben 15-20 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Neurodermitis. Ab der sechsten Lebenswoche kann sich Neurodermitis als Milchschorf zeigen. Bei Säuglingen und Kleinkindern stellt die Therapie hohe Ansprüche an den Arzt. Kortison wird  bei ihnen „So viel wie nötig und so wenig wie möglich“ eingesetzt. Eine gute Basispflege reduziert Schübe und den Bedarf an Kortison. Enorm wichtig ist, dass Eltern umfassend aufgeklärt werden.

Neurodermitis ist bislang unheilbar. Wie kommen Arzt und Patient einer Symptomfreiheit nahe?

Die Basispflege umfasst spezielle Produkte zur Hautreinigung und -pflege. Patienten sollten zudem lernen, Allergene und Umweltstoffe zu meiden. Bei leichten Schüben helfen Licht- und Badetherapie sowie pflanzliche Therapeutika. Beim akuten Schub kommt meist Kortison zum Einsatz. Aktuell werden aber auch neue Therapieprinzipien erforscht.

Wie kann dem Juckreiz bei Neurodermitis entgegengewirkt werden?

Wegen der gestörten Hautbarriere trocknet die Haut aus und Erreger und Allergene dringen ein. Dies aktiviert Immunzellen, die juckreizfördernde Entzündungsbotenstoffe freisetzen und die Haut sensibilisieren. Kratzen kurbelt diese Prozesse an und verschlimmert den Juckreiz. Eine geeignete Basispflege hilft, diesen Kreislauf zu unterbrechen und den Bedarf an Kortison zu reduzieren. Hierbei haben sich pflanzliche Stoffe bewährt. Gerbstoffe aus Bittersüßstengel und Tee beruhigen die Haut. Borretschsamen und Kamille sind regenerierend. Wirkstoffe aus Mahonie und Nachtkerze hemmen Entzündungen.

Welchen Einfluss hat Stress?

Stress muss als wesentlicher Triggerfaktor bei Neurodermitis vermieden werden, was natürlich leichter gesagt als getan ist. Die Forschung klärt immer mehr, wie unser Wohlbefinden das Immunsystem beeinflusst. Sicher ist: Stress kann den Kreislauf aus Entzündung, Juckreiz und Kratzen verschlimmern.  

Welchen Nutzen haben Selbsthilfegruppen?

Neurodermitis erzeugt bei den Betroffenen erheblichen Leidensdruck. Oft fühlen sich Eltern trotz optimaler medizinischer Betreuung überfordert. Junge Patienten leiden unter Ausgrenzung und Selbstzweifeln. Selbsthilfegruppen ermöglichen den regen Erfahrungsaustausch zu Therapiemöglichkeiten und Alltagstipps. Dies gibt den Betroffenen viel Rückhalt. Der Austausch mit Gleichgesinnten hilft, ergänzend zur ärztlichen Behandlung, mit der eigenen Erkrankung umzugehen.