Die meisten Menschen empfinden Schwitzen zu Recht als lästig - wozu ist es überhaupt gut?

Es hat eine wichtige Kühlungsfunktion. Biochemische Abläufe laufen in unserem Körper optimiert bei 37 Grad ab. Bei einem Fieber mit ein paar Temperaturgraden darüber schon nicht mehr. Bei Kälte haben wir bis runter auf 30 Grad etwas mehr Toleranz. Der Körper erhält nicht nur Wärme durch die Umwelt. Er produziert sie zum Beispiel durch Muskelarbeit und muss sie wieder abführen.

Menschen schwitzen oft unterschiedlich stark - woran liegt das?

Die Steuerdynamik läuft bei ihnen unterschiedlich. Der eine schwitzt schon in der Umkleide, der andere nicht mal die ersten zehn Minuten in der Sauna.

Ab dem 30. Lebensjahr schwindet auch unsere Muskelmasse.

Die Aktivität der Nervenübertragung nimmt außerdem im Laufe eines Menschlebens bis zu sieben Prozent pro Jahrzehnt ab. Deshalb staunt man über Senioren, die mitten in der prallen Hitze noch einen Mantel tragen können. Ab dem 30. Lebensjahr schwindet auch unsere Muskelmasse.

Wann ist Schwitzen denn krankhaft?

Wenn Sie mehr schwitzen, als es der Lebenssituation gerecht wird. Dann reichen schon Banales wie Staubsaugen oder emotionale Reize, wenn der gefürchtete Chef ins Zimmer kommt. Bis der einem die Hand entgegenstreckt, ist die eigene bereits nass.

In unserem Gehirn liegen die Zentren für Emotionen und Schwitzen nebeneinander und sind verbunden. Da springt der Funke im wahrsten Sinne des Wortes über.

An welchen Körperstellen können wir überhaupt schwitzen?

Schwerpunkte sind die Achseln, Hände und Füße, meistens beidseitig und geschlechtsunabhängig, selten einseitig. Dann kommt der Kopf. Möglich ist es aber auch nur stellenweise, zum Beispiel am Po oder ein bestimmter Fleck im Rücken.

Welche Therapie empfehlen Sie als Arzt?

Ist die Psyche der häufigste Auslöser, kann ein Stresstraining helfen. Körperlich können Sie die Drüsen selbst oder ihre Steuerung bremsen. Sie verfügen nur über diese beiden Hebel. Es gibt Antitranspirante, mit denen sie die Gänge der Drüsen „verstopfen“. Dabei hilft das Prinzip des Gerbeffekts, bei dem sich das Gewebe zusammenzieht. Oder Sie wählen Kristallbildner, bei denen sich Salzpfropfen bilden, die die Drüse verstopfen.

Eine neue Richtung ist unter den Achseln die Behandlung mit der Mikrowellen Thermotherapie.

Ist die Drüse erstmal dicht und kann keinen Schweiß abgeben, reguliert sie sich von selbst herunter. Dafür reicht in der Regel ein Deo, das man zweimal die Woche verwendet. Die bekannteste Substanz in Deos ist das Aluminiumchlorid, das hautreizend jedoch Jucken und Brennen hervorrufen kann. Es gibt deshalb Präparate, die ohne auskommen. Ich empfehle Trial and Error, um für sich das passende auszuwählen.

Eine neue Richtung ist unter den Achseln die Behandlung mit der Mikrowellen Thermotherapie. Das Verfahren ist in der EU seit 2014 zugelassen. Während man die Körperoberfläche kühlt, werden die Drüsen im Körper sozusagen „gegrillt“. Möglich ist auch, die Nervenleitungen mit Methoden der Neurochirurgie zu blockieren.

Viele leiden zusätzlich unter den unangenehmen Gerüchen, wie zum Beispiel Schweißfüßen.

Manchen Menschen passiert das kaum und sie müssen ihr Hemd nur alle drei Tage wechseln. In Korea leben sogar viele, die aufgrund eines Gendefekts gar nicht riechen. Andere kämpfen mit Keimen, die den Schweiß zersetzen und deshalb intensiver riechen. Der eigentliche Zweck des Parfums war früher, diese schlechten Gerüche zu übertünchen.

Bei Schweißfüßen sind es oft Bakterien in Socken und Schuhen, die als Keime die unangenehmen Gerüche hervorrufen. Leider sind die nur schwer zu vernichten. Heute kochen wir die Wäsche nicht mehr so oft wie zu Großmutters Zeiten. Sinnvoll ist, Schuhe regelmäßig zu wechseln und sie zwei, drei Tage ruhen zu lassen.

Kunststoffschuhe lassen sich in der Waschmaschine waschen oder in einer Plastiktüte in den Gefrierschrank legen. Hände wie Füße kann man außerdem mit Aluminiumchlorid behandeln. Es gibt Geräte, die die Drüsen der Extremitäten im flachen Wasserbecken mit Schwachstrom reizen, so dass sie nicht mehr auf Nervenimpulse reagieren.

Einigen Zeitgenossen möchte man schlicht sagen: „Waschen hilft“.

Wir waschen uns in unserer Gesellschaft zu viel. Nur jeden zweiten Tag zu duschen, wäre in Ordnung. Wichtig ist, beim Thema Schweißbekämpfung immer am Ball zu bleiben. Ich motiviere meine Patienten, indem ich auf sehr verschiedene Möglichkeiten der Behandlung verweise. Wir finden immer einen Plan B.