Werden schwerhörige Kinder zu spät mit Hörhilfen versorgt, sind Sprachentwicklung, schulische, soziale und emotionale Entwicklung beeinträchtigt. Auch viele Erwachsene mit Hörschädigung leiden unter Problemen am Arbeitsplatz, in der Freizeit und beklagen eine zunehmende sozia-le Isolation. Angesichts der enormen Bedeutung des Hörsinnes für unsere Kommunikation ist es nur wenig verständlich, dass bei uns nur etwa drei Millionen Menschen mit Hörhilfen versorgt sind, deren Anpassung meist noch viele Jahre zu spät erfolgt.

Ein großer Teil der Hörstörungen ist auf genetische Faktoren zurückzuführen, entsteht als Folge entzündlicher Prozesse oft schon in der frühen Kindheit oder tritt – nicht selten stressbedingt – als Folge von Hörstürzen  im späteren Leben auf. Ein zunehmender Teil ist jedoch auf den steigenden Lärmeinfluss in Beruf, Umwelt und Freizeit zurückzuführen.

Die Ursachen genetisch bedingter Hörstörungen lassen sich bislang (noch) nicht beheben.

Hörprüfungen belegen, dass bereits bei sechs Prozent der Schulanfänger sowie bei etwa 30 Prozent der 18- bis 19-jährigen Jugendlichen eine Innenohrschwerhörigkeit nachweisbar ist. Die ersten Hörschäden treten demnach nicht erst beim Besuch des ersten Rockkonzerts auf, sondern bereits im Kinderzimmer! Der unvorsichtige Umgang mit lärmendem Spielzeug, zu laut eingestelltem MP3-Player, Videospiele oder der unachtsame Umgang mit Silvesterkrachern können zu dauerhaften Hörschäden und nervendem Tinnitus führen. All diese Einzelschäden summieren sich im Laufe des Lebens. Somit sind die empfindlichen Sinneszellen im Innenohr erst einmal geschädigt und können sich nicht mehr regenerieren.

Die Ursachen genetisch bedingter Hörstörungen lassen sich bislang (noch) nicht beheben. Daran arbeiten Hörexperten weltweit und natürlich auch in Deutschland mit Hochdruck. Leider ist es noch Zukunftsmusik, dass wir mit einer einfachen „Hörpille“ die geschädigten Sinneszellen einmal ersetzen können. Bislang gibt es nur symptomatische Therapien, mit denen die Folgen einer Schwerhörigkeit kompensiert werden können. Im Bereich der Entwicklung moderner Hörgeräte, implantierbarer Hörsysteme, Cochlea-Implantaten und moderner Behandlungsmethoden  sind jedoch enorme Fortschritte erzielt worden, sodass den Betroffenen zahlreiche individuelle Lösungen zur Hörverbesserung zur Verfügung stehen.

Sogar taubgeborenen Kindern können wir über das elektronische Ohr eine lautsprachliche Entwicklung und damit eine verbesserte Integration in unsere Gesellschaft ermöglichen.  

Das vorliegende Themenheft möchte Sie über das sensible Thema “Hören“ näher aufklären. Es soll Betroffene und auch Angehörige über die modernsten medizinischen, audiologisch-technischen und pädagogischen Ansätze der Diagnose, Therapie und Rehabilitation von Hörstörungen informieren.

Dabei werden auch Aspekte der Prävention von Hörschäden bei Kindern und Erwachsenen vorgestellt und die wichtigen pädagogischen Konzepte zur Integration hörgeschädigter Menschen in Kindergärten, Schulen sowie am Arbeitsplatz aufgezeigt.

Selbst bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit können wir in spezialisierten Zentren mit einer Cochlea-Implantat Versorgung und einer begleitenden intensiven Förderung die Kommunikation deutlich verbessern. Sogar taubgeborenen Kindern können wir über das elektronische Ohr eine lautsprachliche Entwicklung und damit eine verbesserte Integration in unsere Gesellschaft ermöglichen.  

Niemals ist es zu früh und nur selten zu spät für den ersten wichtigen Schritt, sich von den Experten rund um das Thema Hören über die vielfältigen individuellen Möglichkeiten der erfolgreichen Behandlung von Hörstörungen zu informieren!