Informationen

Informationen zur Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL):
tinnitus-liga.de

Wie haben Sie Ihren Tinnitus bekommen?

Ich hatte 1992 unverschuldet einen Autounfall. Als die starken Beschwerden der geprellten Halswirbelsäule nachließen, hörte ich auf einmal ein Piepen im linken Ohr. Wie das Zischen bei einem Schnellkochtopf. Mein HNO-Arzt diagnostizierte einen Tinnitus. Ich dachte: Ich muss leiden, weil irgendjemand nicht aufgepasst hat.

Welche Therapie hat der Arzt verschrieben?

Es begann für mich ein zweijähriger Leidensweg: Probiert wurden Infusionen, Akupunktur, Druckkammer mit Sauerstoff und anderes mehr. Ich hoffte, dass es besser wird - wurde aber immer enttäuscht.
Etwas geholfen hat mir eine Reha in Bad Berleburg. Dort traf ich andere Betroffene. Tinnitus war damals noch kein gängiger Begriff. Hinzu kam dort eine wichtige psychologische Betreuung. Ich lernte, dass ich den Tinnitus annehmen muss.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Viele, die an Tinnitus leiden, sind Menschen, die es nicht schaffen, „Nein“ zu sagen. Sie sind bereit, immer alles für andere zu erledigen. Lernen müssen sie auch, sich mit nur einer Sache zu beschäftigen.

Dann war bei Ihnen nicht allein der Unfall der Auslöser?

Es kann sein, dass der Tinnitus mich sowieso ereilt hätte. Aber das ist nicht mehr relevant. Ich denke, dass wir Menschen uns als ein Gesamtpaket begreifen müssen. Wir haben einen Behälter in uns, in den wir viel einbringen. Aber wir leeren ihn nicht. Mein Behälter war offensichtlich voll.

Aber Ihre Leidenszeit ging ja noch weiter.

Ja, ich habe insgesamt sechs Hörstürze erlitten. Einen bekam ich nach einem wunderbaren Urlaub. Mitten auf dem Heimweg, als ich eigentlich sehr entspannt war. Schwindelgefühle hatte ich auch.

Können Sie das Geräusch, das Sie hören, genau beschreiben?

Es ist dumpf im Ohr. Als wenn ich durch einen Trichter höre. Oder ich habe gar nichts mehr gehört. Mein Gehör hat sich auf der linken Seite deutlich verschlechtert. Hinzu kam bei mir eine Geräuschüberempfindlichkeit auf dem anderen Ohr. Inzwischen trage ich ein Hörgerät. Es ist sogar noch ein weiterer Ton hinzugekommen. Es gab schlimme Momente, in denen ich mir sagte: Wenn das nächste Woche noch da ist, nehme ich mir das Leben.

Was hat Sie gerettet?

Nach einer weiteren Reha in 2000 hat bei mir ein Umdenken stattgefunden. Außerdem habe ich durch die Unterstützung der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. gelernt, damit zu leben. Es ist kein Weltuntergang mehr für mich. Der Körper hat mir eben gezeigt, wo meine Grenzen sind.

Was raten Sie mit Ihrer Erfahrung anderen Betroffenen?

Viele, die unter beruflichem Leistungsdruck stehen, kommen leider in einen negativen Kreislauf mit zusätzlichen Konzentrations- oder Schlafstörungen und sogar Depressionen.
Selbsthilfegruppen und persönliche Gespräche sind sehr wichtig. Ich bin Mitglied der Deutschen Tinnitus-Liga und berate Betroffene. Mein Leben hat deshalb nun mehr Gehalt und einen anderen Sinn bekommen.