Das Thema „Smart Hearing“ ist in aller Munde. Bitte beschreiben Sie, was es damit auf sich hat.

Unter Smart Hearing versteht man eine Technologieentwicklung, die es Menschen mit Hörminderung möglich macht, mithilfe ihrer Hörgeräte alle neuen technischen Errungenschaften der Kommunikation zu nutzen. Moderne Hörsysteme sind via Bluetooth und anderem anschlussfähig an Smartphones, Telefone, TV-Geräte und externe Mikrofone.

Programme, Lautstärke und der Klang der Hörsysteme werden über eine App gesteuert. Telefonate können direkt ohne Nebengeräusche auf beide Ohren übertragen werden. Generell gilt: Alles, was ein Smartphone oder Tablet an Kopfhörer abgeben kann, wird über die Bluetooth-Technik drahtlos direkt in die Hörgeräte eingespielt.

Welche Chance bietet sich durch Smart Hearing für Menschen mit und ohne Hörverlust?

Für Menschen mit Hörverlust ist Smart Hearing ideal, um den Anschluss an die modernen Kommunikationsmedien zu behalten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Das ist Lebensqualität. Menschen mit Hörverlust sind häufig weniger aktiv, gehen nicht mehr ins Restaurant oder Kino, meiden Gespräche in der Gruppe und sind häufiger krank.

Die Technik macht so rasante Fortschritte, dass es für Hörakustiker enorm wichtig ist, immer auf dem neuesten Wissensstand zu sein.

Bei Menschen mit einem unversorgten Hörverlust erfolgt der Abbau der geistigen Fähigkeiten bis zu 40 Prozent schneller als bei der Vergleichsgruppe ohne Hörverlust beziehungsweise als bei denjenigen, die mit Hörsystemen versorgt sind.

Voraussetzung für eine effektive Nutzung ist die Einstellung der Hörsysteme auf die individuellen Bedürfnisse des Trägers. Der Hörakustiker ist hier Experte, er passt die Hörsysteme an und berät bei der Handhabung. Er informiert über Zubehör, wie Lichtsignalanlagen, die als Weckhilfe, Türklingel oder Rauchmelder eingesetzt werden können. Es gibt Zusatzmikrofone, die als drahtlose Übertragungsanlagen in Klassenräumen oder bei Vorträgen nutzbar sind und spontan hohen zusätzlichen Nutzen bringen.

Menschen ohne Hörverlust schätzen die gute Klangqualität zum Beispiel beim Musikhören oder Telefonieren. Die Technik dient auch zur Reduktion von Umgebungsgeräuschen oder zur Übertragung von Sprache und Tönen. Das ist besonders für Musiker und Moderatoren interessant.

Was bedeutet diese neue Technologie für Hörakustiker?

Für Hörakustiker bedeutet dies, dass sie immer am Puls der Zeit bleiben müssen. Die Technik macht so rasante Fortschritte, dass es für Hörakustiker enorm wichtig ist, immer auf dem neuesten Wissensstand zu sein. Fortbildungen sind daher elementar für jeden Hörakustiker, der Menschen mit Hörverlusten auch in Zukunft professionell versorgen will.

Hörsystemanpassung ist ein Prozess, der manchmal mehrere Monate dauern kann.

Für Menschen mit Hörverlust ist er der Ansprechpartner Nummer eins. Er kennt sich mit neuesten Technologien aus und ist Experte für die Versorgung von Menschen mit einer Hörminderung. Der Hörakustiker ist quasi die Schaltstelle zwischen Mensch und Technik, er bringt beides zusammen und begleitet den Kunden.

Haben Sie einen Tipp für Menschen, die Smart Hearing kennenlernen möchten?

Zunächst gibt ein Hörtest Auskunft darüber, ob ein Hörverlust vorliegt. Dieser kann wohnortnah beim Hörakustiker gemacht werden. Wenn nötig, stellt der HNO-Arzt die Verordnung für Hörsysteme aus. Hörakustiker und Kunde suchen gemeinsam die Technik aus, die auf die persönlichen Bedürfnisse des Trägers angepasst ist.

Es lohnt sich, verschiedene Modelle zu testen. Hörsystemanpassung ist ein Prozess, der manchmal mehrere Monate dauern kann. Vor allem, wenn eine lange Zeit der Schwerhörigkeit vorausgegangen ist. Unser „Hörmuskel“, das Gehirn, muss das Hören wieder lernen. Ein gutes und zielgerichtetes Hörtraining unterstützt diesen Prozess enorm.

Und nun ein Blick in die Zukunft: Inwiefern kann sich Smart Hearing noch weiterentwickeln?

In die Zukunft kann ich natürlich nicht schauen. Aber eine Ausweitung der Technologie auf weitere Anwendungsfelder und neue Kommunikationsmöglichkeiten ist in jedem Fall möglich. Im Bereich der Vitalfunktionen des Körpers könnten zum Beispiel Puls- und Blutdruck- oder Blutzuckermessungen bereits in naher Zukunft möglich sein. Schon heute können Termine, die beispielsweise an Medikamenteneinnahmen erinnern, von Smartphone oder Tablet runtergeladen werden.