Schon immer haben einzelne Reisende eine Tropenkrankheit als Mitbringsel nach Deutschland importiert. Wichtig ist daher, dass unsere Ärzte überhaupt an exotische Krankheiten denken. Denn unglücklicherweise ähneln die ersten Symptome vieler Tropenkrankheiten, unter anderem auch der lebensbedrohlichen Malaria, häufig denen banaler grippeartiger Infekte – Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen. „Die Frage nach jüngeren Auslandsaufenthalten sollte daher zu jeder internistischen Untersuchung gehören“, erinnert Prof. Rolf Horstmann vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg.

Allerdings macht die Anwesenheit von Überträgermücken noch keine Epidemie.

Was neu ist, ist eine Gefährdung durch importierte Epidemien. Denn es gibt Krankheitsüberträger, die drohen, unseren aufwendigen staatlichen Infektionsschutz zu unterlaufen: Stechmücken, Sandfliegen, Zecken. Durch den ständig zunehmenden internationalen Warentransport haben sich beispielsweise tropische Stechmücken bereits im gesamten Mittelmeerraum ausgebreitet und werden immer wieder über die Alpen nach Deutschland eingeschleppt. Berühmteste Vertreterin ist die Asiatische Tigermücke. Sie scheint sich durchaus unseren Temperaturen anpassen zu können, möglicherweise hilft ihr auch der Klimawandel. Noch hat sie sich nicht fest in Deutschland angesiedelt, dies scheint aber nur eine Frage der Zeit zu sein. Für die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des BNITM ist sie von besonderem Interesse, weil sie eine Vielzahl von tropischen Viren übertragen kann.

Allerdings macht die Anwesenheit von Überträgermücken noch keine Epidemie. Auch die Viren müssen eingeschleppt werden. Wie das abläuft, konnte 2007 in Italien nachverfolgt werden. Die Tigermücken hatten sich bereits um 1990 in der Poebene eingenistet, als 2007 ein Geschäftsmann, der aus Indien nach Ravenna reiste, akut an Chikungunya-Fieber erkrankte und den Stechmücken in seinem Blut die eingeschleppten Chikungunya-Viren anbot. Er wurde gestochen, und die Tigermücke übertrug die Viren von ihm auf den Nächsten und so weiter. Fast 300 Italiener erkrankten an Chikungunya-Fieber.

Eine Verbreitung gegebenenfalls zu verhindern, wird ungleich schwieriger sein.

Die USA machen diese leidvolle Erfahrung seit Anfang der 2000er Jahre in weit größerem Ausmaß. Innerhalb von vier Jahren breitete sich das West-Nil-Virus unter den Augen der aufmerksamen US-Gesundheitswächter über den gesamten nordamerikanischen Kontinent aus. Eingeschleppt wurde es vermutlich von Mücken als blindem Passagier eines Interkontinentalflugs, übertragen wird es von einheimischen Mücken. Seither hat es in den USA Zehntausende Krankheitsfälle verursacht und über tausend Todesopfer gefordert.

Seit etwa zehn Jahren untersuchen Beschäftigte des BNITM zusammen mit zahlreichen Partnern aus ganz Deutschland in großen Stichproben, welche Viren unsere einheimischen Stechmücken tragen, und haben dabei eine Reihe interessanter Funde gemacht. Um zukünftige Gefahren abschätzen zu können, hat das BNITM darüber hinaus ein Sicherheitsinsektarium gebaut, in dem untersucht wird, welche einheimischen Insekten tropische Viren oder andere Infektionserreger übertragen können. „Eine Verbreitung gegebenenfalls zu verhindern, wird ungleich schwieriger sein“, sagt Prof. Egbert Tannich, Leiter des Insektariums.