Liberaler heißt aber nicht offener. Nüchtern über die eigene Sexualität zu sprechen macht auch Angst.  Besonders, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Kommen Tripper, Hepatitis und HIV zur Sprache, drängen sich schnell Schuldgefühle auf und werden verdrängt. Das schlechte Gewissen meldet sich, beispielsweise, weil man fremdgegangen ist oder als Mann auf Männer steht. Der übelriechende Ausfluss oder der Ausschlag werden ignoriert und es wird peinlich, zum Arzt zu gehen. Dem müsste man dann ja auch sagen, was passiert ist. Oder: Die Angst wird übermächtig, beständig muss gecheckt werden, ob man noch „rein“ ist.

Insbesondere für Männer* ist der Umgang mit dem eigenen Körper tabuisiert. Da wird die eigene Potenz durch eine sexuell übertragbare Infektion (STI) bedroht, Mann fühlt sich minderwertig und verschließt sich, anstatt sich darum zu kümmern. Denn auch in der modernen Gesellschaft von heute sind es oftmals immer noch Frauen, die  für ihre Partner und Söhne die Aufgabe der Fürsorge übernehmen. Männer hingegen dürfen keine Schwächen haben. Ein fataler Irrtum, der zu unregelmäßigen Arztbesuchen und einer verminderten Sorge um sich selbst führt.

Dabei ist es, ganz unabhängig vom Geschlecht, gar nicht so schwer, einen gesunden Umgang mit dem eigenen Körper zu entwickeln. Zunächst hilft es sich zu vergegenwärtigen, dass bei frühzeitiger Entdeckung die meisten STIs leicht behandelbar sind. Ähnlich wie die Zähne halbjährlich gecheckt werden, könnten Männer und Frauen mit wechselnden Sexpartnern sich regelmäßig durchchecken lassen.

Beispielsweise ist die Syphilis vergleichsweise gut mit Antibiotika behandelbar, bei Verschleppung kann sie jedoch zu Nervenschäden führen. Hepatitis C hingegen ist eine Virusinfektion, die die Leber angreift und deren Therapie mit 80.000 € sehr kostspielig ist.

Der HI-Virus ist allerdings nach wie vor nicht heilbar. Eine Ansteckung bedeutet für Viele ein einschneidendes Erlebnis. Bei therapierten HIV-Positiven bricht AIDS (die durch HIV ausgelöste Krankheit) heute nicht mehr aus. Bei eingehaltener Therapie wird die Viruslast sogar soweit gesenkt, dass sie im Blut nicht mehr nachweisbar ist. Dann führt auch kondomloser Anal- oder Vaginalverkehr mit einem HIV-Positiven nicht zu einer Infektion.

Trotz dieser wissenschaftlich gesicherten Tatsache hält sich die Stigmatisierung von Menschen mit  HIV. Mit ihnen zu schlafen macht Angst. Dabei gibt es Möglichkeiten, sich vor einer Infektion zu schützen. Neben dem Kondom und dem angesprochenen Schutz durch Therapie gibt es noch die PrEP (die Pille davor) und die PEP (die Pille danach).

Die kondomlosen Safer Sex Strategien werden häufig nicht als gleichwertig mit dem Kondom angesehen. Insbesondere bei Schwulen hat es sich durch die Erfahrungen der AIDS-Epidemie der 80er zu einem moralischen Wert etabliert.

Tabus und Ängste können den Spaß am Sex vermiesen. Sollten es aber nicht! Wissen und der Wille, die eigene Sexualität zu gestalten sind entscheidend dafür, dass er zu zweit, zu dritt oder auch zu noch mehr nicht vergeht. In der Lust ist nicht nur Potenz gefragt, sondern auch Kompetenz.
 

Information

Love Rebels - Das Safer Sex Team der AIDS-Hilfe Frankfurt e.V.