Sie arbeiten seit über 30 Jahren mit kleinen Kindern und ihren so winzigen Herzen, das muss weit über das Technische hinaus wahnsinnig herausfordernd sein. Wie gehen Sie auch nach so vielen Jahren Berufserfahrung mit diesem Druck um?

Natürlich hat man die Dimension und die Tragweite dessen, worum man sich kümmert, immer vor Augen, das ist wahr, und das bleibt auch so. Das darf aber auf keinen Fall eine Triebfeder sein, sich emotionalisieren zu lassen und im Ergebnis Entscheidungen nicht mehr rational zu treffen. Man muss einfach professionell an die Thematik herangehen und nicht emotional.

Das hilft dann auch dabei, sich mit dieser Problematik auseinandersetzen zu können, und zwar so, dass man mit seinen Entscheidungen auch ein gutes Gefühl verbinden kann.  Also einerseits den höchsten  Standards entsprechen, ohne dabei – und das ist das Entscheidende – die Empathie zu verlieren. Denn im Endeffekt geht es ja nicht um irgendeine mathematische Formel. Die Fakten müssen die Grundlage bilden – aber die empathische Herangehensweise an die Kinder muss erhalten bleiben, denn nur so kann man letztendlich Vertrauen und Zutrauen gewinnen, was unbedingt notwendig ist, um in so einer Grenzmedizin erfolgreich tätig sein zu können.

Wichtig ist natürlich, dass man Eltern und Kinder zusammen darauf vorbereitet, dass man was machen muss – und dass das auch mal mit Schmerzen verbunden ist, dass man auch mal im Krankenhaus bleiben muss. Aber je älter die Kinder dann werden, umso wichtiger wird es, mit ihnen tatsächlich auch konkret darüber zu sprechen, was man mit ihnen macht. Also ein zehn-, elf-, zwölfjähriges Kind weiß natürlich schon genau um seinen Körper und die Einschränkungen, auch die Ängste. Die müssen dann natürlich so aufgeklärt werden wie die Eltern, damit sie auch mitmachen und sich nicht verweigern. Das ist ein entscheidender Punkt, den man in der Erwachsenenmedizin so natürlich nicht hat: Die Patienten müssen, auch wenn sie nicht juristisch einwilligungsfähig sind, mit auf die Reise genommen werden. Sonst funktioniert’s nicht.

Direkt nach der Geburt wird jedes Neugeborene routinemäßig untersucht, auch das Herz wird dabei abgehört. Was genau hört man da eigentlich als Arzt? Ist das der Zeitpunkt, wo angeborene Herzfehler entdeckt werden?

Was man häufig hört, sind natürlich Herzgeräusche, das heißt Blutströmungen. Und je turbulenter, das heißt je signifikanter die sind, umso wichtiger für uns. Stellen Sie sich einfach einen Gartenschlauch vor: Wenn Sie den zusammendrücken, hören Sie natürlich den Wasserstrahl viel lauter – genau so ist das auch, wenn eine Herzklappe zu eng ist. Man muss allerdings dazusagen, dass das Abhören bei Neugeborenen extrem schwierig ist; da muss man wirklich sehr geübt und schon lange im Beruf sein, um diese Geräusche tatsächlich als Problem identifizieren zu können.

Wesentlich wichtiger ist eigentlich, dass man das Kind gesamtheitlich untersucht – also liegt eine Blausucht vor, gibt es größere Atemprobleme, geht der Herzschlag besonders schnell, gibt es Pulse, die man nicht tasten kann, und vieles mehr. Ganz besonders wichtig ist beim Neugeborenenscreening, das gerade gesetzlich eingeführt wurde, dass man eine Pulsoxymetrie macht an der oberen und unteren Extremität, also den Sauerstoffgehalt im Blut vergleicht. Denn wenn es hier einen Unterschied gibt oder überhaupt unter 90 Prozent gemessen werden, muss man sofort auf Herzfehler screenen und eine entsprechende Ultraschalluntersuchung machen. Allein dieses neue Screening hilft uns, sehr viele Patienten frühzeitig zu identifizieren – und so natürlich die Behandlung
zu verbessern.

Wie würden frischgebackene Eltern erkennen, dass irgendetwas nicht stimmt?

Für die Eltern – wie für alle Eltern – ist es natürlich wichtig, die Entwicklung des Kindes genau zu beobachten. Auch mit dem besten Screening gibt es keine hundertprozentige Sicherheit, und es gibt natürlich schon noch Sachen, auf die Eltern achten können. Also wenn ein Kind nicht richtig gedeiht, nicht richtig trinkt, stark schwitzt, sehr heftig atmet oder blau anläuft beim Trinken, das sind natürlich Warnsymptome, und Eltern sollten gleich den Kinderarzt fragen.

Sollte man Kinder mit einem angeborenen Herzfehler schonen?

Das lässt sich wirklich nicht verallgemeinern. Grundsätzlich kann man sagen, dass unser Ziel das ist, eine möglichst normale Leistungsfähigkeit und Lebensqualität für unsere Patienten erwirken wollen – und das man in diesem Sinne mit einer zu starken Schonung natürlich auch nicht weiter kommt. Auch für einen Motor, der vielleicht nur auf drei Töpfen läuft, ist es besser – immer bei entsprechender Feinabstimmung – der Leistungskapazität entsprechend benutzt zu werden.

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Gibt es eine Vorsorge bei angeborenen Herzfehlern?

Es gibt tatsächlich eine Anzahl von bekannten Risikofaktoren, die auf das sich entwickelnde Herz einen schädigenden Einfluss haben können. Es gilt daher in erster Linie, diese Risikofaktoren zu vermeiden.

Insbesondere Mädchen sollten sich gegen Röteln impfen lassen, damit sie während einer späteren Schwangerschaft nicht erkranken.

 

Ist es zudem notwendig, dass Sie während einer Schwangerschaft Medikamente benötigen, sollten Sie vor der Einnahme einen Arzt konsultieren.

 

Zu den risikobehafteten Präparaten zählen vor allem auch frei verkäufliche Medikamente und Vitamintabletten.

 

Alkohol und Nikotin verbieten sich während und auch noch nach der Schwangerschaft (Stillzeit) von selbst.