Im September 2016 zeigte Franziska Liebhardt der Welt, welche sportlichen Erfolge nach einer Transplantation möglich sind. Bei den Paralympics in Rio de Janeiro gewann sie Gold im Kugelstoßen und Silber im Weitsprung. „Davon konnte ich vor acht Jahren nicht mal träumen“, sagt die 35-Jährige, die mit einer neuen Lunge und einer neuen Niere lebt. Damals stand ihr Leben auf Messers Schneide.

„Die Diagnose Kollagenose kam vor zwölf Jahren völlig unerwartet“, erinnert sich Liebhardt. Ihr Leben verlief bis dahin absolut normal. Doch dann verspürte sie zunehmend Atemnot. Noch heute leidet Liebhardt an der Autoimmunkrankheit, die ihre Lunge zerstört hat. Alltägliche Aktivitäten wie gehen, essen oder atmen waren irgendwann kaum noch möglich. Schließlich ging es ihr so schlecht, dass sie in ein künstliches Koma versetzt werden musste, während sie bereits auf eine neue Lunge wartete. „Ich dachte, dass ich nun am Ende bin“, erklärt sie. Doch in letzter Minute erhält sie ein Spenderorgan und kann transplantiert werden. Das war im April 2009. Ihr Körper nimmt die fremde Lunge ohne weitere Komplikationen an.

„Es war unglaublich für mich, als ich nach der OP wieder ohne ein Sauerstoffgerät atmen konnte“, erinnert sich Liebhardt. Für sie stand fest, dass sie ihre neue geschenkte Chance nutzen will. „Ich habe gedacht, ich kann atmen, also kann ich wieder Sport machen“, schildert sie. Die Ärzte wollten sie bremsen. Ein bisschen Sport sei gut, Leistungssport aber undenkbar. Doch die junge Frau beweist ihnen, dass viel mehr geht, als sie dachten. Ein halbes Jahr nach der Organübertragung trainiert sie dank eines professionellen Umfeldes täglich für die Leichtathletik. Und sie wird immer besser. Im Jahr 2011 gewinnt sie bei der Weltmeisterschaft der Transplantierten Gold im 100-m-Sprint, im Weitsprung und im Kugelstoßen.

Liebhardt setzt sich dazu öffentlich für das Thema Organspende ein.

Aber das Jahr 2012 bringt einen neuen Schicksalsschlag, jetzt versagen die Nieren. In Deutschland beträgt die Wartezeit für eine Nierentransplantation im Durchschnitt sechs bis sieben Jahre, bei manchen Patienten noch länger. Liebhardts Vater ist zu einer Lebendspende bereit. Sie zögert zunächst, doch dann nimmt sie dieses Angebot an. Die Transplantation der Niere verläuft gut. „Das war ein großes Geschenk“, sagt die Sportlerin. „Eine lange Wartezeit mit regelmäßiger Dialyse hätte meine Lunge nicht mitgemacht.“ Derzeit warten rund 8.000 Patienten in Deutschland auf eine neue Niere. Dies bedeutet, mehrmals in der Woche für mehrere Stunden eine Blutwäsche durchzuführen. Im vergangenen Jahr konnten nur 1.497 Nieren aus postmortaler Spende übertragen werden. Hinzu kamen 597 Übertragungen durch Lebendspende. Diese Art der Spende ist nach dem Transplantationsgesetz unter Einhaltung bestimmter Vorgaben möglich.

Franziska Liebhardt kämpft sich ein weiteres Mal zurück ins Leben. Sie wechselt ab 2013 in den paralympischen Sport. In Rio erreicht sie den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere. Damit holte sie auch die Erfolge der Organspende und Transplantation auf die Bühne des öffentlichen Interesses. Obwohl ihr ihre Systemerkrankung immer wieder Komplikationen beschert, hat sie durch die Organübertragungen ein hohes Maß an Lebensqualität hinzugewonnen. Und sie will auch anderen Patienten Mut machen. Mut für ein aktives Leben mit Sport. Liebhardt setzt sich dazu öffentlich für das Thema Organspende ein, zum Beispiel beim Verein Kinderhilfe Organtransplantation – Sportler für Organspende e. V.
(KiO). „Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man hofft, rechtzeitig ein passendes Organ zu bekommen. Ich hatte dieses Glück und bin unendlich dankbar dafür“, so Liebhardt.

Infotelefon Organspende

Das Infotelefon Organspende, eine gemeinsame Einrichtung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Deutschen Stiftung Organtransplantation, beantwortet alle Fragen rund um die Organspende. Unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/90 40 400 ist das Infotelefon montags bis freitags von 9.00 bis 18.00 Uhr erreichbar. Zudem können Anfragen auch per E-Mail gesendet werden an infotelefon@organspende.de.

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