Wie hoch ist das Risiko, dass Menschen mit Vorhofflimmern einen Schlaganfall erleiden?

In Deutschland erleiden pro Jahr circa 300.000 Menschen einen Schlaganfall. Ungefähr ein Fünftel bis ein Viertel aller Schlaganfälle wird auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurückgeführt. Vorhofflimmern ist eine häufige Erkrankung des Erwachsenenalters und nimmt mit zunehmendem Alter erheblich zu.

Welche Rolle spielt das linke Herzohr dabei?

Infolge des Vorhofflimmerns wird das Blut in den Vorhöfen schlechter durchmischt und fließt langsamer. Es können sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden, insbesondere dort, wo der Blutfluss sehr verlangsamt ist. Dies ist insbesondere im Vorhofohr, einer Art Blinddarm des Herzens, der Fall. So entstehen Thromben in weit über 90 Prozent der Fälle an dieser Stelle (siehe Abbildung 1). Löst sich ein solches Gerinnsel ab, kann es prinzipiell in alle Körperteile verschleppt werden (Embolie) und Infarkte verursachen. Verschließt ein Thrombus eine Hirnarterie, kommt es zu einem Schlaganfall (siehe Abbildung 2).

Eine Möglichkeit, um das Schlaganfallrisiko bei Menschen mit Vorhofflimmern zu verringern, ist der Verschluss des Vorhofohrs. Wie sieht das Verfahren aus?

Michael Lesh, ein Erfinder und Arzt, entwickelte Ende der 90er-Jahre ein Verfahren, das auf einem Herzkatheter basierte. Die Idee war, das Vorhofohr nicht abzuschneiden oder mit einem Faden zu verschließen, sondern von innen quasi zu verkorken. Der Vorhofohrkorken war geboren.

Das Verfahren ist mittlerweile relativ komplikationsarm.

Um an das Vorhofohr zu kommen, wird üblicherweise eine Schleuse in die Leistenvene gelegt und dann ein Herzkatheter über den rechten Vorhof durch die Trennwand zwischen rechtem und linkem Vorhof in den linken Vorhof vorgeschoben. Danach kann das Vorhofohr sondiert werden und das Verschlusssystem von innen in das Vorhofohr eingebracht werden (siehe Abbildung 3). Nach erfolgreicher Prozedur wird der Herzkatheter entfernt und die Punktionsstelle verschlossen.

Für welche Patienten ist die Methode geeignet, und wie geht es nach dem Eingriff weiter?

Das Verfahren ist mittlerweile relativ komplikationsarm und insbesondere für Patienten mit besonderen Risikomerkmalen geeignet. Dazu zählen vor allem Patienten mit erhöhtem Risiko für Blutungen – oder Blutung unter Einnahme von Blutverdünnern – oder Medikamentenunverträglichkeit.

Nach dem Eingriff muss wesentlich weniger beachtet werden als unter einer medikamentösen Antikoagulation. Bis zur vollständigen Einheilung des Implantats muss über einige Monate Aspirin oder ein anderer Blutplättchenhemmer eingenommen werden. Da keine offene Operation erfolgt, muss man sich lediglich eine Woche körperlich schonen.