In Deutschland leidet laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) jeder Dritte unter Bluthochdruck. In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen sind es sogar drei Viertel.

Neben ungesunder Ernährung in Kombination mit Übergewicht hat Hypertonie nach Schätzungen mit den höchsten Anteil an der gesamten Krankheitslast im Land: Erhöhter Blutdruck steigert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, koronare Herzerkrankung und Herzinsuffizienz, aber auch für chronische Niereninsuffizienz und Demenz. Das Fatale: Spüren tut man den hohen Blutdruck zunächst nicht. Häufig wird die Hypertonie nur durch Zufall entdeckt.

Ursachen von Bluthochdruck

Bluthochdruck kann viele verschiedene Ursachen haben. Nur selten lässt er sich auf einen Grund reduzieren. Man kann ihn aber auf eine Reihe verschiedener Faktoren zurückführen: Täglicher Alkoholkonsum, Nikotin, Übergewicht, andauernder Stress, zu hoher Kochsalzverbrauch (sechs Gramm pro Tag sollten nicht überschritten werden), Nebenwirkungen von Medikamenten oder auch Schlafapnoe.

Warnsignale erkennen

Durchschnittlich verringert sich die Lebenszeit von Hochdruckpatienten um fünf Jahre. Zu den Erkrankungen zählen unter anderem Schlaganfall, Herz- und Nierenerkrankungen. Doch schon vor diesem Stadium sendet der Körper Warnsignale, die allerdings auch ganz andere Ursachen haben können: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Nasenbluten und Ohrensausen.
Ein dringender Weckruf ist, wenn Kurzatmigkeit auftritt. Das Gleiche gilt für Brustschmerzen und Sehstörungen als Zeichen für Gefäßschäden im Auge. Diese Symptome sollten ernst genommen, von einem Arzt abgeklärt und gegebenenfalls medikamentös behandelt werden.

Sprint-Studie: 120 ist das neue 140 – oder doch nicht?

Derzeit liegt der Richtwert für die medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck bei 140/90. Patienten mit erhöhtem Blutdruck unter diesem Wert wird eher eine Änderung der Lebensweise nahegelegt, wie beispielsweise mehr Sport, gesündere Ernährung, Abnehmen.

Aufgrund der aktuellen „Sprint“-Studie aus den USA stürmen derzeit Tausende Patienten in deutsche Arztpraxen, die sich Sorgen um ihren Blutdruck machen. Denn die Studie hat gezeigt, dass zumindest für bestimmte Bluthochdruckpatienten ein systolischer Zielwert von 120 günstiger ist als die bisher anvisierten 140.

Für die Studie wurden mehr als 9.000 Menschen in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine sollte auf einen Wert von unter 140 hin behandelt werden, die andere auf einen unter 120. Alle Teilnehmer waren mindestens 50 Jahre alt, ihr Blutdruck war stark erhöht, sie hatten ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden. Die Werte konnten durch die Therapie auch gut gesenkt werden, in der einen Gruppe im Mittelwert auf 121, in der anderen auf 136 – was einen eindeutigen Unterschied machte: Herzinfarkt, Schlaganfall, gefährliche Durchblutungsstörungen des Herzens, Herzmuskelschwäche und Tod durch Herz-Kreislauf-Leiden – all das trat in der intensiv behandelten Gruppe seltener auf.

Für Patienten mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte diese Studie eine Optimierung der derzeitigen Therapie bedeuten. Doch Fakt ist: Auch wenn die Studie nach höchsten wissenschaftlichen Standards durchgeführt worden ist und die Ergebnisse beeindruckend sind, halten Experten es für verfrüht, die Empfehlungen ohne weitere Analysen sofort zu ändern.