Was genau kann man sich unter der Lipid-Apherese vorstellen?

Sie ist ein therapeutisches Blutreinigungsverfahren, ähnlich der Dialyse. Mithilfe verschiedener technischer Prinzipien werden LDL-Cholesterin und auch das Lp(a) maschinell aus dem Blut entfernt. Das Blut wird danach direkt wieder in den Körper zurückgeführt.

Für wen ist diese Therapie geeignet?

Für Betroffene, die an einer LDL-Cholesterinerhöhung oder Lp(a)-Erhöhung leiden. Sie erfolgt aber erst, wenn bei ihnen eine medikamentöse Therapie und Änderung des Lebensstils keine ausreichende Wirkung zeigen. Auch die homozygote Form der familiären (von beiden Elternteilen geerbte) Hypercholesterinämie lässt sich damit behandeln – diese Patienten haben schon früh eine Arterioskleroseentwicklung und oft einen Herzinfarkt sogar schon unter 20 Jahren.

Wer verschreibt eine Lipid-Apherese?

Der behandelnde Arzt, zum Beispiel ein Kardiologe oder Nephrologe, der die Notwendigkeit sieht. Danach stellt man einen Antrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Der Antrag bedarf außerdem Gutachten von zwei weiteren Fachärzten. Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist gesetzlich geregelt.

Wie läuft eine solche Sitzung der Apherese ab?

Bei der Lipid-Apherese wird das Blut einem Arm entnommen und zu dem Apheresegerät geleitet. LDL-Cholesterin und Lp(a) können durch Präzipitation, Filtration oder Adsorption entfernt werden. Das so gereinigte Blut wird über die Vene des anderen Armes des Patienten zurückgegeben. Das kann eine bis drei Stunden dauern. Da die LDL- und Lp(a)-Konzentration im Blut innerhalb von einer Woche wieder ansteigt, muss die Lipid-Apherese in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. In den meisten Fällen ist eine Behandlung ein- oder zweiwöchentlich ausreichend.

Die Lipid-Apherese wird ambulant, schmerzfrei (abgesehen von der Punktion der Nadeln) und weitgehend ohne Nebenwirkungen durchgeführt, während die Patienten liegen oder sitzen. Sie können nach der Behandlung ihrem normalen Tagesablauf weiter folgen. Sie wird von vielen Ärzten durchgeführt, die auch Dialysen anbieten. Daneben gibt es auch spezialisierte Apheresezentren und Fachabteilungen von Kliniken und Krankenhäusern.

Es gibt zwei Behandlungsarten für die Lipid-Apherese in Ihrem Hause, warum und was unterscheidet sie?

Es wird zwischen Vollblutsystem- und Plasmaverfahren unterschieden. DALI, also Direct Adsorption of Lipoproteins, ist die Vollblutapherese, mit der Patienten mit schwerer Hypercholesterinämie oder Hyperlipoproteinämie(a) behandelt werden können. Das Kernelement ist die Adsorbersäule. Dabei handelt es sich um ein Kunststoffgehäuse, das mit speziellen Kügelchen, den DALI-Beads, gefüllt ist. Mit den DALI-Beads werden LDL-Cholesterin und Lp(a) selektiv aus dem Patientenblut gebunden. Die Lipoproteinfiltration mit MONET dient der Reduktion von hochmolekularen Plasmabestandteilen, besonders von LDL-Cholesterin, Lp(a) und Fibrinogen. MONET steht für Membrane Filtration Optimized Novel Extracorporeal Treatment. Das Blut wird aus einem Arm entnommen und zur Maschine geleitet. Das Plasma des Patienten wird über einen Plasmafilter vom Blut getrennt. Es wird dann zu einem zweiten Filter geleitet, dem MONET-Filter. Er hält LDL-Cholesterin, Fibrinogen, Lp(a) zurück. Das gereinigte Plasma wird im Anschluss mit dem restlichen Blut zusammengeführt und zum Patienten zurückgeleitet. Mit der Auswahl des Verfahrens hat man die Möglichkeit, eine patientenindividualisierte Apheresebehandlung anzubieten.

Wie sehen die Erfahrungswerte und Erfolgsaussichten aus?

Die Lipid-Apherese ist für viele Patienten eine unverzichtbare und lebenserhaltende Therapiemaßnahme. Ich kenne viele Patienten, die darauf so vertrauen, dass sie nicht mehr damit aufhören wollen und  neue Medikamente nicht probieren wollen. Viele haben  keine Schmerzen mehr, die Atemnot ist vorbei und sie haben keine kardiovaskulären Ereignisse mehr.