Brustschmerzen gehören zu den sehr häufigen Beschwerden. Aber nicht alle Symptome weisen auf das Herz hin. Denn auch Störungen in Muskeln, Lunge oder Nerven können sie hervorrufen und die sind in ihren Auswirkungen weniger dramatisch. Experten schätzen, dass „nur“ etwa acht bis 16 Prozent aller Ursachen auf das Herz zurückführen sind.
 

Schmerzen in der Brust   

„Sehr viel häufiger und in den meisten Fällen deutlich weniger bedrohlich sind nicht herzbedingte Ursachen die ‚Übeltäter‘ in puncto schmerzender Brust, allen voran unser Bewegungsapparat“, sagt Dr. Stefan Waller. Er ist seit vielen Jahren Internist und Kardiologe in Berlin und vermittelt außerdem als „Dr. Heart“ medial und laiengerecht umfangreiches Basiswissen zu Herzerkrankungen auf seinem Youtube-Kanal und seiner Website. Den meisten Fällen von Brustschmerzen liegt ein sogenanntes Brustwandsyndrom zugrunde: Hier lösen eher harmlose Verspannungen der Brustmuskulatur die Schmerzen aus. „Manchmal sind auch die Nerven, die zwischen den Rippen verlaufen, gereizt und ‚melden‘ sich auf diese Weise zu Wort“, so Waller.
 

Unterschiedliche Ursachen   

„Neben unserem Herzen liegt natürlich auch die Lunge in unserem Brustkorb und kann Beschwerden in diesem Bereich verursachen, zum Beispiel im Rahmen einer schweren Bronchitis oder einer Lungenentzündung“, so Waller. „Auch unsere Speiseröhre läuft durch den Brustraum. Sodbrennen kann sogar manchmal mit einem Herzinfarkt verwechselt werden, genauso wie eine schwere Magenschleimhautentzündung.“ Zudem kann auch die Psyche dem Betroffenen einen Streich spielen: Panik- und Angststörungen nehmen ihm dann buchstäblich die Luft zum Atmen und manchmal spürt er sogar Enge oder Schmerzen in der Brust.Ist dagegen doch das Herz die Ursache, ist die koronare Herzkrankheit, also die Durchblutungsstörung des Herzens, zu drei Vierteln der Fälle der Grund für die Beschwerden. In deutlich weniger Fällen, einem Viertel, steckt allerdings tatsächlich ein potenziell lebensbedrohlicher Herzinfarkt dahinter. „Rein zahlenmäßig ist der Herzinfarkt also eher weniger häufig die Ursache, allerdings ist es natürlich extrem wichtig, diesen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren“, so Waller.


Im Notfall den Notarzt alarmieren  

Das Problem für Patienten wie Ärzte: Die Symptome von gefährlichen und nicht gefährlichen Erkrankungen im Brustbereich können sich überschneiden. „Als Laie ist es oft nicht sicher möglich, diese beiden Formen des Brustschmerzes zu unterscheiden, und auch uns Ärzten gelingt dies oft erst nach einigen weiterführenden Untersuchungen“, sagt Waller. Daher gilt es, im Zweifel den Notarzt zu alarmieren. „Wichtig ist, unter den vielen harmloseren Ursachen die wenigen, aber dafür sehr gefährlichen Erkrankungen nicht zu übersehen. Denn diese sind eben potenziell lebensbedrohlich.“

Signale, die Betroffene beachten sollten, sind daher unter anderem Begleitsymptome wie Kreislaufprobleme, Ohnmachtsgefühle, Schwitzen, obwohl die Haut eiskalt ist, Atemnot, eine beschleunigte Atemfrequenz oder eine Panikattacke. Hinzu kommen außerdem einige Hinweise und Konstellationen, die eine gefährliche Ursache wahrscheinlicher machen: Dazu zählen zum Beispiel ein Alter ab 55 Jahren, eine bereits bekannte Gefäßerkrankung oder Zuckerkrankheit. Hinweise geben aber auch Auslösefaktoren: Hier treten die Beschwerden bei vermehrter körperlicher Belastung auf oder der Schmerz sitzt direkt hinter dem Brustbein.


Dr. Stefan Waller aka Dr. Heart Internist und Kardiologe in Berlin.   

Wenn das Herz bricht

Sehr genau hinschauen müssen Mediziner auch beim so genannten Broken Heart Syndrome: Jeder Mensch, der schon mal an Liebeskummer litt, kennt den Schmerz, den er verursacht. Für die Psyche ähnelt er einem kalten Entzug von Drogen, weil die Werte für Hormone wie Dopamin oder Serotonin mit einmal in den Keller sinken. Aber droht den an der Liebe Leidenden womöglich auch der Tod wegen eines „gebrochenen Herzens“? Kann es also durch ein emotionales Ereignis Schaden nehmen?

„Leider ja“, sagt Waller. „Ich erinnere mich dabei an meine Krankenhauszeit, als ich als noch junger Stationsarzt in der Kardiologie gearbeitet habe. Damals war eine ältere Dame auf dem Stationsflur zusammengebrochen, nachdem sie vom Tod ihres Ehemannes erfahren hatte. Sie klagte über Schmerzen in der Brust, Luftnot und Angstgefühl. Das EKG zeigte Veränderungen passend zu einem Herzinfarkt. Selbst die Blutwerte belegten einen Anstieg der Herzenzyme, so dass wir notfallmäßig eine Herzkatheter Untersuchung durchführten.“

Verblüfft waren die Ärzte jedoch, dass sie entgegen ihrer Erwartungen keine verengte oder verstopfte Herzkranzarterie fanden, die man beim Herzinfarkt vermuten würde. Stattdessen entdeckten sie eine ausgeprägte Aufweitung und komplette Bewegungslosigkeit der Herzspitze. Dieser Befund ist typisch für das Broken Heart Syndrome, das Mediziner auch als Takotsubo Syndrom oder Stresskardiomyopathie bezeichnen.
 

Emotionale Auslöser

Die Ursache ist trotz intensiver Forschungen weiterhin relativ unklar. Experten vermuten, dass Stresshormone dabei den Herzmuskel schädigen. Denn das Syndrom tritt oft nach schweren seelischen Belastungen wie dem Verlust eines geliebten Menschen, aber auch durch schwere körperliche Belastungen wie Operationen auf. Sogar erfreuliche Ereignisse, zum Beispiel ein Lottogewinn, können Auslöser sein. „Dann spricht man vom Happy Heart Syndrome“, so Waller.


Zwar erholt sich das Herz in den allermeisten Fällen von selbst. Doch gerade in der akuten Anfangsphase der Erkrankung kann es zu schlimmstenfalls sogar tödlichen Komplikationen kommen, wie z.B. Pumpversagen des Herzens, Herzrhythmusstörungen oder Kammerflimmern. Die gute Nachricht: „Das Broken Heart Syndrome tritt deutlich seltener als ein Herzinfarkt auf“, so Waller. „Es betrifft meist Frauen nach den Wechseljahren und Zwar erholt sich das Herz in vielen Fällen sogar von selbst.

Doch gerade in der akuten Anfangsphase der Erkrankung kann es zu tödlichen Komplikationen kommen, wie z.B. Pumpversagen des Herzens, Herzrhythmusstörungen oder Kammerflimmern. Die gute Nachricht: „Das Broken Heart Syndrome tritt deutlich seltener als ein Herzinfarkt auf“, so Waller. „Es betrifft meist Frauen nach den Wechseljahren und nur selten kommt es zu tödlichen Komplikationen."

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