Wenn Herzmuskelzellen im Team zusammenarbeiten, läuft alles perfekt. Die beiden Herzvorhöfe ziehen sich zusammen und Blut strömt in die beiden Herzkammern. Die pumpen es dann in den Kreislauf des Körpers. Bei Patienten jedoch, die unter Vorhofflimmern des Herzens leiden, gerät dieser gesunde Ablauf durcheinander. Die Herzvorhöfe kontraktieren nicht mehr koordiniert. Ihre unkoordinierte Erregung ähnelt einem Zucken oder Flimmern.

Hinzu kommt dann in der Folge ein gefährliches Problem: Blut, das nicht ausreichend in den Körper gepumpt wird, kann in den Herzohren – kleine Ausziehungen der Herzvorhöfe – verbleiben und Gerinnsel bilden.

Er ist, vereinfacht gesagt, eine Art Spöpsel, der das Verhofohr dauerhaft verschließt.

Gefährliche Folgen

Der Grund: Das menschliche Blut ist bekanntlich nicht nur „ein besonderer Saft“, sondern eine hochkomplexe Lymphe. Solange es in Bewegung ist, bleibt es flüssig. Bewegt sich das Blut jedoch nicht mehr schnell genug, bilden sich zunächst kleinere Klümpchen. Bei sehr langsamem Blutfluss oder Stillstand gerinnt das Blut und es entstehen die Gerinnsel, sogenannte Thromben. Werden die irgendwann losgeschwemmt, können sie Gefäße im Gehirn verstopfen und sogar zu einem Schlaganfall führen. Anders als beim sogenannten Kammerflimmern besteht beim Vorhofflimmern zwar keine unmittelbare Gefahr für einen plötzlichen Herztod. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist jedoch sehr hoch.

Häufige Herzrhythmusstörung

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und oftmals die Ursache für ambulante Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte. Experten schätzen die Häufigkeit von Vorhofflimmern in der Bevölkerung auf 1,5 bis zwei Prozent. Mit dem Alter nimmt sie außerdem deutlich zu: Bei den 70- bis 80-Jährigen liegt sie bei bis zu 15 Prozent. Vor einer wichtigen Therapie müssen Ärzte mithilfe von Ultraschall erst überprüfen, ob sich bereits Gerinnsel in den Herzvorhöfen gebildet haben.

Hilfreiche Therapien

Sie können dann zum Beispiel Medikamente gegen die Rhythmusstörung, ein Antiarrhythmikum, in einer Dauertherapie geben. Möglich sind auch blutverdünnende Medikamente, die der Patient ein Leben lang einnimmt. In der Nebenwirkung erhöht sich jedoch das Blutungsrisiko – auch in lebenswichtigen Organen wie etwa dem Gehirn. Hinzu kommt, dass auch nicht alle Patienten auf diese Therapie ansprechen.

Eine Alternative ist die elektrische Kardioversion. Sie funktioniert ähnlich wie eine Defibrillation bei einer Reanimation: Man narkotisiert den Patienten für kurze Zeit und leitet über zwei Elektroden für einen Bruchteil einer Sekunde Strom in sein Herz. Durch den Stromstoß fällt das Herz häufig zurück in seinen normalen Rhythmus.

Katheter und Implantat

Abhilfe schaffen kann auch ein spezielles Katheterverfahren, ein sogenannter Vorhofohr-Okkluder. „Er ist, vereinfacht gesagt, eine Art Stöpsel, der das Vorhofohr dauerhaft verschließt“, beschreibt Dr. Thomas Gaspar, leitender Oberarzt für Invasive Elektrophysiologie am Herzzentrum der Universitätsklinik Dresden, das Verfahren.
„Dazu dient ein scheibenförmiges, zusammenklappbares Geflecht, das wir mithilfe eines Katheters über die Leiste einführen und über die Blutgefäße zum Vorhofohr leiten. Dort setzen wir das aus einem Drahtgeflecht bestehende Implantat ein und überprüfen mittels eines bildgebenden Verfahrens die Position.“

Neue Lebensqualität

Sind keine Korrekturen mehr notwendig, wird das Implantat freigesetzt und der Katheter wieder entfernt. Der Eingriff, der von den Krankenkassen übernommen wird, dauert circa eine Stunde. Patienten spüren währenddessen kaum etwas und verlassen in der Regel nach zwei bis drei Tagen mit neu gewonnener Lebensqualität das Krankenhaus.