Manuela Freudenlieb hatte im November 2011 gerade ihren Sohn Tim zur Welt gebracht, als passieren sollte, was niemand für möglich halten konnte. „Wir dachten, jetzt fängt unser Glück als kleine Familie erst richtig an“, freuten sich die Buchhalterin und ihr Mann damals.

Doch plötzlich verschlechterte sich der körperliche Zustand der jungen Mutter rapide. Sie bekam kaum Luft und war nicht mehr in der Lage, das Bett zu verlassen, an die Versorgung des Kindes war nicht mehr zu denken. „Anfangs dachte ich, dass seien Nachwehen der Schwangerschaft oder der berüchtigte Baby Blues“, erinnert sich die Berlinerin.

„Ich habe meine Seele gebeten, das fremde Herz liebevoll aufzunehmen.“

Beginnendes Herzversagen

Doch ihr Mann, von Beruf Rettungsassistent, ahnt, was wirklich passiert sein könnte: ein beginnendes Herzversagen. Er ruft sofort den Notarzt, der sie unmittelbar in die Rettungsstelle einliefert. Die Diagnose: akute Herzmuskelschwäche, die während der Untersuchungen zu einem Herz-Kreislauf-Versagen führte. Die Ärzte legen Manuela Freudenlieb zunächst in ein Koma, um das Herz zu entlasten.

Gleich am folgenden Tag wird sie operiert. Sie bekommt ein künstliches Herz, das ihr eigenes Herz vorübergehend unterstützen soll. Als sie aufwacht, führen vier Schläuche aus ihrem Bauch, sie trägt zwei tennisballgroße Pumpen an ihrer linken Hüfte, und ein koffergroßes Antriebssystem befindet sich neben ihr. „Ich freute mich, dass ich noch am Leben war“, erinnert sich die junge Frau, „denn ich war quasi schon tot.“ 

Noch während ihres Krankenhausaufenthaltes schmiedet die Familie Pläne für die Zukunft. „Ich habe Manuela nie aufgegeben, jeden Tag gebetet, sie durfte mich, uns einfach noch nicht verlassen,“ erinnert sich Thorsten Freudenlieb.

Ein Herz ist da

Just am Nikolaustag kann ihr Arzt die ersehnte Nachricht übermitteln: „Ein Herz ist da.“ Als „High Urgency“-Fall hat man für sie ein Spenderherz gefunden. Jetzt muss alles sehr schnell gehen – Transport und Operation passieren in wenigen Stunden. „Am Anfang spürte ich die Kraft des offenbar starken Herzens so sehr, dass ich es kaum ertragen habe“, sagt die junge Mutter, „doch jetzt fühle ich mich sehr wohl damit.“

Sieben Monate nach der Einlieferung darf sie das erste Mal nach Hause. „Es war wie eine zweite Geburt“, erinnert sie sich, „damals war einfach nicht die Zeit zu gehen.“

Noch ist sie bei einer Größe von 1,76 Metern und 43 Kilogramm Körpergewicht etwas schwach, hat viel Gewicht und Muskelkraft, aber nicht den Lebensmut verloren. „Ich habe meine Seele gebeten, das fremde Herz liebevoll aufzunehmen“, sagt sie, „einen fremden Menschen spüre ich nicht in mir.“

Menschenleben retten

Sie will den Angehörigen des Spenders irgendwann einen Dankesbrief schreiben. „Außerdem habe ich mir sofort einen Organspendeausweis geholt“, sagt Manuela Freudenlieb, „vielleicht kann ich so irgendwann ein Organ jemandem geben, der es genauso dringend braucht, wie ich es gebraucht habe. Vielleicht kann auch ich irgendwann mal ein Menschenleben retten.“